iRobot: Roomba will Wohnungs-“Karten” an andere Firmen verkaufen

Der Saugroboterhersteller Roomba will die von seinen High-End-Modellen gewonnenen Raumdaten an andere Firmen verkaufen. Smart Home Geräte wie Heizthermostate, Lichtsysteme oder Sprachassistenten sollen von den Kameras und Sensoren iRobots profitieren. Doch Datenschützer haben Bedenken.

Die Staubsaugerroboter von Roomba gehören zu den geekigen Verkaufsschlagern der vergangenen Jahre. Die verschiedenen Modelle der iRobot-Serie reinigen zuverlässig die Böden von tausenden Kunden – und vermessen vor und während dieser Arbeit die Wohnungen der Besitzer. Über die integrierten Sensoren verschaffen sich die fleißigen Helfer einen Überblick über die Abmessungen der Räume und die darin aufgestellten Möbel.

Diese Daten will der Hersteller nun an andere Firmen verkaufen und liefert dafür eine auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbare Begründung. Doch Datenschützer warnen, dass die Angaben unzulässige Rückschlüsse zulassen, die nichts in fremden Händen außerhalb der eigenen vier Wände verloren haben.

Bei den gesammelten Daten handelt es sich um Raumdaten, die vor allem von den höherwertigen Modellen wie dem Roomba 980 und anderen Versionen der 9er-Serie gesammelt werden. Eine in den Staubsaugerrobotern eingebaute Kamera vermisst und erkennt den Raum, in dem sich das Gerät momentan befindet und erarbeitet aus den Daten eine raumspezifische “Karte” für eine möglichst effiziente Reinigung der Böden.

Bereits früh gab es Bedenken, dass die in iRobots und anderen Staubsaugerrobotern eingebauten Kameras auch hochauflösende Bilder einer Wohnung schießen könnten, doch die Hersteller wiegelten ab. Die Kameras seien dafür nicht konzipiert und lieferten allenfalls ein unscharfes Bild, das eben allein der Identifikation von Wänden und möglichen Hindernissen diene. Bei verschiedenen Herstellern spielen die Kameras ohnehin keine oder eine nur untergeordnete Rolle. Hier setzt man stattdessen auf kleine Laser und Radarsysteme, die in ähnlicher Bauweise auch bei Assistenzsystemen teilautonomer Autos zum Einsatz kommen.

Die vom fleißigen (bzw. gelegentlich auch übereifrigen) Mitbewohner gesammelten Informationen wecken offenbar die Begehrlichkeiten anderer Unternehmen. Besonders Hersteller von “intelligenten” Heizthermostaten, steuerbaren Lichtsystemen oder Funksteckdosen dürften ein großes Interesse an Einblicken haben, die Rückschlüsse auf die tatsächlichen Wohnverhältnisse eines potentiellen Kunden haben. Im großen Maßstab erhoben erlauben diese Daten eine wesentlich bessere Entwicklung zukünftiger Produkte.

Staubsaugerroboter Roomba verteilt Hundehaufen in der ganzen Wohnung

Im individuellen Rahmen könnten die Daten des iRobots die Geräte anderer Hersteller tatsächlich “intelligenter” machen. Wenn der Staubsaugerroboter dem Heizthermostat eines anderen Herstellers mitteilt, wie groß und eventuell verwinkelt ein Raum tatsächlich ist und wie viele Möbel sich daran befinden, könnte das Heizthermostat u.U. wesentlich effektiver und ohne manuelle Angaben des Besitzers arbeiten. Ein “smartes” Lichtsystem oder Sprachassistenzsysteme wie der Amazon Echo, Google Home oder Apple HomePod könnten ohne entsprechende eigene Sensoren ebenfalls von detaillierten Raumdaten profitieren.

Datenschützer geben zu bedenken, dass die erhobenen Raumdaten vor allem in der Kombination mit anderen Angaben weitaus umfangreichere Schlussfolgerungen zulassen. So könnten Firmen aus den erhobenen Daten eventuell Rückschlüsse auf die Einkommensverhältnisse, auf die Größe der Familie oder die Arbeitszeiten des Besitzers ziehen. Diese Angaben ließen sich nicht nur zur Steuerung von smarten Geräten, sondern eben auch zur Erstellung von Kundenprofilen und z.B. zum Ausspielen gezielter Werbemaßnahmen nutzen.

via heise.de