Wissenschaft
Evatar: Der weibliche Zyklus auf einem Chip

US-Forscher aus Illinois haben eine Zellkulturplatte gebaut, auf der sich kleine 3D-Modelle der weiblichen Geschlechtsorgane befinden. Eine blutähnliche Flüssigkeit verbindet alle Komponenten miteinander und lässt sie untereinander interagieren. Das Modell ist ein weiterer Schritt in die Richtung der personalisierten Medizin.

Wir Frauen kennen das und viele Männer bestimmt auch: Einmal im Monat muss man das weibliche Geschlecht mit extra samtigen Handschuhen anfassen. Das würden viele Männer da draußen wohl gerne mal verstehen. Ein US-Forscherteam hat es kürzlich erfolgreich geschafft, den weiblichen Zyklus auf einem Chip nachzubilden. „Ja sind die denn verrückt? Wer würde sowas denn nachbauen wollen?“, werden sich jetzt wohl einige fragen. Ganz einfach, die Miniaturversion des weiblichen Fortpflanzungsorgans soll in Zukunft bei der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten von Krankheiten helfen.

Auf dem Chip des Women’s Health Research Institute in Illinois kann Gewebe erstmals länger am Leben gehalten werden als üblich. Das System nennt sich Evatar und beinhaltet kleine, jeweils isolierte 3D-Modelle aller weiblichen Organe. Durch jedes Körperteil fließt eine blutähnliche Flüssigkeit, die alle miteinander verbindet. Die Gewebearten verhalten sich wie bei einem Menschen, mit einem Zyklus von 28 Tagen. Im Prinzip imitieren sie genau das, was auch im menschlichen Körper passiert, nur eben ohne die Gefühlsschwankungen.

Der Chip ist eine große Neuigkeit in der Welt der Wissenschaft. Zuvor ist so etwas noch nie gelungen, da der blutähnliche Stoff hier die Hauptrolle spielt. Einen synthetischen Stoff, der diesen Part übernimmt, gab es bislang noch nicht. Nun hat das Forscherteam mit ihrem Evatar-Chip ein ganz bestimmtes Anwendungsfeld im Blick.

Es geht hier nämlich um personalisierte Medizin, solche also, die auf einen ganz bestimmten Menschen zugeschnitten ist. Medikamente beispielsweise können bei jeder Person unterschiedliche Wirkungen haben, insbesondere, wenn es sich dabei um Arzneimittel für Frauen handelt. Anstatt alle Nebenwirkungen eines Beipackzettels durchzugehen, entschied man sich für eine Simulation der Organe, ist doch auch nicht schlecht.

Die US-Forscher haben also vor, Stammzellen einer einzelnen Patientin zu nutzen, um ein personalisiertes Model ihrer Geschlechtsorgane zu erstellen. Quasi eine Gebärmutter 2.0, an der verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und Medikamente getestet werden können. In Zukunft möchte man dieses System auch auf andere Bereiche des Körpers ausweiten, um ein weiteres Feld von Krankheiten zu untersuchen und bekämpfen zu können.

via: wired