Deutsche Umwelthilfe: Apple ist beim Umweltschutz ein abschreckendes Beispiel

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft Apple vor, sich vor der in Deutschland seit drei Monaten geltenden Rücknahmepflicht für Elektroschrott zu drücken.

Verbraucher hatten sich bei der DUH über das Verhalten von Apple Mitarbeitern beschwert, woraufhin die Organisation einige Testbesuche durchführte. Dabei stellte sich heraus, dass Apple nur dann Altgeräte zurücknehme, wenn der Kunde ein neues Gerät kaufe.

Die Seit Juli geltende Rücknahmeverpflichtung für Elektrogeräte sieht vor, dass Geschäfte Geräte beliebiger Hersteller zurücknehmen müssen, deren Kantenlänge 25 Zentimeter nicht überschreitet. Ein zu Kassenbon muss dazu nicht vorgelegt werden. Der Händler ist dann verpflichtet, die Geräte fachgerecht zu entsorgen. Lediglich bei der Rückgabe von größeren Geräten kann der Händler auf den Kauf eines neuen Geräts bestehen.

In der Praxis bedeutet das, dass man einen defekten Haartrockner, einen Wasserkocher, das Billig-Smartphone anderer Hersteller oder ein kleines Radio auch bei Apple zurückgeben kann.

“Wir sind Apple!”

Apple hat auf die Rücknahme offenbar keine Lust und verweigerte bei mehreren Testbesuchen durch die Deutsche Umwelthilfe die Annahme der Geräte. Die Mitarbeiter hätten die Testkunden mit der Begründung “Wir sind Apple!” abgewiesen und den Gang zum nächsten Media Markt oder Saturn empfohlen.

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An diesem Verweis auf andere Händler stoßen sich die Umweltschützer besonders, denn Apple bürdet damit anderen Unternehmen die Rücknahmeverpflichtung und die damit einhergehenden Kosten auf. Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen:

„Apple entzieht sich nicht nur seiner Verpflichtung zur korrekten Zahlung von Steuern. Auch Umwelt- und Verbrauchergesetze werden vorsätzlich gebrochen und Kunden mit ihren Altgeräten an Unternehmen verwiesen, die durch ehrliche Steuerzahlungen sowieso eine höhere Belastung haben. Apple stellt sich gerne als innovatives Unternehmen dar. Beim Umwelt- und Verbraucherschutz ist das kalifornische Unternehmen jedoch ein abschreckendes Beispiel.“ Jürgen Resch, DUH

Die Deutsche Umwelthilfe hat Apple nach eigenen Angaben bereits kontaktiert und das Unternehmen zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung aufgefordert.

„Du kannst elektronische Altgeräte wie Smartphones, Tablets, Computer oder Batterien in jeden Apple Store in Deutschland bringen und wir recyceln sie kostenlos und umweltgerecht.“ Apple

Das Verhalten der Mitarbeiter steht im Gegensatz zu Apples offizieller Umweltpolitik. Das Unternehmen schmückt sich gerne mit seinen Aktivitäten im Bereich Umweltschutz und weist z.B. auf seinen offiziellen Internetseiten darauf hin, dass man bereits seit 2014 Elektrogeräte zurücknehme. Warum Apple sich in den hier dokumentierten Fällen weigert ist unklar. Den Unternehmen wurde in einer neunmonatigen Übergangsfrist genügend Zeit gegeben, sich auf die neuen Regelungen vorzubereiten.

We redefine expectations.
First for ourselves, then for the world.
Because we’re a little crazy.
Because “good enough” isn’t.
Because what we do says who we are.
Zitat aus dem Apple Credo

In Deutschland werden jährlich etwa 1,7 Millionen Tonnen Elektrogeräte verkauft, nur 40 Prozent davon werden ordnungsgemäß gesammelt und recycelt. Um dieses Umweltproblem in den Griff zu bekommen, hatte die EU-Kommission im Rahmen der WEEE2-Richtlinie (EU-Richtlinie 2012/19/EU) Handelsunternehmen verpflichtet, kostenfrei Altgeräte zurückzunehmen. So soll sichergestellt werden, dass die hierin enthaltenen Schadstoffe umweltgerecht behandelt und wertvolle Rohstoffe recycelt werden. Die deutsche Bundesregierung hatte, so die DUH, auf Druck der Handelskonzerne diese EU-Richtlinie erst mit mehreren Jahren Verzögerung umgesetzt.