Smart Home
Googles neue Radar-Technologie macht jedes Objekt smart

Der Traum vom Smart Home ist, dass jedes Objekt in unseren Häusern mit jedem anderen kommunizieren kann. Und wir leben und arbeiten in den Tag hinein, während unsere Waschmaschine mit dem Bett kommuniziert, um die Wäsche noch vor dem Schlafengehen fertig zu bekommen. Aber so toll sich das auch auf dem Papier anhört, es ist nicht sehr praktisch.
von Vera Bauer am 20. Januar 2019

Zum einen bedeutet es, viele günstige “dumme” Objekte durch teurere “Intelligente” mit Sensoren zu ersetzen. Außerdem birgt dieses Szenario auch Sicherheits- und Datenschutzrisiken – ganz zu schweigen von dem aktuellen Smart Hub-Krieg, der zwischen den größten Unternehmen geführt wird, um die dominantere Smart Home Plattform aufzubauen.

Doch die Lösung könnte in nicht allzu weiter Ferne liegen und sie kommt von Google. Die arbeiten nämlich momentan an einem Radar oder besser gesagt, an Radarbasiertem Computing. Denn im Jahr 2015 präsentierte die Advanced Technology and Projects Group (ATAP) von Google winzige radarbasierte Sensoren, mit denen Benutzer Gadgets steuern können, indem sie einfach mit den Fingern schnippen. Seitdem wird die Mini-Radartechnologie an Universitäten auf der ganzen Welt eingesetzt.

Vor kurzem haben Informatiker der University of St Andrews in Schottland gezeigt, welche Detailgenauigkeit hinter der Interaktion mit Googles Sensor steckt. Zum Beispiel kann es die Anzahl der Karten, die von einem Deck herausgenommen werden, verfolgen. Ebenso kann der Sensor den Sand in einer Sanduhr messen, die Anzahl gestapelter Papier- oder Pokerchips zählen oder sogar die Form einfacher Lego-Strukturen herausfinden. All dies geschieht ausschließlich über Radarsignale, ohne jegliche Bilderkennung.

Nun das Spannende: Ein möglicher Einsatzort wäre das Smart Home. So muss man eben nicht an allen Sachen im Haus einen Sensor kleben, sondern hat mit dem Soli-Radar von Google vielleicht ein oder zwei Elemente, die die Wechselwirkungen vieler anderer Haushaltsgegenstände überwachen. Das scheint mir ein sehr viel besserer Ansatz zu sein.

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Die Technologie könnte beispielsweise Alltagsgegenstände in sogenannte “Token” verwandeln. Man interagiert einfach regelmäßig mit Objekten und lässt den Computer mit Soli-Radar lernen. Nehmen wir als Beispiel einen Stapel Schallplatten oder DVDs, die man durchblättert. Durch das Herausziehen einer Schallplatte beginnt automatisch die Wiedergabe eines bestimmten Titels über die Musikanlage, weil sie der Sensor erkannt hat. Somit werden passive Objekte Teil einer rechnerischen Interaktion.

Weitere Fragen könnten lauten: Warum sollte ich nicht in der Lage sein, mit der Hand vor einer Geschirrspülmaschine zu wedeln, um sie zu starten oder zu stoppen? Oder warum sollte die Waschmaschine den Inhalt ihres nächsten Waschgangs nicht erkennen können? Solche smarten Interaktionen sind nicht mehr weit weg. Sie kommen wohl früher, als wir denken.

via: digitaltrends