Google widerspricht der EU: Android konkurriert mit Apple

Bereits im April hatte die Europäische Union eines von nun insgesamt drei Wettbewerbsverfahren gegen Google eröffnet. Die dänische Vorsitzende der Wettbewerbs-Kommission, Margrethe Vestager, hatte dem Konzern vorgeworfen, mit dem Smartphone-Betriebssystem Android potentielle Konkurrenten zu behindern.

Die Wettbewerbshüter werfen Google vor, die ohne Zweifel existierende Dominanz auf dem Markt der Tablet- und Smartphone-Betriebssysteme in widerrechtlicher Weise auszunutzen. So soll Google die verschiedene Smartphone-Hersteller zwingen, gemeinsam mit dem Betriebssystem weitere Dienste und Apps des Konzerns auf dem Smartphone oder Tablet zu installieren. Angefangen bei Gmail über Youtube, die Suche oder den Chrome-Browser bis hin zum Play Store – das wirtschaftlich verwertbare Ökosystem ist durchaus breit aufgestellt. Dementsprechend hoch könnte die Strafe ausfallen, wenn Wettbewerbsverstöße nachgewiesen werden.

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Mittlerweile läuft Android auf fast 80% aller Smartphones und hat nach dem nahezu vollständigen Verschwinden von Blackberry und Windows Phone zahlenmäßig kaum noch Konkurrenten. Doch Apple stellt mit iOS noch einen relevanten Widersacher.

In einer heute veröffentlichten Antwort streitet Google ab, dass man Hersteller zur Installation von Apps zwinge. Sofern es vorinstallierte bzw. mit Android gekoppelte Dienste gebe, ließen sich diese jederzeit und ohne Einschränkungen oder Vorgaben durch andere Dienste weiterer Anbieter ersetzen.

Zudem betont Google, dass man vorinstallierten Apps keine allzu große Bedeutung zusprechen sollte. Es gebe eine Vielzahl von Beispielen, in denen vorinstallierte Apps nicht erfolgreich seien, wohingegen sich viele erst nachträglich installierte Apps einer großen Beliebtheit erfreuen würden. Dieser Argumentation kann man durchaus folgen – immerhin gehören z.B. die Facebook-App, WhatsApp oder andere Messenger oder diverse Games zu den Apps, die sowohl besonders häufig installiert als auch besonders regelmäßig genutzt werden. Snapchat sei ebenso wie Spotify mehr als 100 Millionen Mal heruntergeladen worden, der Google Drive Konkurrent Dropbox sogar +500 Millionen Mal.

Neuzustand: 39 von 39 iPhone-Apps stammen von Apple

Man muss in diesem Zusammenhang erwähnen, dass Google mit dem Play Store überhaupt erst die Infrastruktur und die Möglichkeiten zur Installation “fremder” Apps bereitstellt. Zudem lassen sich Apps – anders als bei iOS – auch als .apk-Dateien installieren. Android liege außerdem als Open Source vor, was fremden Entwicklern viele Möglichkeiten eröffne.

Verwundert zeigt sich Google über die Ansicht der EU, Android konkurriere nicht mit Apple. Es gebe unzählige Stimme, die genau das Gegenteil belegen würden. Das trifft in jedem Fall auf der wirtschaftlichen Ebene zu, denn Apple macht – trotz seines geringeren Marktanteils – erheblich mehr Umsatz und Gewinn als Google mit iOS, den angebotenen Apps und damit zusammenhängenden Diensten.

Zudem sollen sowohl Apple als auch Microsoft nicht unbedingt zurückhaltend bei der Installation eigener Apps auf einem neuen Smartphone sein: Google will herausgefunden haben, dass 39 von 47 Apps auf einem Windows Phone und 39 von 39 Apps auf einem iPhone von Microsoft bzw. Apple stammen. Im gegensatz dazu befänden sich auf einem typischen Samsung Galaxy S7 nur 11 von 38 Apps, die von Google stammen würden.

Eine Reihe von Entwicklern haben Google bereits beigepflichtet. So weist z.B. Ian Rumac auf medium.com darauf hin, dass Android für Entwickler den Arbeitsaufwand und die Entwicklungskosten erheblich reduziere und somit ein Garant für neue, innovative Apps sei.