Software
Keine faulen Ausreden mehr: Diese App-Entwicklerin ist 82 Jahre alt

Im Ruhestand brachte sich Masako Wakamiya das Programmieren selber bei. Heute entwickelt sie eigenständig Apps für ältere Menschen. Tim Cook sagt, sie sei eine "Inspirationsquelle".
von Vera Bauer am 13. August 2017

So, spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem meine Oma einen Laptop geschenkt bekommt. Genau wie sie, ist nämlich auch Masako Wakamiya im Ruhestand und hat sich selber Programmieren beigebracht. Sie ist 82 Jahre alt und machte mit ihrer iPhone-App für Senioren sogar den Apple-Vorstandsvorsitzenden Tim Cook auf sich aufmerksam. Sie war auf der letzten WWDC im Juni dabei und hat das Durchschnittsalter von 30 Jahren, dort deutlich angehoben.

In den Neunzigern ging die frühere Bankangestellte in Pension. Was macht man nun mit der ganzen freien Zeit? Das Internet war auf dem Vormarsch und so begann sich Wakamiya für Computer zu interessieren. Innerhalb von drei Monaten hat sie sich selber beigebracht, wie das Internet funktioniert.

Nach eigenen Aussagen habe ihr der Computer eine Freiheit gegeben, wie nichts anderes auf der Welt. Sie konnte sich über das Internet mit anderen austauschen, was in der realen Welt oft nicht ging, da sie ihre kränkliche Mutter pflegen musste. Sie merkte allerdings schnell, dass es im digitalen Umfeld kaum Programme oder überhaupt Anleitungen gab, die Seniorengerecht aufbereitet waren. Sie fing an, die einzige halbwegs verständliche Anleitung über Excel zu lesen, die sie finden konnte. Und dann baute sie Strickmuster in Excel nach.

So wie sich das Internet weiterentwickelt hat, so hat sich auch Wakamiya immer mehr Kenntnisse angeeignet. Irgendwann brachte sie sich selbst das Programmieren bei. Sie wollte eine Anwendung für Senioren erschaffen und hatte damit Erfolg. In nur sechs Monaten entwickelte sie die Spiele-App “Hinadan”, sie sich vor allem an ältere Menschen richtet.

In der App, die bislang nur auf Japanisch erhältlich ist, muss der Nutzer kleine Männchen in traditionellen japanischen Kostümen in eine bestimmte Reihenfolge bringen. Dabei habe Wakamiya stets darauf geachtet, dass ältere Leute vielleicht nicht mehr so gut Hören oder Sehen können und ihre motorischen Fähigkeiten womöglich auch eingeschränkt sind.

Tim Cook, den sie auf der WWDC im Juni getroffen hatte, sei begeistert von ihr, so erzählt die Japanerin. Er interessiert sich für das von ihr entwickelte Spiel. Und wer weiß, vielleicht wird sich ihre App für Senioren schon bald im App Store dazugesellen.

via: spiegel