Smart Health
Künstliche Handprothese per iPhone App steuerbar

Bertolt Meyer trägt an seinem linken Arm eine Handprothese und, dass es ein künstliches Körperteil ist, sieht man dem Stück Technik auch an. Die Prothese kommt von dem Unternehmen Touch Bionics und das Besondere ist, dass sie an jedem einzelnen Finger einen Motor und einen Drucksensor verbaut hat. Die Bewegungen können mittels einer App gesteuert werden.
von Vera Bauer am 14. August 2016

Technik ist faszinierend, besonders, wenn sie Menschen helfen kann. Bertolt Meyer ist Professor für Organisationspsychologie an der Technischen Universität Chemnitz und dort, wo seine linke Hand sein sollte, trägt er eine bionische Prothese. Das Besondere daran ist, dass er diese mit seinem iPhone steuern kann. Meyer wurde ohne linken Unterarm geboren und seine künstliche Hand soll gar nicht nach einer echten Hand aus Fleisch und Blut aussehen. Es ist Absicht, dass sie so technisch aussieht.

Die bionische Prothese hat eine durchsichtige Silikonhaut, weswegen man auch die feine Mechanik und die Sensoren im Inneren sehen kann. Meyer ist mit seiner Hand zufrieden, denn er findet die Prothesen von früher nicht so toll. Damals sahen sie aus wie Körperteile von Schaufensterpuppen und Menschen die sie trugen, sendeten damit unmittelbar das Signal aus etwas verstecken zu wollen. Das kann bei anderen wiederum ein befremdliches Gefühl auslösen und dieses Empfinden wird anscheinend umso stärker, je realistischer die Körperteil-Nachahmung aussieht. Man spürt einfach, dass etwas nicht wirklich menschlich oder echt ist, sondern nur so aussieht und das kann Mitleid hervorrufen.

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Darauf kann Meyer getrost verzichten, denn für ihn soll die Technik auf den ersten Blick sichtbar sein. Er erzählt, dass manchmal Kinder auf ihn zukommen und die Funktionsweise verstehen wollen. Da kommt kein Mitleid auf – das ist Faszination für Technik und daraus entsteht ein ganz anderer Bezug zu der Behinderung.

Die Handprothese kommt von einem Startup aus Schottland mit dem Namen Touch Bionics. Das Gerät hat an jedem einzelnen Finger einen Motor und einen Drucksensor verbaut. Zwei Elektroden, die Meyer auf seinem Arm trägt messen die elektrische Spannung an der Hautoberfläche, die bei Muskelbewegungen entsteht, die eigentlich für das Anwinkeln des Handgelenks zuständig ist. Der daraus entstehende Impuls löst die mechanischen Bewegungen der künstlichen Hand aus.

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Dazu gehört eine App auf dem iPhone die 24 verschiedene Griffmuster anbietet. Meyer kann auch selber Muster hinzufügen, die die Hand dann ausführen könnte. Seine Hand muss nach 20 Stunden Benutzung wieder mit Strom versorgt werden. Dazu lädt Meyer die künstliche Prothese über Nacht auf. Insgesamt belaufen sich die Kosten für die Hand auf 40.000 Euro, die aber mittlerweile auch von den Krankenkassen finanziert werden.

Quelle: welt