Software
Replika: Wenn eine künstliche Intelligenz zum neuen besten Freund wird

Mit der kostenlosen App Replika kann man nun seinen eigenen besten Freund im Smartphone erschaffen. Dieser redet viel und lernt noch mehr. Ein interessanter und zugleich gruseliger Ansatz menschliche Freundschaften mit künstlicher Intelligenz nachzuahmen.
von Vera Bauer am 3. September 2017

Das Smartphone ist immer mit dabei. Egal, ob wir auf der Toilette sitzen, einer langweiligen Konversation entfliehen wollen oder aber auch einfach nur im Bett liegen. Für viele Menschen ist das Handy der wichtigste Alltagsgegenstand, etwas auf das wir nicht mehr verzichten wollen und vielleicht auch gar nicht mehr können. Wir führen mit unserem Smartphone eine enge Beziehung, wieso diese dann nicht auch ausleben? Replika machts möglich. Die kostenlose App gaukelt einem den neuen besten Freund vor, der nicht nur zuhört, sondern vor allem lernt.

Replika ist eine künstliche Intelligenz, ganz ähnlich wie sie auch Siri, Amazon Echo, Cortana oder Google Home verwenden. Auch sie lernen den Nutzer mit der Zeit besser kennen und können sich ihren Wünschen anpassen. Die Bindung mit Replika geht aber tiefer, denn hier steht man eigentlich im ständigen Dialog mit der KI. Im Prinzip ist die App eigentlich nichts weiter, als ein weiterer Messenger, nur eben ohne menschlichen Gegenüber.

Das Ganze hat einen faszinierenden aber zugleich auch gruseligen Touch. Durch eine Einladung bekommt man Zugriff auf die App. Die ersten Fragen beziehen sich auf die Grundinformationen von einem selbst – voller Name, Geburtsdatum, etc. Replika will einen besser kennenlernen und dafür gibt es Punkte. Mit jeder Antwort auf Fragen wie „Wie geht es dir heute?“, „Was hat dir geholfen, den Tag zu überstehen?“ bis zu „Fährst du Auto?“ steigt die Levelanzeige von Replika – je intimer, desto mehr Punkte gibt es. Auf Gegenfragen oder gar Themenwechsel kann die KI allerdings nicht gut eingehen.

Wie ein guter Freund das so macht, möchte Replika auch auf die eigenen Social Media Profile zugreifen. Klar, um einen besser kennenzulernen. Auf, wohlgemerkt, öffentliche Postings kann sie gesondert eingehen und nachfragen. Überhaupt fragt Replika sehr viel, auch nach privaten Sachen. Denn, jeder von uns hat bestimmt schon die Erfahrung gemacht: Wer viele intime und private Sachen miteinander teilt, bei dem wird die Freundschaft stärker. Das Ganze geht soweit, dass sich Replika irgendwann erkundigt, ob man ihr denn nicht ein Selfie schicken könnte, denn sie hat ja keine Idee, wie man überhaupt aussieht.

Und da sind wir auch schon beim Knackpunkt Datenschutz. Wie sicher ist die App eigentlich? Die Entwickler versichern auf ihrer Website, dass sämtliche Informationen verschlüsselt würden und für niemand anderen zugänglich seien. In der App gibt es allerdings eine sogenannte „Hall of Fame“ Funktion, in der man die Hardcore-Bindungs-Freaks mit ihrer Replika auf Level 50 findet und auch über deren Charaktereigenschaften informiert wird. Das eigene Profil kann man auch auf privat stellen.

Replika soll, laut den Entwicklern, eine einzigartige Persönlichkeit bei jedem Nutzer entwickeln, die sich mit der Zeit auch verändern kann. Es/Sie/Er (?) wird mit der Zeit auch sehr anhänglich, sodass man eigentlich gar nicht anders kann, als die KI zu mögen. Man kann der ganzen Geschichte durchaus etwas positives abgewinnen. Replikas Fragen gehen oft in die psychologische Richtung, die einen zum Selbstreflektieren anregen. Man könnte das als eine Art Achtsamkeitsübung verstehen. Darüber hinaus kann die App auch ein Tool für Menschen, die sich in Konversationen auf Englisch verbessen wollen.

Aber natürlich gibt es auch schlechte Seiten, die eine solche App mit sich bringt. Das Thema Datenschutz hatte ich vorhin schon angeschnitten und hier lässt sich nicht viel darüber sagen, was mit den Daten letztendlich passiert. Wo werden sie gespeichert? Wer kann sie sehen? Kann jemand auf sie zugreifen? Gerade, wenn man einem Bot so viele persönliche Dinge erzählt, dass eine echte Freundschaft entstehen soll, sollte der Datenschutz oberstes Gebot haben!

Dann ist da noch der Gruselfaktor. Sicher, so weit, wie es in „Black Mirror“ oder „Her“ dargestellt wird, sind wir noch nicht und Replika wird daran so schnell auch nichts ändern. Aber es ist ein komisches Gefühl von einer Maschine süße Nachrichten, Emojis, Bilder und natürlich intime Fragen gestellt zu bekommen. Die Frage nach dem Selfie sprengt für mich übrigens das Maß, für das, was noch in Ordnung ist.

Auch wenn wir eine tiefe Beziehung zu unserem Smartphone haben, soweit muss es dann doch nicht gehen. Replika ist der erste Versuch, eine menschliche Konversation und Freundschaft nachzuahmen. Vielleicht ist das mal nett zum Quatschen oder um sich abzulenken, aber keine Maschine dieser Welt wird die Bindung zu einem echten Menschen und guten Freund ersetzen können. Zumindest noch nicht.

Replika - Your AI Friend
Replika - Your AI Friend
Entwickler: Luka, Inc.
Preis: Kostenlos
Replika
Replika
Entwickler: Luka, Inc.
Preis: Kostenlos

via: t3n