Rechtsstreit mit Peta um ein Affen-Selfie treibt Fotografen in den Ruin

Der Rechtsstreit um ein mittlerweile weltbekanntes Affen-Selfie hat einen Briten nach eigenen Angaben in den Ruin getrieben. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte vor Jahren stellvertretend für den Makaken Urheberrechtsansprüche angemeldet und prozessiert sich seitdem durch die Instanzen.

Man kann über den Sinn und Unsinn von Selfies geteilter Meinung sein, der große Hype ist wohl ohnehin vorbei. Dennoch haben sich die mal mehr oder weniger gelungenen Selbstportraits mit und ohne Entenschnute (“Duck Face”) einen festen Platz erobert und herstellerübergreifend dafür gesorgt, dass es heutzutage Smartphones mit Frontkameras gibt, die vor ein paar Jahren jede Hauptkamera auf der Rückseite in den Schatten gestellt hätten.

Kaum jemand dürfte in diesen Tagen auf Selfies so allergisch reagieren wie David Slater, denn eines davon hat ihn mehr oder weniger unmittelbar in den Ruin getrieben. Der Fotograf bzw. eines “seiner” Bilder wurden vor mehreren Jahren weltbekannt, doch gebracht hat es dem Mann wenig. Ganz im Gegenteil, nach eigenen Angaben ist Slater pleite.

Slater unternahm 2011 eine Reise nach Indonesien, um dort bedrohte Tierarten zu fotografieren. Nach eigenen Angaben eignete sich ein Affe in einem unbeobachteten Moment die Kamera des Fotografen an und knippste damit mehrere “Selfies”. Slater, der den Erfolg der Bilder offenbar nicht vorhersehen konnte, uploadete eine Auswahl der tierischen Selbtstportraits zu Wikimedia – und der Ärger begann.

Die Tierrechtsorganisation Peta sah sich dazu berufen, im Namen des Affen Urheberrechtsansprüche anzumelden, schließlich sei dieser genaugenommen der Fotograf. Im Jahr 2015 verklagte die umstrittene Institution den Briten, der sich seitdem in einem teuren Rechtsstreit um “seine” Bilder befindet. Nach Angaben von Peta sollen mit den Erlösen aus den Verwertungsrechten für das Foto – verwaltet durch Peta – die Lebensumstände des mittlerweile achtjährigen Makaken Naruto und seiner Artgenossen verbessert werden.

Slater argumentierte in dem bisherigen Verlauf des Verfahrens, dass der Affe schließlich nur den Auslöser gedrückt habe, ohne sich seiner Tätigkeit oder des Ergebnisses bewusst zu sein. Er als Fotograf habe nicht nur die sündhaft teure Ausrüstung für dieses Selfie gestellt, sondern auch alle notwendigen Einstellungen an der Kamera vorgenommen. Zudem sei es eine teure berufliche Reise gewesen, die ihn und den Affen erst zusammengebracht hätten.

Peta argumentiert, dass die US-amerikanischen Copyright-Gesetze und Verordnungen nicht explizit ausschließen, dass einem Tier (oder einem gesetzlichen Vertreter) entsprechende Rechte zugesprochen werden. Anderslautende Vorschriften betrachtet die Tierrechtsorganisation lediglich als “Meinungen”, die man in Frage stellen dürfen. Letztendlich darf man davon ausgehen, dass die Tierrechtler vor allem ein publicity-trächtiges Verfahren angestrebt haben, um möglichst plakativ ein Beispiel für die geforderte Gleichstellung von Mensch und Tier zu finden.

Slater wiederum fühlt sich in doppeltem Sinne “zum Affen gemacht”. Bereits 2014 hatte ein Gericht in seinem Heimatland Großbritannien entschieden, dass er keine Urheberrechte an den Bilder habe, diese habe der Affe gemacht. Der wiederum könne als Tier keine Rechte an den Bildern haben, so dass diese frei von jeglichen Rechten von jedem genutzt werden könnten. Eine ähnliche Auffassung vertritt auch Wikipedia, wo die Bilder ursprünglich hochgeladen wurden und sich nach mehreren Löschungen immer noch befinden.

Wusstet ihr, dass ohne besondere Vereinbarung auch in Deutschland immer der Fotograf die Urheberrechte an einem Bild hat? Oder dachtet ihr wie viele andere, dass das “Recht am eigenen Bild” bedeutet, dass man selbst über Fotos von sich bestimmen darf?