Wissenschaft
Project Palix: DNA-Stränge als Datenspeicher

In einer Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Twist Bioscience wollte Microsoft ein Speichermedium aus synthetisierter DNA erschaffen und hat dies nun anscheinend auch geschafft. Auf einem DNA-Strang soll ein 202 MB großes Datenpaket langlebig und sicher gespeichert werden.

Vor ein paar Monaten hatte ich darübergeschrieben, dass Microsoft mit DNA als Datenspeicher experimentieren will. Daten könnten so sicher, langlebig und in größeren Mengen als jetzt gespeichert werden. In hunderten von Jahren werden unsere heutigen DVDs, Web Server und Flash-Laufwerke Schnee von gestern sein. Ein Song wird man dann aber immer noch abspielen und wahrscheinlich nie vergessen werden.

Das Musikvideo zu dem Song „This Too Shall Pass“ der Rockband OK Go ist Teil eines 202 Megabyte großen Datenpakets, welches auf einem DNA-Strang gespeichert wurde. Es ist die bisher größte bekannte Menge an Daten, die so abgelegt wurden. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit von Microsoft, Twist Bioscience und Forschern der Universität Washington. Ziel ist es, die Technologie zu fördern, die eines Tages vielleicht eine echte Alternative zu herkömmlichen Festplatten und USB-Sticks sein könnte.

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Um Daten auf DNA zu schreiben, übersetzen Forscher den binären Code einer Datei in die Nukleotid-Moleküle, die Bausteine des Erbguts. Verschiedenen Basenpaaren repräsentieren dabei die Einsen und Nullen. In unserem Fall hier, erstellte Twist Bioscience benutzerdefinierte DNA-Stränge auf der Basis der binären Codes der zu speichernden Dateien. Das Musikvideo wurde also codiert und diese Übersetzung ergeben eine ganz neue Zusammensetzung von Basenpaaren, was auch gleichzeitig einen neuen DNA-Strang bedeutet.

In dem Datenpaket soll das besagte Musikvideo, eine Kopie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in verschiedenen Sprachen, die Top 100 Bücher aus dem Projekt Gutenberg und die Datenbank des Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt, gespeichert werden. Das Ganze erinnert mich ein bisschen an die Voyager Golden Records, die goldene Schallplatte, die 1977 ins All geschossen wurde. Vielleicht wollte Microsoft ja etwas Ähnliches gestalten, was jedoch langlebiger ist.

We could store the entire accessible internet in a shoebox. What’s really exciting here is that all this progress being made in DNA storage, I think is showing a very concrete example of using nature to build better computer systems and showing it’s becoming more and more real is exciting to me. Luis Henrique Ceze, University of Washington

Um die Daten umgekehrt wieder in ihre ursprüngliche Form zu übersetzen, benutzt ein Forscherteam den gleichen DNA- Sequenzierungsprozess, wie er auch bei Pflanzen oder Tieren angewandt wird. Das Projekt nennt sich übrigens „Project Palix“ und ist für mich momentan eines der spannendsten Konzepte.

Quelle: theverge