LiMux adé – Kickt München Linux und plant die Rückkehr zu Microsoft?

LiMux ist gescheitert - so könnte man die Erkenntnisse der Stadt München auffassen. Ein Gutachten der Unternehmensberater Accenture legt der Stadt nahe, dass man doch wieder auf Windows setzen soll. Viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung frustriert die Nutzung von Linux am Arbeitsplatz.
von Marco Wilde am 11. November 2016

Update vom 12. November:
Dank Eurer zahlreichen, teilweise sehr konstruktiven Kommentare, erhält der Artikel ein Update, der entsprechende Absatz wurde gekennzeichnet. Somit möchte ich vermeiden, dass das Ganze hier den Eindruck erweckt, man würde Fakten unterschlagen.

Hätte der damalige Münchener Oberbürgermeister Christian Ude im Jahr 2003 auf Steve Ballmer gehört, würde die Stadtverwaltung heute nicht vor einem großen IT-Problem stehen. Als die Stadt München vor Jahren – aufgrund der Einstellung von Windows NT – eine Alternative zu Microsofts Betriebssystem suchte, war der große Favorit eine OpenSource Lösung auf Basis von Linux. Im September 2006 wurde begonnen, die Windows-Arbeitsplätze sukzessive durch ein angepasstes Debian GNU mit K-Desktop zu ersetzen. Im Jahre 2013 wurde die Fertigstellung des Projektes LiMux (Kunstwort aus Linux und München) vermeldet.

Seitdem häufen sich aber die Probleme. Die Unzufriedenheit der Mitarbeiter und Entscheidungsträger wird immer größer. Nicht einmal drei Jahre nach der Umsetzung steht das Projekt nun vor dem Ende. Grund dafür ist ein Gutachten, das der Stadt München nahelegt, wieder zu Windows und Office zurückzukehren und damit den Linux-Desktop aus den Büros der Stadt zu verbannen. Das Beratungshause Accenture schlägt eine Komplettmigration hin zu leistungsfähigen Windows-Clients mit Microsoft Office Suite vor.

Update vom 12. November 2016
Unter der Berücksichtigung, dass der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter sich immer wieder zu Microsoft und gegen Linux als Betriebssystem bekannt hat, ist dieses Gutachten natürlich kritisch zu beurteilen. Ein Gutachten, welches von einer subjektiven Meinung geprägt ist, wird diese auch immer widerspiegeln. Es ist hinreichend bekannt, dass Herr Reiter sich in seiner Amtszeit immer wieder gegen das LiMux-Projekt positioniert hat und somit ist es nicht verwunderlich, dass die Punkte in dem Gutachten der Firma Accenture in die selbe Richtung gehen.

Die Kritik am Ersteller des Gutachtens, die Unternehmensberater von Accenture seien durch Kooperationen mit Microsoft voreingenommen und betreiben Lobby-Arbeit kann man so aber nicht sagen. Neben Microsoft bestehen aktive Kooperationen mit den Mitbewerbern der Redmonder. So finden sich auf der Unternehmenshomepage von Accenture viele große Namen aus dem Bereich, u.a. SAP, IBM, Google, Oracle und Amazone Web Services (AWS), wieder.
Ende des Updates

Das 450-seitige Gutachten war Gesprächsstoff am Mittwoch, zu dem die Stadt München eine Ergebnisbeschreibung veröffentlich hat. Im Schreiben der Abteilung zu Fragen von Strategie, Steuerung und Kontrolle der IT (kurz: Strac) raten die Experten zu einem „vollständigen Neuaufbau beim Windows-Client“. Außerdem müssen „punktuelle Verbesserungen bei LiMux-Client“ vorgenommen werden.

Das Personal- und Organisationsreferat hat Mitte September in einer Stellungnahme zum Thema LiMux geäußert, dass die PC’s im Zusammenhang mit der Libre-Office Software zwar mittlerweile zum täglichen Arbeiten geeignet seien, die Möglichkeiten aber weit hinter den auf dem Markt etablierten Lösungen liegen. Weiterhin haben sich die Mitarbeiter in den zehn Jahren nicht an das Programm gewöhnen können, es habe sich vielmehr „Frustration und auch Resignation verfestigt“.

Auch die Tatsache, dass nicht alle Programme auf Linux lauffähig sind, tut ihren Beitrag dazu. So ist SAP beispielsweise nicht mit LiMux kompatibel, sodass in bestimmten Bereichen weiterhin auf Windows-Rechner zurückgegriffen werden muss. Die erhoffte Unabhängigkeit von Microsoft, Oracle oder SAP, die vom Start des Projektes an immer wieder propagiert wurde, tritt so also nicht ein.

Auch in Bezug auf Sicherheit und Stabilität lässt LiMux zu wünschen übrig, denn diese ist „in weiten Teilen nur theoretischer Natur“. So war im Dezember 2014 tagelang der Mailserver der Stadt München nicht erreichbar. Auslöser dieses Ausfallen war damals eine E-Mail mit einer überlagen Betreffzeile. Diese legte die Server über das komplette Wochenende lahm. Weiterhin steht ein Kompabilitätsproblem zwischen Libre-Office und Anderen Textverarbeitungsprogrammen im Raum, welches auch nach zehn Jahren nicht behoben werden konnte.

Folgt nun also die Kapitulation Münchens vor den Problemen eines OpenSource-Betriebssystems? Die Entscheidung steht noch aus. Bis auf Weiteres sollen die Mitarbeiter selbst entscheiden, welche Lösung für sie komfortabler und passender ist. Davon wird dann in Zukunft abhängig gemacht, ob die Nutzung von Linux überhaupt noch wirtschaftlich sinnvoll ist

Quelle: heise