Facebook ­čľĽ: Teenager, die sich „dumm“ oder „nutzlos“ f├╝hlen als Werbeopfer

"Kannste schon so machen, aber dann ist es halt Kacke." Ein internes Strategiepapier offenbart, dass Facebook ganz gezielt den jeweiligen Gem├╝tszustand junger Nutzer vermarkten k├Ânnte. Minderj├Ąhrige und Jugendliche, die sich "dumm" oder "nutzlos" f├╝hlen, k├Ânnten auf diese Weise zum Opfer perfider Werbeanzeigen werden.

Ein als vertraulich eingestuftes Papier zeigt auf erschreckende Weise, wie weit Facebook bei der Vermarktung der eigenen Nutzer gehen könnte. Offenbar ist die Plattform ohne weiteres in der Lage, den aktuellen Gemütszustand seiner Nutzer ziemlich genau zu analysieren. Auf diese Weise könnten Werbetreibende gezielt Anzeigen an Minderjährige und Jugendliche ausspielen, die sich momentan in einer schwierigen Gefühlslage befinden.

Das der Tageszeitung The Australian zugespielte Konzept fasst auf 23 Seiten zusammen, wie sich Facebook die gezielte Ansprache einer emotional klassifizierten Zielgruppe vorstellt. Zur Einordnung der Gefühlslage analysiert das Soziale Netzwerk die Beiträge, Fotos, Likes und andere Aktivitäten auf der Plattform. Die Kombination vieler verschiedener Aktionen lässt es offenbar zu, dass man daraus den momentanen Gemütszustand mehr oder weniger genau ableiten kann.

Facebook preist in dem Strategiepapier die Möglichkeite für Werbetreibende an. So könnten Unternehmen oder Marketing-Agenturen den jeweiligen Nutzern Werbeanzeigen präsentieren, die z.B. beim digitalen Gegenüber für einen “confidence boost” sorgen könnten. Andererseits wäre es aber auch möglich, dass Werbetreibende die Unsicherheit eines Teenagers gezielt ausnutzen und ihm oder ihr gezielt Angebote unterbreiten, die man allenfalls als “schäbig” bezeichnen kann. Denkbar wäre, dass ein wegen seinem Gewicht verunsicherter Teenager plötzlich Werbeanzeigen für Diät-Produkte sieht und dabei nicht realisiert, dass er oder sie ganz gezielt ins Visier genommen wurde.

Die Analyse und Identifikation von Emotionen gilt unter Werbetreibenden als der Heilige Gral des Marketing, denn die Kaufbereitschaft für bestimmte Produkte wird neben anderen entscheidenden Faktoren maßgeblich von der Gemütslage beeinflusst. Facebook will durch eine Vielzahl von Algorithmen in der Lage sein, unterschiedliche emotionale Zustände in verschiedene Kategorien einzuordnen, was dann die Auswahl der möglicherweise erfolgreich beworbenen Produkte signifikant erhöhen würde.

Besonders perfide an dieser Methode ist, dass Facebook im Hintergrund der öffentlich sichtbaren Aktionen der Nutzer auch Aktionen protokolliert, die “vertraulich” mit anderen Nutzern stattfinden. Sprich: wenn sich zwei minderjährige Mädchen über alterstypische Probleme “unterhalten”, dann bleibt dies der Plattform nicht verborgen. Sofern in diesem Gespräch bestimmte Schlüsselbegriffe fallen, kann Facebook die Angaben mit anderen Parametern kombinieren, so ergibt sich ein Gesamtbild.

Facebook Reactions zur Bewertung eines Betrags

Experten vermuten bereits seit längerem, dass auch die vergleichsweise neuen „Facebook Reactions“ und andere Gimmicks auf der Plattform einzig und allein dem Ziel dienen, ein standardisiertes Verfahren zur Emotionsanalyse zu etablieren. Während ein simples Like recht wenig Aussagekraft besitzt, kann ein Herz, ein Lachen oder ein schockiert dreinblickendes Gesicht im Kontext wesentlich bessere Rückschlüsse auf den jeweiligen Nutzer zulassen.

In einer ersten Stellungnahme weist Facebook darauf hin, dass die weitgehenden Interpretationen des Papiers irreführend seien. Man habe lediglich zum internen Gebrauch bzw. Für ausgewählte Vermarkter skizzieren wollen, dass bzw. wie sich bestimmte Nutzer bei Facebook “ausdrücke”. Ein tatsächlich stattfindendes Targeting mit diesen Parametern gebe es ebensowenig wie entsprechende Tools.

via arstechnica.com