Respekt, Tim Cook.

Tim Cook hat sich in einer E-Mail an seine Mitarbeiter mit deutlichen Worten gegen die rassistischen Übergriffe in Charlottesville positioniert und die Reaktion des US-Präsidenten Donald Trump kritisiert.

Man kann von Apple im Allgemeinen und Tim Cook im Besonderen halten, was man will – wir selbst kritisieren das Unternehmen und den gelegentlich steif und spröde wirkenden CEO ja oft genug. Die einen fühlen sich bei jedem seiner Auftritte einfach nur schmerzlich an den viel zu frühen Tod von Steve Jobs erinnert, die anderen loben – oder kritisieren – sein unternehmerisches Handeln. Kurzum, an dem Mann scheiden sich die Geister – was wiederum, in Zeiten gesichts- und meinungsloser Manager gar nicht so übel ist.

In einer dem Magazin Recode zugespielten Mail hat Tim Cook einen deutlichen Appell an seine Mitarbeiter gerichtet und dabei in ungewöhnlich scharfer Form Stellung bezogen. Cook positioniert sich und das Unternehmen nicht nur klar und deutlich gegen Rassismus, sondern auch gegen die heftig kritisierte Reaktion des US-Präsidenten.

„Ich widerspreche dem Präsidenten und anderen, die glauben, dass es eine moralische Entsprechung gibt zwischen weißen Rassisten und Nazis und denjenigen, die diesen entgegentreten, in dem sie aufstehen für die Rechte der Menschen. Beides gleichzusetzen läuft unseren Idealen als Amerikaner zuwider.“ Tim Cook, CEO Apple

Und damit kommen wir zum Punkt. Tim Cook ist der CEO des wertvollsten Unternehmens der Welt und steht damit nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch unter besonderer Beobachtung. Seine Äußerungen und Entscheidungen beeinflussen das Leben von zigtausend Arbeitnehmern in vielen Ländern – effektiv und unmittelbar vermutlich mehr, als die von vielen einflussreicheren Politikern. Letztendlich repräsentiert er mit Apple eine der US-amerikanischen Marken schlechthin und gilt nicht nur an der Börse, sondern auch gesellschaftlich als wichtiger Indikator für ein gesellschaftliches Stimmungsbild.

„Was in Charlottesville geschehen ist, hat keinen Platz in unserem Land. Hass ist ein Krebs, und ihn nicht zu kontrollieren zerstört alles auf seinem Weg. Seine Narben überdauern Generationen. Die Geschichte hat uns das gelehrt immer und immer wieder, sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in anderen Ländern rund um die Welt.“ Tim Cook, CEO Apple

Man muss es einem Mann in seiner Position und der daraus resultierenden Verantwortung einfach hoch anrechnen, wenn er sich derart konsequent gegen Hass, Rassismus und Gewalt positioniert. Kritiker mögen anmerken, dass Cook nur auf Beifall aus ist und eben das allgemeine Stimmungsbild des überwiegenden Teils der Apple-Klientel bedient, doch das ist bestenfalls viel zu kurz gedacht. Es hat schließlich einen Grund, warum sich rund um den Globus nur wenige Geschäftsführer in einer vergleichbaren Position politisch oder gesellschaftlich zu Wort melden: in der Regel möchten die Damen und Herren in den Vorstandsetagen möglichen Konflikten mit der einen oder der anderen “Seite” aus dem Weg gehen.

Selbstverständlich darf man weiterhin bemängeln, dass Apple in vielen anderen Bereichen die eigene gesellschaftliche Verantwortung weitaus “lockerer” sieht. In den vergangenen Jahren wurde beispielsweise immer wieder kritisiert, dass man in Cupertino die internationalen Steuergesetze bis ans Maximum ausreizt oder sogar überschreitet und auch in puncto Arbeitsbedingungen bei den Zulieferfirmen sind längst nicht alle offenen Fragen geklärt. Umso wichtiger erscheint eine solche Nachricht von Tim Cook im Kontext, denn letztendlich legt Apple damit – auch zwischen den Zeilen – die Latte für das eigene Handeln ein Stück höher.

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Hier die Mail im Original

Team,

Like so many of you, equality is at the core of my beliefs and values. The events of the past several days have been deeply troubling for me, and I’ve heard from many people at Apple who are saddened, outraged or confused.

What occurred in Charlottesville has no place in our country. Hate is a cancer, and left unchecked it destroys everything in its path. Its scars last generations. History has taught us this time and time again, both in the United States and countries around the world.

We must not witness or permit such hate and bigotry in our country, and we must be unequivocal about it. This is not about the left or the right, conservative or liberal. It is about human decency and morality. I disagree with the president and others who believe that there is a moral equivalence between white supremacists and Nazis, and those who oppose them by standing up for human rights. Equating the two runs counter to our ideals as Americans.

Regardless of your political views, we must all stand together on this one point — that we are all equal. As a company, through our actions, our products and our voice, we will always work to ensure that everyone is treated equally and with respect.

I believe Apple has led by example, and we’re going to keep doing that. We have always welcomed people from every walk of life to our stores around the world and showed them that Apple is inclusive of everyone. We empower people to share their views and express themselves through our products.

In the wake of the tragic and repulsive events in Charlottesville, we are stepping up to help organizations who work to rid our country of hate. Apple will be making contributions of $1 million each to the Southern Poverty Law Center and the Anti-Defamation League. We will also match two-for-one our employees’ donations to these and several other human rights groups, between now and September 30.

In the coming days, iTunes will offer users an easy way to join us in directly supporting the work of the SPLC.

Dr. Martin Luther King said, “Our lives begin to end the day we become silent about the things that matter.” So, we will continue to speak up. These have been dark days, but I remain as optimistic as ever that the future is bright. Apple can and will play an important role in bringing about positive change.

Best,
Tim

via faz.net, Bild flickr.com, CC BY-SA 2.0