Überführt ein Fitness-Tracker einen Mörder?

Ein vom Opfer getragener Fitnesstracker könnte zum entscheidenden "Zeugen" in einem Mordprozess werden. Die von dem Gerät aufgezeichneten Vitaldaten deuten auf einen wesentlichen späteren Tatzeitpunkt hin, was den vom Ehemann geschilderten Tathergang unglaubwürdig macht.

Die von einem Fitness-Tracker aufgezeichneten Daten könnten nun dazu führen, dass ein US-Amerikaner des Mordes an seiner Ehefrau überführt wird. Der 40-jährige Computertechniker aus dem Bundesstaat Connecticut hatte in Vernehmungen behauptet, seine 39-jährige Frau sei von einem Einbrecher ermordet worden, er selbst sei gefesselt worden. Doch die Daten des Fitness-Armbands erzählen eine Geschichte, die nicht zu dieser Version des Tatgeschehens passen.

Die Polizei fand den Mann nach einem eingegangen Notruf teilweise gefesselt und mit oberflächlichen Schnittverletzungen in seinem Haus. Die Ehefrau war zu diesem Zeitpunkt bereits tot, eine von insgesamt zwei Kugeln aus einer .357-Pistole befand sich in ihrem Hinterkopf. Nach Angaben des Ehemanns sei zuvor ein maskierter Einbrecher in das Haus eingedrungen, der die zwei Monate zuvor erworbene Waffe “gefunden” habe. Es habe sich um ein großen, korpulenten Mann in Tarnkleidung gehandelt, dessen Stimme der des Schauspielers Vin Diesel geähnelt habe. Dieser Mann habe seine Frau erschossen, er selbst habe die Tat gesehen und sei gefesselt worden.

Bei der Auswertung des Tathergangs stießen die Ermittler jedoch auf Unstimmigkeiten. Der vom Ehemann behauptete Tatzeitpunkt lag eine Stunde vor dem Zeitpunkt, der vom FitBit-Fitnesstracker der Ehefrau aufgezeichnet wurde. Offenbar war die Dame zum Zeitpunkt ihres angeblichen Todes noch quicklebendig und verstarb erst wesentlich später, als es der Mann in den Vernehmungen zu Protokoll gab. Diese Unstimmigkeit im zeitlichen Ablauf führt offenbar dazu, dass der geschilderte Tathergang als Ganzes unglaubwürdig wird.

Zudem fanden die Ermittler heraus, dass der Mann eine Affäre mit einer Frau hatte, mit der er ein gemeinsames Kind erwartete. Kreditkartenabrechnungen des Mannes wiesen auf den Besuch von Stripbars, Hotelübernachtungen und Blumenkäufe hin. Eine Scheidung der Ehe war offenbar bereits geplant, was die Ermittler an Hand von Textnachrichten nachvollziehen konnten.

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Der Fall zeigt, wie umfangreich sich digital vorliegende Daten mittlerweile zur fast schon minutiösen Protokollierung eines Tagesablaufs einsetzen lassen. Ein vom Opfer getragener Fitnesstracker ist selbstverständlich ein beeindruckendes Beispiel, aber auch vom Smartphone gespeicherte Standortverläufe eines Täters oder Opfers dürften sicherlich schon so einige Täter zur Strecke gebracht haben. Da viele Geräte ihre Daten mittlerweile in Echtzeit “in die Cloud” übertragen, kann ein Täter die Daten noch nicht einmal verschwinden lassen, denn der Zugriff auf das Gerät nutzt ihm ohne die entsprechende Zugriffsberechtigung nichts.

Der nächste Verhandlungstermin ist auf den 28. April 2017 angesetzt, der nach Hinterlegung einer Kaution auf freiem Fuß befindliche Mann plädiert nach Angaben seines Anwalts weiterhin auf “nicht schuldig”.

via bbc.com