Facebook arbeitet am
Facebook: Mark Zuckerberg will in eure Gehirne

Reichen bloße Gedanken, um bei Facebook ein Posting zu schreiben? Noch nicht, aber Facebook arbeitet daran, dass es in Zukunft möglich sein wird!

In Jahren gerechnet ist es eigentlich gar nicht so wirklich lange her, dass wir alle auf klassischen, physischen Tastaturen Eingaben getätigt haben. Ich weiß noch, wie fasziniert ich von meinem allerersten Handy mit Touchscreen war – ein Display, welches bei bloßer Berührung mit dem Finger reagiert, war für mich seinerzeit irgendwo zwischen Teufelswerk und Raketentechnik angesiedelt.

Mittlerweile sind nicht nur Software-Tastaturen lange selbstverständlich geworden auf allerlei Gerätschaften, dank Technologien wie Swype oder SwiftKey schreibt ihr mittlerweile auch immer schneller und komfortabler, bekommt Tippfehler korrigiert, Wörter vorgeschlagen und vieles mehr. Dazu kommt noch, dass für die Eingabe auch Gestensteuerung und selbstverständlich auch die menschliche Sprache immer wichtiger wird.

Gerade, wenn ihr euer Infotainment-System im Auto bedient, könnt ihr die Augen nicht lange von der Straße abwenden, weshalb es sich dort besonders anbietet, dass ihr per Geste einen Song skippt oder per Sprache auf eine SMS antwortet zum Beispiel. All das macht unsere Welt ein bisschen angenehmer und komfortabler, aber wenn es nach Mark Zuckerberg geht, ist da noch lange nicht Schluss!

Eingabe per Gehirn

Wenn es nach Zuckerbergs Unternehmen Facebook oder besser gesagt dem Entwicklungs- und Forschungsteam von Facebook namens Building 8 geht, müsst ihr in der Zukunft nicht einmal ein gedachtes Posting wirklich niederschreiben oder sprachlich formulieren, um es auf Facebook zu veröffentlichen. Dank entsprechender Sensoren soll es stattdessen möglich werden, dass ihr euren Freunden Nachrichten schicken könnt, ohne dass ihr das Smartphone aus der Tasche holt – allein gesteuert über euer Gehirn!

Facebook-Managerin Regina Dugan sprach bei der Entwicklerkonferenz F8 in San José über dieses Projekt, an dem im Unternehmen derzeit 60 Personen arbeiten. Sie verwies auf eine ähnliche Technologie bzw. Forschungen der Stanford-Universität: Dort hat man einer gelähmten Frau Elektroden implantiert, die Gehirnimpulse messen und in Schrift umwandeln. Mit dieser Technik ist es der Frau möglich, Buchstabe für Buchstabe Wörter zusammenzusetzen – pro Minute schafft sie bis zu acht Wörtern.

Building 8 forscht allerdings an einer anderen Umsetzung: Bis zu 100 Wörter pro Minute möchte man erreichen können – was etwa der fünffachen Geschwindigkeit entspräche, mit der wir heutzutage auf einem Smartphone tippen. Auf Implantate – die Elektrode im obigen Beispiel soll in etwa die Größe einer Bohne haben – will man bei Facebook verzichten, nicht-invasive, tragbare Sensoren sollen diesen Job übernehmen.

Facebook arbeitet am lautlosen Sprachsystem

Wie das technisch vonstatten gehen soll, was hier so nach Science-Fiction klingt? Facebook möchte im Grunde ein lautloses Sprachsystem erstellen. Die Sensoren sollen also die Informationen abgreifen, die euer Sprachzentrum erreichen, direkt bevor ihr ein Wort dann wirklich ausgesprochen habt Auf diese Weise soll es dann theoretisch auch möglich sein, dass ihr nicht mühselig Buchstabe für Buchstabe gedanklich aneinanderreiht, sondern ganze Wörter denkt.

