Facebook, die Klarnamen und die Künstler

Facebook hat relativ strikte Regeln, wenn es um Klarnamen geht - bislang galt das aber nur für private Profile und nicht Seiten. Möglicherweise will Facebook das nun ändern? Dem Künstler Martin Perscheid wurde nun der Zugriff auf seine Seite verwehrt.

Wahrscheinlich jeder hat schon mal einen Cartoon von Martin Perscheid gesehen, möglicherweise aber auch ohne seinen Namen zu kennen. Seinen Stil erkennt man aber immer wieder. Am bekanntesten dürften wohl „Perscheids Abgründe“ sein, unter diesem Titel veröffentlicht er bereits seit 1996 Cartoons. Auch hat er schon diverse Preise erhalten für seine Werke erhalten und vielleicht haben manche auch die juristische Auseinandersetzung zwischen ihm und seiner Agentur Bullspress auf der einen und Seitenbetreibern, die massenhaft seine Cartoons ohne Erlaubnis verwendet haben, auf der anderen Seite mitbekommen. Aber es geht hier um Facebook und nicht um das Urheberrecht.

Cartoon: Facebook-Profilbild - © Martin Perscheid
Cartoon „Facebook-Profilbild“ von Martin Perscheid

Auf Facebook ist er natürlich auch vertreten und zwar einmal als Person mit einem privaten Profil, das ganz getreu den Regeln von Facebook seinen Klarnamen trägt: Martin Perscheid. Und dann hat er noch eine Künstler-Seite, deren Name „Perscheids Abgründe“ lautet. Logisch, der Name ist bekannt und schließlich ist er mit der Vorgehensweise nicht allein und diese entspricht auch den Regeln von Facebook. Sollte man meinen.

Offenbar sieht man das bei Facebook aber (inzwischen?) anders und hat Martin den Admin-Zugriff auf seine Künstlerseite abgedreht und auf die Frage von Martin, warum das geschehen ist, kam auch prompt eine Antwort von Karl aus dem Facebook-Support:

Leider stimmt dein Name auf Facebook nicht mit dem Namen in den Ausweisdokumenten überein, die du uns zur Verfügung gestellt hast. Facebook Support-Mitarbeiter Karl

Im weiteren Verlauf macht Karl dann noch darauf aufmerksam, dass man als Künstler ja schließlich eine Seite anlegen könne und spätestens an dieser Stelle muss man sich kurz fragen: Wie bitte? Facebook dreht Martin den Zugang zu seiner Künstler-Seite ab, begründet das auf Anfrage damit, dass der Name der Seite nicht mit dem Namen in Martins Ausweis übereinstimmt und empfiehlt dann eine Künstlerseite anzulegen?

Klar, natürlich könnte Martin eine neue Künstlerseite aufmachen unter seinem Namen statt als „Perscheids Abgründe“, aber mal abgesehen von den über 65.000 Fans seiner bisherigen Künstlerseite, die das nicht so ohne weiteres mitbekommen würden, wäre das eine nicht unproblematische Änderung der Klarnamen-Politik von Facebook. Denn bislang galt diese nur für persönliche Profile, bei Künstler-Seiten gab es dahingehend bislang keine Beschränkungen und aktuell findet sich da auch keine Klarnamenpflicht für Künstlerseiten in den Nutzungsbedingungen, aber wer weiß, was sich in den AGB so alles versteckt?

Cartoon „Facebook AGB“ von Martin Perscheid
Cartoon „Facebook AGB“ von Martin Perscheid

Wäre ja auch etwas schwierig, schließlich lassen sich eher selten die Mitglieder einer Band den Bandnamen als offiziellen Künstlernamen in den Ausweis eintragen. Auch tragen die Seiten vieler mehr oder weniger bekannter Künstler Namen, die nicht im Ausweis stehen, persönliche bekannt sind mir da zum Beispiel Vito C. von J.B.O. oder Michael Holtschulte, dessen Künstlerseite unter dem Namen „tot aber lustig“ läuft. Michael machte mich auch auf den Fall aufmerksam, von ihm stammt auch das Artikelbild #freeperscheid zu diesem Post (siehe oben)

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, dass die Ursache für die Admin-Sperre eine ganz andere war und nur der Support-Mitarbeiter ein klein wenig überfordert. Tatsächlich scheint so eine Überforderung in vielen Fällen leider eher die Regel zu sein, auch wenn das bislang vor allem Fälle waren, bei denen es um Inhalte geht, von denen man nur schwerlich glauben mag, dass die den „Gemeinschaftsstandards“ entsprechen. Egal, ob es nun eine neue Klarnamenpolitik für Künstlerseiten sein sollte oder irgendein Fehler, bei irgendwelchen automatisierten Checks – man sollte meinen, dass Facebook immer noch andere, sehr viel dringendere Baustellen hat, um die man sich kümmern sollte.