Gigabit City: Unitymedia macht Bochum zur “schnellsten Stadt Deutschlands”

Die Stadt Bochum, die hiesigen Stadtwerke und Unitymedia haben die Kräfte gebündelt und bieten in der Ruhrgebiets-Stadt ab sofort Internet bis zu 1000 Mbit/s an.

Heute hab ich mich mal aus Dortmund auf den nicht ganz so weiten Weg nach Bochum gemacht in beruflicher Mission. Auf Einladung von Unitymedia ging es heute um flottes Internet und das bedeutet, dass ich ein wenig zähneknirschend in den Zug nach Bochum gesprungen bin. Wieso zähneknirschend? Weil es unsere Nachbarstadt diejenige ist, die es geschafft hat, flächendeckend Gigabit-Internet anzubieten und nicht meine Heimat Dortmund.

Ganz genau: Heute fiel der Startschuss für bis zu 1000 Mbit/s schnelle Internet (50 Mbit/s up). Bei einem Presse-Event im Planetarium in Bochum, bei dem neben Prof. Dr. Andreas Pinkwart (Wirtschafts- und Digitalminister von Nordrhein-Westfalen), Thomas Eiskirch (Oberbürgermeister der Stadt Bochum) und Dietmar Spohn (Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Bochum) mit Lutz Schüler auch der CEO von Unitymedia vor Ort war, wurde uns durchaus mit Stolz davon berichtet, wie man dieses Projekt in Bochum auf die Beine gestellt hat.

v.l.n.r: Dietmar Spohn (Stadtwerke Bochum), Lutz Schüler (CEO von Unitymedia), Thomas Eiskirch (Oberbürgermeister der Stadt Bochum), Moderatorin Katja Leistenschneider (Radio Bochum)

Geheimrezept? Kräfte bündeln

Wenn der CEO von Unitymedia fast schon ein wenig pathetisch davon spricht, dass man in einem so von Bürokratie geprägtem Land auch einfach mal die Ärmel hochkrempeln und anpacken muss, dann ist das nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte beinhaltet eine Stadt, die auch wirklich Bock drauf hat, neue Dinge zu wagen und nicht zuletzt gehört dazu auch, dass verschiedene Kräfte am selben Strang ziehen.

Die Stadt Bochum und die Stadtwerke Bochum haben dieses Projekt nämlich gemeinsam mit Unitymedia auf die Beine gestellt. Alle Parteien und auch der Digitalminister unseres Lands, Prof. Dr. Andreas Pinkwart, waren sich einig, dass solche Visionen auch wirklich nur umgesetzt werden können, wenn mehrere Partner sich um ein solches Vorhaben kümmern und auch alle das selbe Ziel haben.

NRW-Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Pinkwart im Gespräch mit Katja Leistenschneider

Die Bochumer Gigabit-City ist ein tolles Projekt, das schrittweise flächendeckenden Internetzugang in Gigabit-Geschwindigkeit ermöglicht. Das zeigt, wie Digitalisierung in Nordrhein-Westfalen erfolgreich vorangetrieben werden kann, wenn alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel verfolgen. Solche ambitionierten Vorhaben sichern den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen und garantieren den Bürgerinnen und Bürgern die Teilhabe an der digitalen Welt.“ Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Wirtschafts- und Digitalminister von Nordrhein-Westfalen

Ich hatte die Gelegenheit, mit dem Minister auch ein paar Sätze zu sprechen und er versicherte mir, dass man a) natürlich stolz darauf wäre, dass man auch in NRW solche Innovationen auf den Weg bringen kann und nicht nur in den Bundesländern, die sonst üblicherweise in so einem Kontext genannt werden und b) auch mit der Bundesregierung in regem Kontakt stehe.

Gerade letzteres ist ja nicht unwichtig, wenn wir bedenken, dass das Wort “Digitalisierung” denkbar häufig im Koalitionsvertrag genannt wird und nicht gerade wenige Menschen in diesem Land skeptisch sind, dass es die Regierung mit den Digitalisierungs-Plänen wirklich ernst meint dieses mal.

Bochum – schnellste Stadt Deutschlands

Klar, ein starker Claim. Dummerweise ist man es ja fast schon gewohnt, dass gerade bei besonders innovativen neuen Angeboten doch noch irgendwo der ein oder andere Haken ist. Das äußert sich dann so, dass zum Beispiel eine Verfügbarkeit hergestellt wird, diese aber nur für eine Handvoll Haushalte gilt. Oder, anderes Beispiel, man kündigt etwas an, die Interessierten müssen dann aber noch ewig lange warten, bis es dann tatsächlich losgeht.

Das ist hier anders, denn mit dem Startschuss heute am 07. Mai 2018 sind die neuen Tarife bei Unitymedia tatsächlich live geschaltet, so dass die Bochumer in der Tat heute bestellen können und dann künftig im Gigabit-Netz surfen. Verfügbar ist diese Geschwindigkeit für 170.000 Bochumer Haushalte, was rund 90 Prozent der Bochumer Haushalte entspricht.

v.l.n.r: Dietmar Spohn (Stadtwerke Bochum), Thomas Eiskirch (Oberbürgermeister der Stadt Bochum), Lutz Schüler (CEO von Unitymedia), Prof. Dr. Andreas Pinkwart (Wirtschafts- und Digitalminister von Nordrhein-Westfalen)

Die wirklich beeindruckende Leistung — 1.000 Mbit/s Download und 50 Mbit/s Upload — lässt sich Unitymedia natürlich auch entsprechend bezahlen, ist sich dabei auch dessen bewusst, dass wir es hier mit einem Premiumprodukt zu tun haben, welches nicht für jedermann interessant ist, also ein bestimmtes Klientel bedient.

