Pebble Health: Offene Algorithmen und Happiness App

Bei Pebble konzentriert man sich nicht nur auf die neuen Smartwatch-Modelle und den Core, auch an der Software wird gearbeitet und die kommt auch Besitzern einer aktuellen Pebble zugute. Und dann öffnet das Unternehmen noch eine Black Box und legt die Algorithmen offen.

Tim Cook erklärt die Apple Watch zur lebensverlängernden, ja gar -rettenden Maßnahme, Pebble dagegen ging es einen Schritt kleiner an mit der Einführung von Pebble Health. Aber im Prinzip geht es beiden Unternehmen um die gleiche Sache: Wir tragen unsere Smartwatches – wenn wir denn eine tragen – den ganzen Tag mit uns rum, da stecken jetzt schon einige Sensoren drin und weitere werden folgen, warum also nicht die dabei anfallenden Daten nehmen und dafür verwenden, den Benutzern ein besseres und möglicherweise auch längeres Leben zu ermöglichen?

Tatsächlich ist diese Idee auch nicht von Apple oder Pebble, das Thema „Quantified Self“, also die Erfassung möglichst vieler Daten zu sich selbst, um darauf aufbauend das eigene Leben besser zu machen ist sehr viel älter. Seit 2007 gibt es die Website quantifiedself.com, aber wenn man es ganz genau nimmt, dann begann das Thema ja doch sehr viel früher: Mit Tagebüchern. Okay, so ein Tagebuch ist sicher nur eine sehr sehr grobe Umsetzung der Idee, aber das Prinzip hat nun Pebble in eine neue App gepackt und dabei die wichtigsten Aspekte heraus gegriffen:

Happiness App

Diese App versucht einfach mal alle die Faktoren per Nutzerbefragung zu erfassen, die man bislang nicht automatisch mit Sensoren erfassen kann, die aber durchaus wichtig sind: Wie fühlt man sich gerade, ist man bei der Arbeit oder Freizeit, mit wem und was hat man so getan. Diese Fragen stellt die App dann stündlich in einem einstellbaren Zeitraum des Tages. Jede Woche wird es dann eine Auswertung geben. Irgendwie ziemlich genau das, was Menschen so in ihre Tagebücher schreiben, aber dann nie – zumindest nicht so detailliert – auswerten. Bei Pebble Research kann man sich anschauen, wie solche Auswertungen aussehen und welche Rückschlüsse man daraus ziehen kann, denn intern wurde das bereits getestet.

Wahrscheinlich werden jetzt sehr viele direkt abwinken, die das ganze Thema „Selbstvermessung“ sowieso für einen Hype halten, andere werden Datenschutzbedenken anführen, schließlich werden die Daten bei Pebble gespeichert und ausgewertet und wie großartig wäre es für die Werbeindustrie nicht nur zu wissen, wer zur Zielgruppe gehört, sondern auch noch, zu welcher Tageszeit die einzelnen Menschen aus der Zielgruppe aufgrund ihrer Stimmung am empfänglichsten für die Werbebotschaft sind.

Böse, wie ich nun mal bin, fällt mir spontan als Beispiel der Anbieter von robusten Seilen ein, der die Werbebotschaft dann gezielt an Leute ausliefern lässt, die gerade zu Tode betrübt sind… Ja, sehr böse. Bleiben die Menschen, die das Thema Quantified Self zumindest interessant finden und in Sachen Datenschutz dem Unternehmen ein gewisses Vertrauen entgegen bringen.

Wie fühle ich mich eigentlich gerade?
Wie fühle ich mich eigentlich gerade?

Und was hat man nun davon? Ich kann es noch nicht sagen, wie das praktisch aussieht wird sich noch zeigen. Aber in der Theorie bringt es neue Erkenntnisse, die ganzen sowieso schon gesammelten Daten mit noch mehr Daten über sich selbst sinnvoll zu verknüpfen. Heute schon weiß ich, wann ich mich wie intensiv bewegt habe, Aktivitätstracker sei dank. Verknüpft mit den Daten der Happiness App kann ich vielleicht irgendwann sagen, welche Auswirkungen diese Aktivitäten kurz-, mittel- und langfristig auf mein persönliches Wohlbefinden und meine gefühlten Energiereserven haben.

