Eklat: Elon Musk düpiert Analysten während Telefonkonferenz

Teslas CEO Elon Musk erwies sich während einer wichtigen Telefonkonferenz mit ausgewählten Analysten als "Enfant Terrible" und sorgte mit seinem Verhalten für einen handfesten Eklat. Er bezeichnete naheliegende Fragen als "langweilig", unterbrach kurzerhand das Gespräch und wechselte zu einem offenbar weniger unangenehmen Gesprächspartner. Die Reaktionen auf das seltsame Verhalten sind zwiespältig.

Der CEO des kalifornischen Autobauers Tesla hat nach der gestrigen Bekanntgabe der Quartalszahlen für einen handfesten Eklat gesorgt. In einer obligatorischen Telefonkonferenz mit Analysten verweigerte der populäre Geschäftsführer die Beantwortung naheliegender Fragen mit der Begründung, diese seien ihm zu “langweilig”. Er unterbrach das Gespräch und wechselte abrupt zu einem Dialog mit einem YouTuber, der im Vorfeld des Calls um diese Gelegenheit gebeten hatte.

Elon Musks Antworten auf verschiedene Fragen waren bereits in den Minuten zuvor kürzer und geradezu pampig geworden. Als ihn der Bernstein-Analyst Tony Sacconaghi nach ungefähr 36 Minuten fragte, wo das Unternehmen in puncto Kapitalbedarf stehe, antworte Elon Musk

“Excuse me, excuse me. Next, next. Boring bonehead questions are not cool. Next.”

Daraufhin fragte ihn der RBC-Analyst Joseph Spak, wie hoch der prozentuale Anteil der Nutzer sei, die ein Tesla Model 3 reserviert hätten, dieses im Rahmen des Bestell-Prozedere konfigurieren dürften und dies dann auch tatsächlich täten. Spätestens bei dieser Frage verlor der sichtlich genervte CEO offenbar die Geduld, fast 15 Sekunden war die Leitung anscheinend stumm geschaltet. Mit den Sätzen

“We’re going to YouTube. These questions are so dry. They’re killing me.”

brach er die Telefonkonferenz kurzerhand ab und ließ völlig verdutzte Analysten und Journalisten zurück. Er wechselte auf den YouTube-Kanal des 25-jährigen Gali Russell, mit dem Musk diesen Schritt kurz zuvor vereinbart hatte. Russell, ein Investor bei Tesla, hatte vor rund einem Monat ausführlich erläutert, warum er vom Erfolg Teslas überzeugt sei.

 

Die für Elon Musk offenbar langweiligen Fragen der Analysten haben einen durchaus ernsten Hintergrund. Tesla hatte die Veröffentlichung der Quartalszahlen dazu genutzt, eine Reduzierung des Investitionsvolumens anzukündigen und diese Reduzierung an den Verzicht auf frisches Kapital gekoppelt. Dies weckt bei aufmerksamen Beobachtern anscheinend den Verdacht, dass zurückliegende Versprechungen hinsichtlich der Fertigung eines elektrisch betriebenen LKW und eines Model Y nicht im eigentlich erwarteten Zeitrahmen erfüllt werden können, weil Tesla die dazu notwendigen Investitionen einfach ins kommende Jahr verschieben könnte.

Zudem hatte Tesla nochmals betont, dass man weiterhin auf rund 450.000 Reservierungen des Model 3 bauen könne. Die Anzahlungen, die von Interessenten in diesem Zusammenhang geleistet wurden, machen einen erheblichen Teil der verbleibenden Cash-Reserven des Unternehmens aus. Die Frage, wie viele Interessenten nach einer Freischaltung der Bestellmöglichkeit tatsächlich von ihrer Kaufoption Gebrauch machen ist dementsprechend elementar. Hinzu kommt, dass diese Auskunft einen Hinweis auf die zukünftigen Verdienste des Unternehmens mit dem Model 3 geben würde – Reservierungen und tatsächlich getätigte Bestellungen sind eben zwei Paar Schuhe.

Das rüde Auftreten von Elon Musk während der Telefonkonferenz wurde völlig unterschiedlich aufgenommen. Während Journalisten des Wall Street Journal und des Wirtschaftsdienstes Bloomberg geradezu entsetzt reagierten, konnten besonders enthusiastische (und selbst bei Tesla investierende) “Fans” wie Frederic Lambert und Ross Gerber trotz des unverzüglich fallenden Börsenwertes ihre Begeisterung kaum zurückhalten.