iPhone X für viele Interessenten erst 2018 – pokert Apple zu hoch?

Stell Dir vor, alle wollen ein Apple iPhone X und kaum jemand bekommt eins. Könnte für viele so laufen, wenn die Verfügbarkeit tatsächlich so überschaubar sein wird, wie Analysten vermuten.
von Carsten Drees am 27. September 2017

Wer aktuell auf der Apple-Seite vorbeischaut und sich die Verfügbarkeit von Apple iPhone 8 und Apple iPhone 8 Plus ansieht, dürfte positiv überrascht sein: Beide Modelle sind in allen Farben und allen Speicherkapazitäten binnen 3-5 Tagen lieferbar. Einzige Ausnahme ist das iPhone 8 in Space Grau, aber selbst die genannte Auslieferung binnen 1-2 Wochen ist noch in einem äußerst erträglichen Rahmen.

Wenn wir uns überlegen, was teilweise in den letzten Jahren los war, kurz nachdem ein iPhone frisch in den Verkauf gegangen ist, verwundern diese kurzen Lieferzeiten. Das kann entweder daran liegen, dass Apple besser vorbereitet ist auf die Nachfrage — oder aber daran, dass schlicht deutlich weniger Menschen zu den neuen Handsets greifen, als das sonst der Fall war.

Letzteres wäre auch nicht etwa ein Indiz dafür, dass die Kundschaft das Interesse an iPhones verliert, sondern hängt damit zusammen, dass Apple mit dem iPhone X sein Spitzenmodell noch gar nicht anbietet und viele Apple-Fans auf dieses Device warten. Ab Anfang November wird es in den Verkauf kommen und bereits Mitte Juli berichteten wir darüber, dass einer Einschätzung von Fast Company zufolge das iPhone X erst kurz vor Weihnachten wirklich verfügbar sein könnte.

Mag sein, dass der Verkauf des iPhone X nun zwar tatsächlich am 03. November erfolgt, für die meisten der Millionen Vorbesteller dürfte es aber nur eine schöne Illusion sein, das Jubiläums-iPhone dann auch tatsächlich zeitnah in Händen zu halten. Die jüngsten Aussagen von Analysten lassen vermuten, dass nicht wenige der Interessenten bis weit ins Jahr 2018 warten müssen.

Es ist wieder einmal Ming-Chi Kuo von KGI Securities, der sich zu Wort meldet und spekuliert, dass über 50 Millionen Menschen diese neue und besondere iPhone vorbestellen möchten. Kuo hat zudem die für Face ID notwendige TrueDepth-Kamera gleichzeitig als einen großen Kaufanreiz der iPhone-Fans und als einen Flaschenhals der Produktion beschrieben.

Das bedeutet, dass aufgrund neuer Technologien nicht nur mehr Vorbestellungen als üblich auflaufen könnten, sondern gleichzeitig auch die komplizierte Produktion der selben dazu führt, dass die Wartezeiten in höchst unerfreuliche Höhen schnellen.

The 3D sensing (TrueDepth camera) on iPhone X is composed of a structured-light system, time-of-flight system and a front-facing camera, which represents a far more complex structure than those of rivals, It will therefore be harder to achieve mass production. Ming-Chi Kuo, Analyst KGI Securities

Kuo vermutet daher, dass erst „an irgendeinem Punkt im ersten Halbjahr 2018“ die Nachfrage tatsächlich befriedigt werden kann. Ein weiterer Analyst — Jeff Pu von Yuanta Investment Consulting aus Taiwan sagte gegenüber Nikkei Asian Review, dass Foxconn im September lediglich zwei Millionen Geräte fertigen könne, im Oktober dann etwa 10 Millionen Einheiten.

Das würde bedeuten, dass zum Verkaufsstart Anfang November lediglich 12 Millionen iPhone X verfügbar wären. Man muss kein Hellseher sein und auch kein Mathematik-Genie, um daraus abzuleiten, dass sich viele Interessenten nach einem anderen Weihnachtsgeschenk umsehen müssen, weil das iPhone X dort nicht rechtzeitig verfügbar sein wird.

Bezieht in diese Rechnung jetzt auch mal einen Bericht der Digitimes mit ein, die nämlich mit Blick auf die Zulieferer davon ausgehen, dass Apple die iPhone X-Produktion auf 40 Prozent heruntergefahren hätte. Der Grund dafür soll sein, dass man erst einmal abwarten möchte, wie viele Nutzer sich wirklich für die Vorbestellung des iPhone X entscheiden.

Das Branchenblatt aus Taiwan hat selbstverständlich auch schon mal ordentlich daneben, aber wir sollten das dennoch mal im Hinterkopf behalten — immerhin hat Apple diese Taktik auch letztes Jahr beim iPhone 7 angewendet und dadurch in Kauf genommen, dass manche Vorbesteller sehr lange auf ihr iPhone 7 Plus warten mussten.

Clever gepokert oder verzockt?

Es scheint einzutreffen, was zu erwarten war: Die iPhone 8-Verkäufe leiden darunter, dass alle Welt — oder zumindest ein großer Teil der Apple-Fans — noch auf das iPhone X wartet. Die Börse reagiert aktuell nicht sehr freundlich darauf, seit dem Launch-Event hat die Aktie keine äußerst erfreuliche Entwicklung genommen.

Vielleicht pokert Apple hier aber einfach auch nur sehr geschickt — man darf immerhin davon ausgehen, dass auf ein jetzt zu erwartendes schwächeres Quartal danach dann das Geschäft noch mehr brummen könnte als je zuvor angesichts des mit Spannung erwarteten iPhone X. Der Faktor Zeit dürfte hier aber zu einem äußerst spannenden Kriterium werden, wenn es wirklich bis in den Frühling hinein eine so empfindliche Knappheit geben würde.

Der ein oder andere dürfte nämlich durchaus ins Grübeln kommen, wenn er im Januar 2018 immer noch auf sein Ende Oktober vorbestelltes iPhone X wartet. Immerhin ist dieses Smartphone dann seit seiner Vorstellung im September mittlerweile schon vier Monate alt. Vier Monate, die die komplette Konkurrenz dazu nutzen kann, Look und Features nachzuahmen oder unabhängig davon an den eigenen neuen Flaggschiffen für das neue Jahr zu feilen. Das Samsung Galaxy S9 sei da als eines von vielen Modellen genannt, die wir früh im neuen Jahr zu sehen bekommen werden.

Übrigens findet ab dem 26. Februar der Mobile World Congress in Barcelona statt und damit die Veranstaltung, bei der viele der wichtigsten Smartphone-Hersteller eine neue Hardware-Generation vorstellen. Klar: Für viele Apple-Begeisterte kommt ein Smartphone mit Android nicht einmal theoretisch in Frage. Dennoch wird es sicher genügend Unentschlossene geben, die nicht monatelang warten möchten und dann einfach mal schauen, was die Samsungs, Sonys und Huaweis dieser Welt zu bieten haben.

Abschließend bleibt noch festzuhalten, dass all das hier von dem Szenario ausgeht, welches uns Analysten und Quellen aus der Zuliefererkette zeichnen. Vielleicht haut das alles komplett nicht hin und Apple kann ab November solide Mengen des iPhone X ausliefern. Für mich sieht es aktuell aber eher danach aus, dass die Befürchtungen bezüglich der Verfügbarkeit zutreffen werden und dann wird es spannend sein zu sehen, wie Apple damit umgeht — und wie der Markt reagiert.

via Apple Insider und MacRumors