Wenn ich weiß, mit wem ich wann unterwegs war und wie ich mich dabei gefühlt habe, dann stelle ich vielleicht fest, dass mich gewisse Menschen in meiner Umgebung runter ziehen und ich sie vermeiden sollte oder etwas positiver formuliert: Ich sehe, welche Menschen meine Stimmung heben und versuche dann mehr mit denen zu unternehmen.

„Boah nee, echt jetzt? Willst du denn dein Leben nur noch nach Statistiken und Algorithmen ausrichten?“

Ja, auch diesen Gedanken hatte ich schon, andererseits weiß ich ja noch gar nicht, was bei der Sache raus kommt. Vielleicht tue ich ja sowieso schon ständig das, was mir gut tut ganz automatisch und kann die Sachen, die mich runter ziehen eh nicht vermeiden. Oder das ständige Fragen nach meiner Stimmung geht mir ab der siebten Frage nur noch auf die Nerven. Es ist ein Experiment, aber eines, das ich sehr interessant finde.

Und es zeigt, wie die Wearables unsere Leben wirklich verbessern können, zumindest aber uns helfen, besser zu verstehen, was mit uns so passiert. Und selbst wer sein Leben nicht möglichst umfassend aufzeichnen möchte: Manchmal kann es doch auch nicht schaden, sich zwischendurch am Tag mal zu fragen: Was mache ich eigentlich gerade und wie geht es mir dabei?

Kennt doch jeder: Gegen Mittag geht die Laune runter.
Kennt doch jeder: Gegen Mittag geht die Laune runter.

Und am Ende bleibt es ja unsere Entscheidung, ob wir den aus der Statistik gewonnenen Empfehlungen folgen wollen oder doch einfach weiter das tun, was uns gerade in den Sinn kommt. Wer das Experiment mitmachen möchte, der braucht nur seine Pebble und die kostenlose Happiness App.

Offene Algorithmen

Vielleicht für die meisten von uns im ersten Moment etwas weniger spannend, aber mittel- bis langfristig könnte sich das als die wichtigere Ankündigung heraus stellen: Pebble legt die Algorithmen seines Aktivitätstrackers offen. Dabei handelt es sich um die beiden Formeln, mit denen in der Uhr anhand der Bewegungssensoren errechnet, wie sich der Träger gerade bewegt und wie viele Schritte zurück gelegt wurden.

Zum einen ist es natürlich für an dem Thema interessierte Menschen ganz spannend zu wissen, wie das ausgerechnet wird, auf der anderen Seite ist es aber auch für andere Hersteller interessant. Man muss ja nur mal einen Tag lange das iPhone ständig dabei haben und dann die Ergebnisse der Schrittzähler im iPhone und in der Pebble vergleichen. Da gibt es immer Abweichungen – mal größere, mal kleinere, aber sie sind da. Offenbar rechnen die beiden Systeme unterschiedlich.

Wenn nun andere Apps auf solche Daten aus verschiedenen Quellen zurück greifen, dann hilft ihnen das Wissen um die Berechnungsmethoden möglicherweise dabei, diese Daten besser einzuordnen und zu bewerten. Die Hoffnung, dass auf der Basis ein Standard entwickelt wird, auf dem dann alle entsprechenden Devices aufbauen, kann ich nicht so recht teilen, aber die Möglichkeit besteht zumindest.

Obwohl es im Vergleich zu „Die Apple Watch verlängert Leben“ deutlich weniger spektakulär klingt, ist doch das Gleiche gemeint:

With applications such as sleep measurement, calorie counting, habit modification, and perhaps even mood detection, wearables combined with other mobile technologies promise us a new window into human behavior and health. Nathaniel Stockham, Pebble