Google Creatism: Diese KI könnte auch Foto-Experten den Job kosten

Google hat eine künstliche Intelligenz namens Creatism geschaffen, die eigenständig Fotos auf dem Niveau von Foto-Profis nachbearbeiten kann. Entwickelt wurde die KI auf Basis von Street View-Panoramabildern.

„Machine Learning“ und „Künstliche Intelligenz“ sind zwei Buzz-Begriffe, die uns in diesen Tagen eigentlich ständig um die Ohren fliegen. Dabei wissen wir natürlich, dass es sich nicht etwa nur um viel Wind um Nichts handelt, sondern dass hier Technologien entwickelt werden, die in unzähligen Bereichen unseres Lebens zu einschneidenden Änderungen und Paradigmenwechseln führen werden.

In vielen Dingen wird uns künstliche Intelligenz das Leben spürbar einfacher machen, aber es gibt natürlich auch die Kehrseite der Medaille: Wenn eine Software bestimmte Prozesse schnell und eigenständig erledigen kann, für die eine Person normalerweise eine bestimmte Begabung, sehr viel Zeit und/oder eine Ausbildung benötigt, dann ist die Arbeitskraft ruckzuck obsolet. Möglich, dass das dazu führen wird, dass wir alle künftig nicht mehr oder nicht mehr so viel arbeiten müssen, aber das ist nun wieder ein anderes Thema.

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Creatism

Bevor wir uns überlegen, was wir den ganzen Tag treiben, wenn irgendwann Roboter und komplexe Algorithmen unsere Arbeit erledigen, müssen wir uns also damit beschäftigen, welche Jobs dank dieses Fortschritts verschwinden könnten. Bis 2020 sollen laut einer Untersuchung womöglich allein in Industrieländern fünf Millionen Jobs verloren gehen.

Gut möglich, dass Google da einen gehörigen Anteil dran haben wird, denn in den Labors der Kalifornier wird äußerst emsig an der Zukunft gebastelt, wie jetzt das Projekt Creatism wieder beweist und wo Google einen Durchbruch feiert. Hierbei handelt es sich um eine Technologie, die sich Fotos vorknöpft und automatisiert so bearbeitet, dass sie aussehen wie von Foto-Profis nachbehandelt.

Alle Fotografen unter unseren Lesern, die gerade ihre Felle schwimmen sehen: Erst mal Entwarnung! Unabhängig davon, dass ein gutes Foto ja auch erst mal von wem geschossen werden muss, ist Creatism noch lange nicht so weit, dass Google es als fertige App anbieten könnte. Darüber hinaus ist der entwickelte Algorithmus aktuell lediglich in der Lage, Fotos zu optimieren, auf denen Landschaften zu sehen sind.

die beiden Google-Wissenschaftler Hui Fang und Meng Zhang hat sich Hunderte Panoramabilder vom eigenen Dienst Street View geschnappt und von Creatism bearbeiten lassen. Dabei soll die KI so vorgehen, wie es ein Foto-Experte ebenfalls tun würde:

Auf dem obigen Bild seht ihr die verschiedenen Schritte, die Creatism abgearbeitet hat bis zum finalen Bild: Zunächst wurde aus der Panorama-Vorlage ein Bildausschnitt gewählt. Die Software ist also in der Lage, eigenständig aus einem Foto den interessantesten Ausschnitt zu wählen. Danach werden dann bestimmte Effekte auf selektierte Bereiche des Bildes gelegt, bis es dann so aussieht wie unter „(d)“. Auf dem Google-Blog erklärt man zu diesem Bild:

A panorama (a) is cropped into (b), with saturation and HDR strength enhanced in (c), and with dramatic mask applied in (d). Each step is guided by one learned aspect of aesthetics.

Um die Qualität dieser so bearbeiteten Fotos zu evaluieren, hat sich Google dann professionelle Fotografen herangeholt, die diese Bilder bewerten sollten und dabei vier Stufen unterscheiden konnten:

  1. Schnappschuss – Beleuchtung, Bildkomposition etc wurden nicht berücksichtigt
  2. Gutes Foto von Durchschnittsnutzern ohne fotografische Vorkenntnisse und ohne künstlerischen Anspruch
  3. Semi-Pro – sehr gelungenes Foto, welches künstlerische Aspekte aufweist. Der Fotograf ist auf dem Weg, ein Profi zu werden
  4. Pro

Insgesamt 1.200 Bilder wurden den Fotografen vorgelegt, von denen 400 Fotos durch Creatism nachbearbeitet wurden. Immerhin 40 Prozent davon – also 160 von 400 Fotos – wurden von den Experten als Stufe 3 Semi-Pro oder sogar Stufe 4 Pro eingeordnet. Ihr wollt selbst beurteilen, wie gut die Arbeit dieser künstlichen Intelligenz ist? Dann schaut auf unsere Galerie oder surft direkt bei Google vorbei, denn dort sind gleich Hunderte dieser nachbearbeiteten Bilder zu bestaunen. Jeweils oben seht ihr das Resultat und direkt darunter die Panorama-Vorlage:

Jetzt bin ich natürlich meilenweit davon entfernt, ein Fotograf zu sein. Aber auf mich wirken diese Resultate in der Tat ziemlich herausragend und das, ohne dass ein Mensch Hand anlegen musste. Das ist also schon eine ganz andere Nummer als irgend so ein beknackter Instagram-Filter, den man über x-beliebige Fotos knallt.

Aber wie bereits gesagt: Serienreif ist die ganze Geschichte noch nicht und kann auch in diesem frühen Test-Stadium lediglich mit Landschafts-Fotos arbeiten. Portraits, Fotos von Gebäuden etc. haben die Wissenschaftler bei Google also erst mal nicht im Fokus. Zumindest vorerst sind also die Fotografen heute noch exklusiv in der Lage, aus ihren geschossenen Bildern das Maximum herauszuholen.

Google Fotos
Google Fotos
Entwickler: Google Inc.
Preis: Kostenlos

Nichtsdestotrotz eine sehr beeindruckende Demonstration dessen, was Machine Learning bereits kann und wir dürfen uns wohl jetzt schon drauf einstellen, dass die Erkenntnisse dieser Forschung über kurz oder lang jedermann in Google Fotos oder anderen Google-Tools zur Verfügung stehen werden.

Und an die Foto-Profis unter unseren Lesern: Wie bewertet ihr die Fähigkeiten von Creatism? Hättet ihr die Ausschnitte ähnlich gewählt und die Fotos ähnlich nachbearbeitet wie in den Google-Beispielen?

Quelle: Google via WinFuture.de