Focus Online soll Fake News bei Facebook enttarnen … wtf?

Facebook sucht offenbar händeringend nach weiteren Partnern, die vermeintliche Falschmeldungen auf der Plattform enttarnen sollen. Mit dem "Focus" ist nun ausgerechnet ein Medium im Gespräch, das es selbst (entgegen dem Leitsatz "Fakten, Fakten, Fakten") nicht immer so genau mit "der Wahrheit" nimmt - sofern es diese überhaupt gibt.

Erst vor einigen Wochen hatte Facebook bekannt gegeben, dass man in Zukunft mit unabhängigen Faktenprüfern zusammenarbeiten und das auf der Plattform grassierende Problem der “Fake News” angehen will. Als ersten Partner holte man sich das Recherchebüro “Correctiv” ins Boot, nun soll es angeblich einen zweiten Partner geben. Der Focus soll angeblich in Kürze helfen, echte Fakten von Falschmeldungen zu trennen.

Wie Spiegel Online berichtet, gestaltet sich die Suche nach möglichen Partnern für Facebook schwierig. Kaum ein etabliertes Medium will offenbar aus den unterschiedlichsten Gründen dabei helfen, gezielt verbreitete Falschmeldungen auf ihren tatsächlichen Wahrheitsgehalt zu überprüfen, auch die ARD und und das ZDF sollen dem sozialen Netzwerk bereits eine Absage erteilt haben. Mit Focus Online bietet sich nun offenbar ausgerechnet eine Redaktion an, die es mit “Fakten” auf Facebook selbst nicht so genau nimmt.

Facebook steht bereits seit geraumer Zeit unter medialem und politischem Druck. Gezielt verbreitete Falschmeldungen machen auf der Plattform in Windeseile die Runde, was u.a. Mit den zugrundeliegenden Algorithmen und Mechanismen zu tun hat. Eine besonders “unglaubliche” oder bewusst provokant an der vollen Wahrheit vorbei schrammende Meldung kann eine enorme Verbreitung erlangen, ohne dass der eventuell korrigierende Artikelinhalt wahrgenommen wird.

Facebook-Nutzer sollen nun die Möglichkeit erhalten, eine besonders verdächtig wirkende Meldung überprüfen zu lassen. Geht eine signifikante Zahl von derartigen Anfragen bei Facebook ein, soll die Meldung an externe Faktenchecker weitergeleitet werden. Stellen die wiederum fest, dass es sich um eine eindeutige Lüge handelt, soll der Beitrag entsprechend gekennzeichnet werden, inklusive einer nachvollziehbaren Begründung. Die Beiträge sollen nicht gelöscht werden, damit man sich bei Facebook nicht dem Vorwurf der Zensur aussetzt.

Focus Online Schrifzug mit Tannenberg Schriftsatz
Focus Online: Journalistischer Untergang des Abendlandes

Facebook braucht neben Correctiv dringend weitere Partner für dieses Vorhaben. Zum einen wird ein kleines Recherchebüro den zu erwartenden Aufwand nicht alleine bewältigen können. Zum anderen will man mit zwei wiederum voneinander unabhängig arbeitenden Prüfern betonen, dass diese nicht voreingenommen an die Sache herangehen.

Kritiker aus der Medienszene vermuten, dass die Burda Tochter Focus mit der Kooperation vor allem ihr eigenes Image als “seriöses” Medium aufpolieren möchte. Das magazin musste sich in der Vergangenheit schon mehrfach den Vorwurf gefallen lassen, dass man (ähnlich wie andere Medien aus der gleichen Verlagsgruppe) bewusst irreführende Überschriften einsetzt, um Benutzer auf die werbefinanzierten Websites zu lotsen.

Hoffnung macht, dass der Faktencheck bei Facebook nach verbindlichen Standards ablaufen soll, die in Journalistenkreisen durchaus etabliert sind. Diese sogenannten Poynter-Codes haben sich bereits in den Vereinigten Staaten etabliert und sollten auch für den Focus gelten.

Ein Grund für die häufigen Absagen anderer Medien könnte sein, dass kaum jemand das “heiße Eisen” namens Fake News anfassen will, immerhin steht dabei auch die Reputation des eigenen Mediums auf dem Spiel. Hinzu kommt, dass Facebook offenbar nicht gewillt ist, für diese “Dienstleistung” eine angemessene “Aufwendungspauschale” zu bezahlen, um wiederum selbst nicht als “Auftraggeber” in die Verantwortung genommen zu werden. Die Plattform ist sehr bemüht, sich hier möglichst neutral zu positionieren.

Keine eindeutigen Beweise für russische Manipulation der Medien

Unterdessen haben andere Medien bereits angekündigt, dass man dem Problem von Falschmeldungen anders begegnen wolle. So plant z.B. das ZDF im Vorfeld der Bundestagswahl eine Kampagne, die sich unter dem Hashtag #ZDFcheck17 gezielt kontroversen Meldungen widmet. Andere setzen auf noch präsentere, noch seriösere, noch mehr mit Fakten untermauerte Beiträge und bauen auf die Medienkompetenz der Benutzer.