109,99 Euro werden monatlich fällig für den schnellsten Tarif, allerdings gibt es darunter auch noch Angebote mit 30, 150 und 400 Mbit/s. Bei Unitymedia ist man natürlich auch nicht dämlich und will die neue Technologie möglichst schnell bekannt machen. Das geht am besten mit Einführungsangeboten und das bedeutet, dass ihr, wenn ihr in Bochum bis Ende Juli bestellt, in den Genuss von günstigeren monatlichen Preisen kommt. Die reduzierten Preise gelten bei den ersten drei Angeboten und bei Abschluss eines Vertrages über 24 Monate für die ersten 12 Monate. Danach müsst ihr also wieder den regulären Preis entrichten.

Beim schnellsten Angebot, also dem Tarif 2Play Fly 1000 mit 1.000 Mbit/s, gilt das reduzierte Angebot — 49,99 Euro statt 109,99 Euro — für die kompletten ersten 24 Monate. Das sind meiner Meinung nach schon mal echte Kampfpreise und ein starkes Signal an die Konkurrenz.

Wer kommt in Bochum bereits jetzt in den Genuss des Gigabit-Internets?

Wie oben schon erwähnt, ist der Startschuss mit dem heutigen Tag gefallen und das bedeutet, dass überall in Bochum, wo ein Kabelanschluss von Unitymedia verfügbar ist, Privathaushalte und Unternehmen Zugang zum Hochgeschwindigkeits-Internet haben. Was explizite Angebote für Business-Kunden angeht, so müssen sich Interessenten noch bis Mitte des Jahres gedulden, dann werde es auch Business-Tarife geben.

Für den Tempozuwachs hat Unitymedia in den vergangenen Monaten sein glasfaserbasiertes Kabelnetz in Bochum mit gigabitfähigen Netzelementen ausgestattet und als erster  Kabelnetzbetreiber Deutschlands den neuen Übertragungsstandard DOCSIS 3.1 implementiert und für die Kunden aktiviert. Der Standard ist Basis für die gigaschnelle Datenübertragung im Kabelnetz und ermöglicht eine breite Versorgung mit Gigabit-Bandbreiten. Und Bochum ist erst der Anfang: Die Planung für weitere Städte und Regionen mit Gigabit-Tempo ist bereits in vollem Gang.

Unitymedia-CEO Schüler erklärte uns auch, dass sein Unternehmen durchaus Schwierigkeiten bekäme, würden alle theoretisch möglichen Haushalte in Bochum noch heute bestellen würden. Logisch aber auch, dass beim Premium-Tarif nicht davon auszugehen ist. Dennoch will man natürlich möglichst vielen Haushalten die Chance bieten, so rasend schnell im Netz unterwegs zu sein und das geht nur, weil die Unternehmen in Bochum kooperieren.

Wie Lutz Schüler uns mitteilte, steckt Unitymedia ein Viertel seines Umsatzes in den Ausbau des eigenen Netzes, was dem Unternehmen gegenüber der Konkurrenz einen deutlichen Wettbewerbsvorteil bringt. Dort, wo kein Netz von Unitymedia verfügbar ist, springen dann eben die Stadtwerke Bochum in die Bresche, die ebenfalls bereits 16.000 Wohneinheiten in der Stadt mit Glasfaserleitungen bedacht haben.

Auf diese Weise wird sichergestellt, dass in unserer schönen Nachbarstadt wirklich flächendeckend von der neuen Technologie profitiert werden kann. Oberbürgermeister Eiskirch erklärte zwar, dass es noch knapp vier Prozent “weiße Flecken” in Bochum gäbe, für die in absehbarer Zeit das schnelle Internet noch nicht verfügbar sein wird. Dazu gibt es aber derzeit eine Ausschreibung und das Unternehmen, welches diese restlichen Gebiete erschließt, darf mit Fördergeldern des Landes rechnen.

Den letzten Satz hab ich noch ergänzt, weil beim Thema Internet-Speed im Allgemeinen und auch Unitymedia im Speziellen gerne mal gepöbelt wird, dass man sich doch gefälligst erst mal um die kümmern solle, die überhaupt noch kein zeitgemäßes Netz haben oder bei denen die angesagte Bandbreite nicht voll erreicht wird.

Ja, wie alle anderen Unternehmen kann auch Unitymedia in diesen Bereichen noch zulegen, aber das ist nochmal eine andere Baustelle. Jetzt ist jedenfalls der Gigabit-Startschuss gefallen, der zumindest für Bochum eine neue Ära einläutet und die Stadt wirklich für die Zukunft klar macht. “Gigabit City” ist als Claim daher also nicht zu groß gewählt und 1 Gigabit ist noch nicht mal das Ende der Fahnenstange: Die Technik ist grundsätzlich schon gewappnet für die zehnfache Geschwindigkeit und Unitymedia will nach und nach auch die Geschwindigkeit beim Upload anheben, so das Up und Down mittelfristig symmetrisch schnell sein werden.

Ich habe mich ein wenig deprimiert auf den Heimweg gemacht, weil ich eben gerne auch in meiner Stadt so flottes Netz hätte. Immerhin aber ließ man durchblicken, dass weitere Städte in nicht zu weiter Ferne folgen sollen und hinter vorgehaltener Hand vertröstete man mich auf 2019. So oder so: Wir kommen — endlich — im Gigabit-Zeitalter an und werden zukünftig sicher noch häufiger darüber berichten, wenn Unitymedia (oder wer auch immer) ähnliche Projekte in anderen deutschen Regionen anstößt.