Wissenschaft
HandSight: Kleine Fingerkamera hilft Blinden ohne Brailleschrift zu lesen

Wissenschaftler der Universtiät in Maryland haben eine kleines Gerät für blinde Menschen entwickelt, mit dem sie die normale Schrift erfassen können. Es nennt sich HandSight und besteht aus einem Ring und einer Art smartem Armband. Über eine kleine Kamera an dem Ring werden die Wörter eingescannt, an denen der Finger vorbeifährt. Über einen Lautsprecher wird der Text dann laut vorgelesen.
von Vera Bauer am 4. Dezember 2016

Eine Gruppe von Forschern von der Universität in Maryland hat für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen eine neue Lösung für das Lesen von Texten vorgestellt. Mit dieser sind Blinde nicht mehr auf die Brailleschrift angewiesen, die sowieso nicht immer verfügbar ist, sondern können die ganz normale Schrift lesen. Das entwickelte Gerät nennt sich HandSight und ist ein System mit einer kleinen Kamera.

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Diese winzige Kamera wird normalerweise in der Chirurgie für endoskopische und laparoskopische Eingriffe verwendet. Ihr könnt euch also vorstellen, wie klein das Gerät sein muss. Sie ist mit mikrohaptischen Aktoren verbunden, die durch Vibrationen Feedback geben können. Diese sind in einer Art Smartband am Arm integriert.

Bis jetzt ist das Projekt noch in der Testphase, allerdings kann man hier schon erkennen, wo die Reise hingeht. Eine Art Ring wird an einem oder mehreren Fingern befestigt. Dieser Teil umfasst unteranderem die Kamera, die genau auf die Stelle über der Fingerkuppe gerichtet ist. Fährt man nun mit dem Finger über einen Text, kann die Kamera die Buchstaben erfassen.

„Compared to handheld text scanners such as mobile phone applications, mounting a tiny camera on the user’s own finger has the potential to mitigate camera framing issues, enable a blind reader to better understand the spatial layout of a document, and provide better control over reading pace.“ Forscherteam Maryland, Studie über HandSight

Verarbeitet werden die Wörter mit dem verbundenen Armband, in dem ein kleiner Computer sitzt. Es ist ein Lautsprecher, Batterien und ein Prozessor verbaut. Die eingescannten Wörter werden darüber laut vorgelesen und es gibt Feedback in Form von Vibrationen. Sie helfen dem Leser über die Textseite und machen beispielsweise auf Zeilenumbrüche oder einen verrutschten Finger aufmerksam. Das Gerät hat die Fähigkeit des maschinellen Lernens und kann nicht nur Wörter erkennen, sondern beispielsweise auch Farben oder die Uhrzeit.

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Eine Gruppe von 19 blinden Personen haben HandSight bereits getestet und schafften mit dem Gerät eine Lesegeschwindigkeit von 63 bis 81 Wörter pro Minute. Das finde ich schon ziemlich beeindruckend. In zukünftigen Versionen, soll das Armband durch eine Smartwatch wie die Galaxy Gear ersetzt werden. Das Team möchte das Gerät so alltagstauglich wie möglich machen und da bietet sich eine Smartwatch als unauffällige Methode natürlich an.

via: pcmag