Ein Fanboy nimmt Abschied
Goodbye Pebble

Heute gilt es nun endgültig Abschied zu nehmen von einem Unternehmen und vor allem von einer Smartwatch, die einzigartig war: Pebble teilt heute mit, dass sie die Bude dicht machen. 

Ich habe mich heute in einem anderen Zusammenhang noch gefragt, wie wohl die Zukunft von Pebble aussieht und ob ich meine Pebble Time 2 noch bekomme. Nun hat sich diese Frage geklärt, heute verschickte Pebble an alle Unterstützer ihrer letzten Kickstarter-Kampagne die Nachricht, dass sie nach dem Kauf durch FitBit den Laden nun zumachen, keine einzige Pebble mehr ausliefern und die aktuellen Besitzer einer Pebble weitgehend im Regen stehen lassen. Danke Merkel Pebble & FitBit, für nichts :(

Hintergrund: Fitbit kauft Pebble fuer ca. $40 Millionen

Schon die erste Pebble war einzigartig im Bereich der Smartwatches: Statt auf Touch-Display und Unmengen von Features, setzte man auf eine robuste Uhr mit langer Akkulaufzeit, die sowohl mit Android- als auch iOS-Smartphones spielte. Und auch wenn die Pebble bis hin zur Pebble Time Steel immer etwas altmodisch daher kam – alleine der breite Rand um das Display ist unfassbar unzeitgemäß – doch durch gute Ideen, intelligente Features und nicht zuletzt die für eine Smartwatch schier unfassbare Akkulaufzeit von über einer Woche wurde das locker wieder wett gemacht.

Alleine der Schrittzähler: Wo andere auf sture Tagesziele setzten, hat Pebble angefangen, die tägliche Schrittzahl in einen Gesamtzusammenhang zu setzen. Wer will schon wissen, dass er zum wiederholten Male sein willkürliches Tagesziel von X-tausend Schritten nicht erreicht hat, wenn er doch eigentlich den Erfolg geschafft hat, die tägliche Schrittzahl in der letzten Woche deutlich zu steigern? Vielleicht liegt es an mir, aber ein „Heute hast du 30% mehr Schritte geschafft als an einem durchschnittlichen Mittwoch“ ist doch deutlich motivierender als ein simples „Hey, es waren heute 15.637 Schritte“.

Und ja, ich habe mich auf meine Pebble Time 2 gefreut: Ein größeres Display, weniger Trauerrand, dazu ein Pulsmesser – das klang doch vielversprechend. Und die Software-Updates in letzter Zeit deuteten schon drauf hin, dass die neue Smartwatch wirklich cool werden könnte. Auch der Pebble Core klang nach einer tollen Idee, und jetzt? Jetzt zeigen FitBit und Pebble allen Unterstützern der Kampagne sowie allen aktuellen Besitzern einer Pebble einen großen, hässlichen Stinkefinger. Anders kann man die Mail nicht interpretieren. Garniert wird das noch mit ein wenig Marketing- und „Hach, sind wir nicht alle toll“-Blahblah.

Anyone familiar with Team Pebble knows full well: keeping quiet isn’t our style. Pebble

Nachdem man sich zuerst einmal für das lange Schweigen entschuldigt hat, folgt direkt die Ankündigung des Endes:

Fitbit has agreed to acquire key Pebble assets. Due to various factors, Pebble can no longer operate as an independent entity, and we have made the tough decision to shut down the company. The deal finalized today preserves as much of Pebble as possible.


Auch wir lagen also wohl falsch mit der Vermutung, dass FitBit den ganzen Laden gekauft hätte – anscheinend hat FitBit nur die Filetstücke des Unternehmens raus gekauft und damit wurde dem Unternehmen Pebble die Grundlage entzogen.
Pebble verabschiedet sich von seinen Kunden und Entwicklern (Symbolbild)
Pebble verabschiedet sich von seinen Kunden und Entwicklern (Symbolbild)

Ab sofort wird Pebble keine Hardware mehr herstellen, promoten oder verkaufen – ein bisschen wie Hohn klingt da die Meldung, dass alle Smartwatches da draußen weiter laufen würden, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Pebble jeglichem Support, der über die Inhalte der Website hinaus geht, wie auch allen Garantieansprüchen und natürlich der Weiterentwicklung der Software den Stecker zieht

Active Pebble watches will work normally for now. Functionality or service quality may be reduced down the road. We don’t expect to release regular software updates or new Pebble features. Our new mission will focus on bringing Pebble’s unique wearables expertise to future Fitbit products. We’re also working to reduce Pebble’s reliance on cloud services, letting all Pebble models stay active long into the future.

Brüller, wirklich. Das bedeutet also, dass FitBit nicht den ganzen Laden und die Produkte übernehmen wollte, möglicherweise hätte sich dieser Deal dann für FitBit nicht (mehr) gelohnt. Für das Thema Crowdfunding bedeutet das nun, dass man bei diesem Thema nicht nur die Umsatzrekorde von Pebble erwähnen muss, sondern auch den wirklich miesen Exit, der ein Tritt in den Arsch aller Unterstützer darstellt.

One-to-one Pebble support is no longer available. Any Pebble currently out in the wild is no longer covered by or eligible for warranty exchange.

Ja, danke für gar nichts. Für den Support wird man an die Hilfeseiten, das Community-Forum und Reddit (sic!) verwiesen, für Ersatzteile an Händler, die diese teilweise noch auf Lager haben.

Alle Baker, die ihre Pebble noch nicht erhalten haben, werden auch keine mehr bekommen – immerhin wird das gezahlte Geld zurück gezahlt. Wichtig: Wer – wie ich – die Zahlung mit einer inzwischen abgelaufenen Kreditkarte getätigt hat, der sollte seine Bank kontaktieren, damit das Geld auch wirklich zurück kommt und nicht irgendwo verloren geht. Denn zurück gezahlt wird nur im Zuge einer Rückbuchung – Pebble will damit möglichst keinen weiteren Aufwand haben. Und natürlich wird nur in US-Dollar zurück gezahlt – für manche ergibt sich dadurch immerhin ein kleiner Gewinn, da der Euro seit dem Sommer etwas teurer geworden ist.

If the original pledge payment method is no longer active, backers must contact the financial institution that issued the card to receive the returned funds.
Backers outside of the United States will receive refunds equal to the $USD amount of their pledges at current exchange rates. There will be no adjustments to account for exchange rate fluctuations between the original pledge payment and the upcoming refund.

Backers will get refunds for any unfulfilled rewards. After a successful crowdfunding campaign, we were excited to bring Pebble 2, Time 2, and Core to the world. We’ve since shipped every Pebble 2 possible, but can’t say the same for the remaining rewards. Pebble Time 2, Pebble Core, and Pebble Time Round Kickstarter Editions will not go into final production.

Es ist traurig – und es betrifft ja nicht nur die Nutzer: Eine große und sehr aktive Entwickler-Gemeinschaft hatte sich rund um die Pebble-Smartwatches gebildet. Bleibt zu hoffen, dass deren Erfahrung und Ideen sich bald in Apps für watchOS und Android Wear Smartwatches wieder finden.

So, dann werfe ich jetzt mal einen Blick auf die am Markt verfügbaren Smartwatches…