In der Nacht vom 08. auf den 09. November entscheidet sich, wer der nächste präsident oder die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten werden wird. In der blauen Ecke des Rings kämpft Hillary Clinton um einen erneuten Einzug in ihr ehemaliges Zuhause, in der roten Ecke wartet Donald Trump auf die Übergabe der wohl begehrtesten Hausschlüssel der USA. Die Wahl findet selbstverständlich weltweit Beachtung, in den Talkshows rund um den Globus dürfte in den kommenden 96 Stunden nur äußerst selten irgendein anderes Thema abgehandelt werden.

In den vergangenen Monaten – eigentlich spätestens seit der endgültigen Bekanntgabe der beiden Nominierten durch ihre jeweilige Partei – windet man sich als Beobachter in einem Wechselbad der Gefühle. Die TV-Duelle zwischen den beiden Kontrahenten erreichten trotz nächtlicher Ausstrahlung enorme Quoten, die Reaktionen reichten von “Pest oder Cholera” bis hin zu eindeutigen Sympathiebekundungen für den ein oder anderen Kandidaten durch den ein oder anderen Prominenten. In einem sind sich fast alle einig: die Wahlbeteiligung wird – und soll, unbedingt – so hoch ausfallen wie seit Jahren nicht mehr.

Ein erheblicher Teil der Wahlschlacht fand in den Sozialen Netzwerken statt. Dort lieferten sich nicht nur Anhänger der beiden Kandidaten erbitterte Gefechte um die Vorherrschaft und Meinungshoheit. Auch eine Armada von Bots soll auf beiden Seiten ein Bombardement von Tweets und Beiträgen abgefeuert haben. Zudem hielten sich die beiden Kontrahenten persönlich mit gegenseitigen Anfeindungen und Schuldzuweisungen nicht zurück.

Lesenswert:
Medienmanipulation: Software maipuliert menschliche Sprache und Mimik

Glaubt man der New York Times, dann hat sich zumindest für Donald Trump im Endspurt um das Amt des Präsidenten das mediale Battle erst einmal erledigt. Sein eigenes Wahlkampfteam soll dem streitbaren Milliardär (oder Millionär?) den Zugang zu seinem Twitter-Account verwehren. Bei Esquire titelt man hämisch, die Berater hätten den Account „Trumps kleinen Händen entrissen“.

Trump hatte in den vergangenen Monaten wiederholt Nachrichten gepostet, in denen er die unterschiedlichsten Personen oder Gruppen attackierte, beleidigte oder schlicht vor den Kopf stieß. Zudem befanden sich darunter Tweets, die wohl nicht mit der PR-Abteilung oder der Parteispitze abgesprochen waren. Data Scientists hatten sogar ein recht zuverlässiges System gefunden, Trumps persönliche Tweets von denen seines Presse-Teams zu unterscheiden: Donald twitterte bevorzugt mitten in der Nacht und latent bis offensichtlich wütend.

Das wiederum hatte ihm einerseits Spott und Hohn (Stichwort Blasenschwäche) eingebracht, sorgte aber andererseits auch für ernsthafte Bedenken. Spätestens seit den digitalen Eskapaden gilt Trump als impulsiv, aggressiv, und unkontrollierbar.

Zum Löschen seines Accounts ließ sich Trump von Hillary Clinton zwar nicht überreden, doch nach Ansicht seines eigenen Wahlkampfteams war es nun zumindest an der Zeit für einen sozialen Maulkorb. Diese Steilvorlage ließ sich der noch amtierende Präsident Barrack Obama anscheinend nicht entgehen: auf einer Wahlveranstaltung soll er mit dem Statement „Wenn jemand nicht mit einem Twitter-Konto umgehen kann, kann er nicht mit den Atomcodes umgehen“ das Publikum sehr erheitert haben.

Trumps persönliche Abstinenz dürfte die Reichweite seiner Botschaften aber nur unwesentlich verringern, da eine ganze Reihe von höchst engagierten Unterstützern nun stellvertretend ihr (und sein) Halbwissen noch vehementer verbreiten.