GMOs: Segen oder Fluch?
Grüne Gentechnik: Nobelpreisträger gehen gegen Greenpeace auf die Barrikaden

Genetisch modifizierte Pflanzen genießen keine Lobby bei der Bevölkerung. Schuld daran sind Organisationen wie Greenpeace, sagen viele Nobelpreisträger im Rahmen einer Kampagne und wollen Greenpeace etwas entgegensetzen. Sind GMOs tatsächlich besser als ihr Ruf oder eine Gefahr für die Menschheit?

Wie beliebt genetisch modifizierte Pflanzen auch hierzulande sind, kann man in Erfahrung bringen, wenn man ein Wort wie „Monsanto“ in die Runde wirft. Der mittlerweile von Bayer aufgekaufte Konzern, der vor über 100 Jahren bereits den Süßstoff Saccharin entwickelte, steht wie kein Zweiter für all das Böse, was man mit gen-manipulierten Pflanzen in Verbindung bringt.

Unzählige Landwirte weltweit hängen an der Glyphosat-Nadel des Konzerns und auch, wenn über die tatsächliche Schädlichkeit des Wirkstoffs keine Einigkeit herrscht, hat Monsanto in der Vergangenheit viele Skandale zu verantworten gehabt. Organisationen wie Greenpeace stellen den Konzern selbstverständlich ganz bewusst an den Pranger und genau das passt vielen Nobelpreisträgern so gar nicht in den Kram.

Sir Richard John Roberts ist ein britisch-amerikanischer Biochemiker und Molekularbiologe und einer der mittlerweile 134 Nobelpreisträger, die in der von ihm vorangetriebenen Initiative „Laureates Supporting Precision Agriculture“ zusammenkommen und eine Lanze für genetisch modifizierte Organismen (GMOs) brechen wollen. In einem Interview mit der FAZ sagt der preisgekrönte Wissenschaftler:

Greenpeace hat die Anti-GMO-Kampagne erfolgreich mit einer Kampagne gegen Großkonzerne wie Monsanto vermischt. Das hat ihnen viele Spenden eingebracht und politische Macht. Mittlerweile ist daraus eine Ideologie geworden. Menschen haben Angst vor Gentechnik, zumindest solange es um Nahrungsmittel geht. Sir Richard Robins

Es geht dem Briten nicht grundsätzlich um das Bashing von Greenpeace, denn er gesteht der Organisation ja durchaus zu, dass sie in vielen Bereichen sehr gute Arbeit geleistet habe. Im Fall der GMOs sieht er das aber nicht und das kann mitunter verheerende Folgen haben. Wenn Menschen, die sich weniger mit dem Thema beschäftigen, über genetisch veränderte Organismen reden, wirkt es in der Tat so, als gäbe es da nichts jenseits von Glyphosat und ähnlich kritisch betrachteten Produkten.

Video: Microsoft-Gründer Bill Gates über GMOs:

Richtig ist hingegen, dass es diesen medialen Aufschrei nicht gibt, wenn die Gentechnik beispielsweise in der Medizin tagtäglich zum Einsatz kommt, um viele Menschenleben zu retten. Fast zweihundert gentechnisch hergestellte Wirkstoffe sind allein in Deutschland zugelassen, die beispielsweise in der Krebstherapie zum Einsatz kommen.

Auch bei den Pflanzen kann Gentechnik Menschenleben retten. Dabei geht es um Menschen, die aufgrund der regionalen Bedingungen zu verhungern drohen. Besonders ein Dorn im Auge ist den Nobelpreisträgern, die sich mit einem offenen Brief an Greenpeace, die Vereinten Nationen und alle Regierungen weltweit richten, die Greenpeace-Kampagne gegen den goldenen Reis.

Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, dass mit großer PR-Machinerie die jeweils eigene Meinung unters Volk gebracht werden soll, beide begründen mit Verweis auf verschiedene Studien, wieso der andere Unrecht haben soll. Im offenen Brief der 134 Nobelpreisträger äußert man sich zu diesem goldenen Reis wie folgt:

Greenpeace stellt die Angriffsspitze des Widerstands gegen den Goldenen Reis dar, welcher das Potenzial hat, die Folgen von Vitamin-A-Mangel zu beseitigen.. Diese schließen Blindheit, und andere Leiden mit Todesfolge ein, welche die ärmsten Menschen in Afrika und Südostasien am härtesten treffen.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass etwa 250 Millionen Menschen an Vitamin-A-Mangel leiden, darunter bis zu 40% Kinder unter 5 Jahren in den Entwicklungsländern. Laut Statistiken von UNICEF ist Vitamin-A-Mangel verantwortlich für jährlich etwa ein bis zwei Millionen verhinderbare Todesfälle, da dieser das Immunsystem schwächt und somit besonders Kinder und Neugeborene großen Gefahren aussetzt. Vitamin-A-Mangel selbst ist die führende Ursache von Kinderblindheit, die weltweit 250.000-500.000 Kinder jährlich betrifft. Die Hälfte dieser Kinder wird innerhalb von 12 Monaten aufgrund des Verlustes ihres Sehvermögens sterben.

Greenpeace kontert, dass bislang noch gar nicht bewiesen sei, dass dieser goldene Reis tatsächlich Vitamin-A-Mangel beseitigen könnte. Grundsätzlich haben Organisationen wie Greenpeace natürlich auch Angst davor, dass sich alle Schleusen für genetisch modifizierte Pflanzen öffnen würden, wenn erst einmal der goldene Reis zugelassen würde.

Als Nicht-Wissenschaftler stehe ich — wie vermutlich die meisten von euch — da jetzt erst einmal zwischen den Fronten und kann nicht seriös beurteilen, wer Recht hat. Der technische Fortschritt dank Gentechnik ist unbestritten, ebenso aber auch, dass Monsanto in der Vergangenheit wenig Rücksicht auf die Gesundheit seiner Kunden genommen hat.

Fest steht aber auch, dass bereits jetzt überall die Gentechnik genutzt wird und viele Millionen Menschen und Tiere ernährt. Allein in den USA findet man kaum noch Sojabohnen, Mais oder Baumwolle, die nicht gentechnisch verändert wurden, weltweit liegt der Anteil gentechnisch veränderter Sojabohnen schon bei über 80 Prozent.

Wie so oft wird zu hektisch geurteilt und prallen Meinungen aufeinander, ohne dass wirklich auf einen Konsens oder auf eine Verständigung hingewirkt würde. Robins will seine Kampagne jedenfalls weiter fortsetzen und mit seinen Wissenschaftler-Kollegen darauf hinweisen, dass Organisationen wie Greenpeace falsch liegen:

Ich mache so lange weiter, bis Greenpeace öffentlich erklärt, dass es ein Fehler war, GMOs zu verteufeln. Und ich möchte versuchen, den Papst für meine Kampagne zu gewinnen. Das würde helfen. Sir Richard Robins

Wie sieht eure Meinung zu GMOs aus? Habt ihr Respekt, Angst oder gute Argumente gegen gentechnisch modifizierte Organismen oder seht ihr mehr auf der Seite der in diesem Beitrag zitierten Nobelpreisträger, die sich um eine bessere Außendarstellung des Themas bemühen?

Links zum Thema:

FAZ – Die Logik der Gentechnik

Lindau-Nobel.org – GMOs: Missverständnisse aufklären

supportprecisisionagriculture.org