Doppler Here & Waverly Labs Pilot – Die Hearables kommen!

Wearables? Alter Hut, das nächste Ding sind die Hearables. Natürlich sind Hearables auch Wearables, aber eine sehr spezielle Variante und mit einigem Potential. 

Bereits im letzten Jahr wurden per Crowdfungding Here von Doppler Labs finanziert, zwei kabellose Ohrhörer, die es dem Träger erlauben seine akustische Umgebung ganz nach persönlichem Geschmack zu modifizieren. Vom globalen Lautstärkeregler für die ganze Welt, über spezifische Filter, um bestimmte Geräusche zu unterdrücken, bis hin zu einem persönlichen EQ reichen die Möglichkeiten. Und seien wir mal ehrlich: Wer von uns hatte sich nicht schon hin und wieder gewünscht, die Aussenwelt zumindest akustisch einfach abschalten zu können? Auf der Produktwebsite werden einige Videos gezeigt von Menschen – hauptsächlich Musikern – die die Hörer ausprobieren durften und die Reaktionen sind nun nicht überraschend.

Gerade in diesem Bereich ergeben sich mit dieser Art von Technik einige Möglichkeiten – und im schlimmsten Fall werden langfristig einige Monitor-Leute arbeitslos. Denn wozu soll man noch jemanden bezahlen, der den Monitor-Soundf für die ganze Band mischt, wenn das jedes Band-Mitglied ganz individuell für sich machen kann? Vorbei die Zeiten, in denen Musiker auf der Bühne seltsame Handzeichen machten – übrigens: zur Seite der Bühne schauen, auf den Schlagzeuger zeigen und dann den Daumen runter zu nehmen bedeutet in 99% der Fälle nicht, dass der Schlagzeuger scheiße wäre, sondern dass das Schlagzeug im Monitor-Sound leiser gedreht werden soll.

Konzertbesucher können so dann auch individuell den Klang des Konzerts regulieren und so lange an den Reglern ihres persönlichen Akustikassistenten drehen, bis es genau so klingt, wie daheim auf der Anlage. Wozu man dann aber natürlich noch auf ein Konzert gehen sollte ist eine andere Frage. Sehr schön aber die Möglichkeit bestimmte Geräusche zu filtern und mindestens mal zu reduzieren, ob es nun die U-Bahn auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit oder die bei jedem Konzert anwesenden Dauerquatscher, die meistens genau neben einem stehen.

Von der Hardware her sehr ähnlich ist die Idee von Wavery Labs: Pilot besteht ebenfalls aus zwei kabellosen Ohrhörern und auch eine App gehört dazu. Zweck dieser Hörer ist aber nicht das persönliche akustische Umfeld, sondern die Liveübersetzung gesprochener Worte. Das erinnert ein wenig an den Babel Fish. Nur steckt man sich hier keinen kleinen Fisch ins Ohr, sondern ein Stück Technik. Überraschend kommt diese Entwicklung sicherlich nicht, schließlich werden die automatischen Übersetzungen durchaus besser und auch wenn Maschinen sehr vieles nicht 100%ig übersetzen können, so reicht es doch, um zu verstehen, was gemeint war. Schade, dass Douglas Adams die technische Umsetzung seiner Idee nicht mehr erleben darf.

Die Idee eines  „Skype Translators“ zum Mitnehmen, für das echte Leben statt nur für Skype-Anrufe, dürfte nicht nur für mich reizvoll sein. Zwar kommt man mit Englisch fast überall ganz gut zurecht, aber jede andere als die Muttersprache stellt immer eine gewisse Barriere dar – für den einen ist sie größer, für den anderen kleiner. Und nicht immer ist sicher gestellt, dass man überhaupt eine gemeinsame Sprache findet für den aktuellen Gesprächspartner. Einziger Nachteil der Lösung: Es müssen immer alle Gesprächspartner den passenden Knopf im Ohr haben – es wird noch etwas dauern, bis es soweit ist, dass man dies voraussetzen kann. Aktuell gibt es für beide Produkte Wartelisten…

Diese beiden Beispiele zeigen aber eines ganz deutlich: In Sachen Wearables hat es gerade mal angefangen – Fitnessarmbänder und Smartwatches sind hier erst der Anfang und sehr lange nicht das Ende der Fahnenstange. Und mit fortschreitender Technik werden mit Sicherheit einige Wearables auch unter die Haut wandern, wo sich bei manchen heute schon Magneten und RFID-Chips befinden. Ob man sich nun auf diese Art der Technik freut oder eher skeptisch ist, eines kann sicher niemand bestreiten: Es ist und bleibt spannend.