Netflix hat jetzt mehr Abonnenten als alle US-Kabelanbieter zusammen

Netflix erreicht nun mit über 50 Millionen Abonnenten mehr Kunden, als alle US-amerikanischen Kabelanbieter zusammen. Der Erfolg des Streamingdienstes in den Vereinigten Staaten gilt als wichtiger Indikator für den europäischen Markt. Auch Amazon Prime & Co. holen auf.

Der Streaminganbieter Netflix hat anscheinend in den Vereinigten Staaten einen neuen Rekord aufgestellt. Einer aktuellen Studie zufolge soll die Zahl der Netflix-Abonnenten nun erstmals die Zahl aller Kunden übersteigen, die alle US-amerikanischen Kabelfernsehanbieter gemeinsam auf sich vereinen können. Der Fernsehmarkt in den USA gilt als international wichtiger Indikator für zukünftige Entwicklungen, die sich mittel- und langfristig auch auf Europa auswirken.

Wie die Marktforscher von Leichtmann Research errechneten, kann Netflix USA nun insgesamt 50,85 Millionen zahlende Abonnenten verzeichnen, während es die größten amerikanischen Kabelnetz-Provider mit ihren TV-Angeboten nur noch auf 48,61 Millionen Kunden bringen. Damit treffen ein schleichender Abwärtstrend bei den Letztgenannten und ein rasantes Wachstum bei Netflix aufeinander.

In der Statistik sind kleinere Kabelanbieter mit einem insgesamt ca. 5%-igen Anteil am Markt nicht erfasst. Ebensowenig berücksichtigt der Vergleich, dass ein erheblicher Teil der US-Bürger via Satellit Fernsehen schaut, rund 38 Millionen Amerikaner zahlen an die entsprechenden Anbieter ihre monatlichen Gebühren für das in den Vereinigten Staaten übliche Pay TV.

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Wenig Aussagekraft hat die Statistik auch hinsichtlich der Zahl der Abonnenten, die sowohl über Netflix als auch via Kabel ihre Filme und Serien konsumieren. Sprich: es muss sich nicht zwingend um einen Verdrängungswettbewerb handeln, manche Kunden zahlen die vergleichsweise geringe Gebühr für ein Netflix-Abonnement einfach zusätzlich. Damit einhergehend ist zu beachten, dass Abonnenten nicht zwingend Zuschauer sind und Netflix als Streaming-on-Demand Anbieter vermutlich nicht auf eine vergleichbar hohe summierte Zuschauerzahl, “Einschaltquote” und – vor allem – “Sendezeit” kommt.

Diese klassischen Vergleichskriterien gelten in der Branche immer noch als entscheidender Maßstab für die Erfolgsmessung und werden sicherlich auch weiterhin eine Rolle spielen. Andererseits muss man auch berücksichtigen, dass andere Streaming-Anbieter wie Amazon Prime Video, Google Play Movies oder Apple TV/itunes mittlerweile ebenfalls signifikante Marktanteile erobern konnten. Summiert man die vermutete Abonnentenzahl aller größeren Streaming-Anbieter, dann dürfte es für die US-amerikanischen Kabelnetzbetreiber schon heute noch “schlechter” aussehen.

Das gesamte Marktvolumen aller Abonnenten, die entweder via Kabel, Satellit oder über Streaming-Anbieter ihre Filme, Serien und andere Inhalte schauen, soll momentan bei ca. 93 Millionen Kunden liegen. Rechnerisch erreicht allein Netflix also jeden Zweiten, was ziemlich beeindruckend ist. In den USA leben ca. 325 Millionen Menschen, ein jeweils zahlender Abonnent versorgt also sicherlich den ein oder anderen Haushalt mit mehreren Personen.

Protektionismus in der EU?

EU-Quote: Netflix & Co. sollen zu europäischen Produktionen gezwungen werden

Viele Experten gehen davon aus, dass sich der Erfolg von Netflix, Amazon Prime Video & Co. auch hierzulande bzw. In Europa weiter fortsetzen wird. Die EU ist mit einer Gesamtbevölkerung von ca. 510 Millionen Einwohnern ein überaus wichtiger Markt, der den US-Kabelnetz- und Satelliten-Anbietern in der Regel verschlossen bleibt, während die Streaming-Dienste hier längst aktiv sind.

In den vergangenen Monaten hatte es allerdings immer wieder Meldungen gegeben, die auf einen nur schwerlich zu bestreitenden Protektionismus der Europäischen Union hinweisen. So sollen Netflix und Co. in Zukunft mit hohen Quoten dazu gezwungen werden, mehr europäische Produktionen in ihr Programmangebot aufzunehmen. Solche Quoten gibt es in vielen Mitgliedstaaten zwar auch für klassische TV-Anbieter, allerdings fallen sie wesentlich niedriger aus. Kritiker bemängeln, dass viele europäische Produktionen ohnehin bereits durch nationale und europäische Filmförderungen (und damit in vielen Fällen durch den Steuerzahler) realisiert werden, dabei aber nur selten das “Niveau” der Filme und Serien steigt.

Zudem will die EU die US-amerikanischen Streamingdienste zwingen, ihre digital errichteten Grenzen innerhalb der Europäischen Union aufzugeben. Die geplante “Abschaffung” des Geoblocking ist zwar angesichts eines theoretisch geeinten Wirtschaftsraums erneut nur ein schäbiger Kompromiss, dennoch bereiten die neuen Vorgaben den Anbietern sicherlich Kopfschmerzen.

Quelle: forbes.com