Einflussreiche Investoren wollen Musk, Murdoch und Gracias aus Teslas Vorstand kicken

Der Tesla-Vorstand sei ein Überbleibsel aus den frühesten Tagen des Unternehmens, als der Autobauer eine private Firma unter der Kontrolle von Elon Musk gewesen sei. Verwandschaftlich und geschäftlich befangene Mitglieder sollen ihren Platz räumen. Zur Disposition stehen Elon Musks Bruder Kimbal, ein langjähriger Geschäftspartner und der Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch.

Tesla kommt nicht zur Ruhe. Ein US-amerikanisches Unternehmen für Anlagenmanagement, das eine Gruppe von finanzstarken Investoren vertritt, möchte andere Anteilseigner von einem notwendigen Wechsel im Vorstand des Unternehmens überzeugen. Die dabei zur Debatte stehenden Namen sind brisant: neben Teslas “Lead Independent Director” Antonio Gracias und dem CEO von Twenty-First Century Fox, James Murdoch, steht auch Elon Musks Bruder Kimbal Musk auf der “Abschussliste”.

Am 05. Juni findet Teslas alljährliches Investoren-Treffen statt, auf dem die Vorstandsmitglieder eigentlich (wieder)gewählt werden sollen. Doch die CtW Investment Group, die u.a. milliardenschwere gewerkschaftlich organisierte Rentenfonds vertritt, hat etwas dagegen.

Tesla sei es nicht gelungen, kritische Meilensteine bei der Automobilproduktion zu erreichen, teilte Dieter Waizenegger, Executive Director von CtW, in einer offiziellen Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC mit. Zudem habe das Unternehmen offenbar den Weg in Richtung Profitabilität verlassen. Der dazu bestimmte Vorstand habe es versäumt, seiner Führungsrolle gerecht zu werden und die drei nominierten Kanditaten stünden “beispielhaft für die mangelnde Weiterentwicklung des Unternehmens”.

In der Mitteilung an die SEC werden viele Bedenken angeführt, die einige Investoren zumindest im Hinterkopf haben dürften. Tesla hatte im Laufe des zurückliegenden Jahres fast vier Milliarden US-Dollar “verbrannt” und damit Zweifel an der kurz-, mittel- und langfristigen Liquidität des Unternehmens befeuert. Wiederholte Beteuerungen, man werde die Massenfertigung des Elektroautos Model 3 hochfahren wurden mehrmals korrigiert. Auch im zurückliegenden Quartal konnte Tesla das letztendlich avisierte Produktionsvolumen – wenn auch nur knapp – nicht einhalten.

Die Aussichten des Unternehmens für einen langfristigen Erfolg seien deshalb „dünner als je zuvor“, führt Dieter Waizenegger aus. Zudem thematisiert der Brief Elon Musks seltsamen Umgang mit Analysten nach der Vorlage des Geschäftsberichts, die weiterhin in Frage gestellten Sicherheitsbedingungen in Teslas Fertigungsstätte in Fremont, zurückliegende tödliche Unfälle mit dem Fahrerassistenzsystem “Autopilot” und Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der umstrittenen Übernahme von SolarCity.

„Teslas konfliktbehafteter Vorstand behindert Entwicklungen, indem er sich Elon Musk unterwirft.“ CtW

Der Vorstand des Automobilherstellers habe als Reaktion auf diese erheblichen finanziellen und operativen Herausforderungen gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden und CEO Elon Musk eine “übertriebene Wertschätzung” gezeigt. Offenbar halten es die Vertreter der Anteilseigner für problematisch, dass (wie im Fall von Kimbal Musk) familiäre Bande eine Rolle spielen könnten, wenn kritische Punkte angesprochen werden müssten. Anderen Vorstandsmitgliedern mangele es an Erfahrung in der Automobilbranche oder sogar an Erfahrung als Vorstandsmitglied in einer Aktiengesellschaft.

Mit Antonio Gracias verbindet Elon Musk eine langjährige Geschäftsbeziehung. Der Gründer von Valor Equity Management investierte bereits in das von Musk mitbegründete Paypal und erhielt von Tesla den zweiten gebauten Roadster. Zudem hat Gracias auch einen Sitz im Vorstand von SpaceX. Für die Investoren sind das Konflikte, die die Wahrscheinlichkeit, dass Gracias längst überfällige Prozesse einleite, gegen Null tandieren lassen. Beim 45-jährigen Musk-Bruder Kimbal verweisen die Anleger auf seine mangelnde Industrieerfahrung und Misserfolge mit der Restaurantkette Chipotle Mexican Grill Inc. – der Aktienkurs des Unternehmens sei während einer längeren Auseinandersetzung mit der Lebensmittelsicherheit eingebrochen.

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Der Medienmanager James Murdoch, Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch, wurde von Tesla in den Vorstand berufen, nachdem die CtW Investment Group bereits im vergangenen Jahr eine fehlende Unabhängigkeit im Aufsichtsrat bemängelt hatte. Mit der Wahl scheinen die Vertreter der Investoren nicht zufrieden zu sein und fordern nun die Absetzung. Als Grund führen sie Skandale im Umfeld der von Murdoch geleiteten News Corp. an. Zudem habe die gleichzeitige Berufung von Linda Johnson Rice dazu geführt, dass jemand mit Medienerfahrung Tesla berate – mehr sei nicht nötig.

Waizenegger bezeichnet den Tesla-Vorstand als ein „Überbleibsel“ aus den frühesten Tagen des Unternehmens, als der Autobauer eine private Firma unter der Kontrolle von Elon Musk gewesen sei. Nun sei es Zeit für einen Wechsel.

via bloomberg.com