Das hätte gleich mehrere Vorteile: Zunächst einmal ist es für den „Denkenden“ auf diese Weise natürlich einfacher und in der Folge signifikant schneller, als müsse man Buchstabe für Buchstabe vorgehen. Aber darüber hinaus wäre es ein mehr als erfreulicher Nebeneffekt, dass sprachliche Barrieren damit überwunden werden könnten: Denkt ihr an einen Begriff – zum Beispiel an eine Tasse – dann seht ihr diesen Gegenstand gedanklich vor euch und nicht etwa das geschriebene Wort „Tasse“.

Das bedeutet, dass das geschriebene Wort direkt auch in die entsprechende Sprache übersetzt werden kann, wenn ihr euch beispielsweise mit einem Chinesen unterhaltet, weil anhand der Gehirnaktivität der Gegenstand ermittelt wird und nicht das Wort als solches.

Allerdings ist das alles noch Zukunftsmusik. Die benötigten Sensoren müssen laut Dugan hunderttausende Male pro Sekunde millimetergenau die Gehirnaktivitäten messen, damit man nur in die Nähe dessen kommt, was ich oben beschrieben habe. Hier könnt ihr übrigens die ganze Keynote sehen – Regina Dugan spricht etwa ab der 78. Minute:

Möchte ich Facebook in meinen Kopf lassen?

Wenn wir jetzt mal im Hinterkopf behalten, wie „glücklich“ wir jetzt schon mit Facebooks Datensammelei sind, stellt sich die berechtigte Frage, ob wir es denn möchten, dass sich ausgerechnet dieses Unternehmen in unserem Kopf und in unseren Gedanken breit macht. Auch darüber sprach Dugan in ihrem Beitrag: Facebook sei keinesfalls dabei, eine Technologie zu entwickeln, mit der man unsere Gedanken lesen kann, unabhängig davon, ob wir sie mitteilen wollen oder nicht.

Es geht lediglich um die Gedanken, die das Sprachzentrum ansteuern und die wir quasi lautlos sprechen. Auch, wenn diese Technologie bislang mehr Vision als eine tatsächliche Entwicklung ist, kann ich mir jetzt schon lebhaft vorstellen, dass so etwas die Datenschützer vehement auf den Plan ruft. Bis es soweit ist, können wir uns jedenfalls schon mal Gedanken machen, was wir von diesem Ansatz halten und wie wir dann damit umgehen wollen, wenn diese Technik tatsächlich zur Verfügung steht.

Wenn wir weniger an profane Facebook-Posts denken und vielleicht mehr daran, dass sich Menschen mit dieser Technologie verständigen können, die aufgrund einer Behinderung vielleicht nicht auf Sprache oder Schrift zurückgreifen können und das sogar unabhängig von der Sprache des Empfängers, dann kann man eigentlich nur hoffen, dass die Forschung schnelle Fortschritte macht.

Wie das Ganze dann aussieht, wenn man berücksichtigt, dass es Facebook ist, welches unser Gedachtes in Sprache oder Worte umwandelt, steht dann wieder auf einem ganz anderen Zettel. Es ist wie so oft, wenn man über bahnbrechende neue oder kommende Technologien nachdenkt: Einerseits ist man begeistert und fasziniert, auf der anderen Seite ist es immer auch ein bisschen creepy.

Apropos kommende Technologien: Building 8 stellte bei der Keynote gestern neben dieser Gehirn-Nummer auch noch eine weitere Geschichte vor, an der man dort in den Labors gerade arbeitet: Man bastelt an Hardware und Software, die es uns ermöglichen soll, Sprache über die Haut zu übertragen. Soll im Klartext heißen: Man kann über die Haut hören!

Mit den Themenfeldern wie Augmented und Virtual Reality, seinen Kamera-Features und den Plattformen wie Facebook, Instagram und WhatsApp beackert das kalifornische Unternehmen bereits jetzt ein äußerst umfangreiches Feld. Wie ihr seht, denken die hellen Köpfe um Mark Zuckerberg bereits heute diverse Schritte weiter und haben die Zukunft fest im Blick!

Quelle: Facebook via heise.de