Russische Kartellbehörde verurteilt Apple wegen illegaler Preisvorgaben

Die russische Kartellbehörde verurteilt Apple wegen unerlaubter Preisabsprachen. Apple soll insgesamt sechzehn Handelsunternehmen und Telcos angewiesen haben, den selben Preis für das iPhone 6S und iPhone 6S Plus zu verlangen.

Die russische Kartellbehörde hat Apple wegen illegaler Preisvorgaben verurteilt. Das Unternehmen soll in Absprache mit mehreren russischen Handelsunternehmen die Preise für die iPhone-Serie mehr oder weniger diktiert haben. Ein freier Handel, in dem Verbraucher von konkurrierenden Angeboten profitieren soll so verhindert worden sein. Über die tatsächliche Höhe der Strafe soll in den kommenden zehn Tagen entschieden werden.

Das Kartellamt in Moskau hatte bereits seit August 2016 gegen die russische Vertriebsniederlassung “Apple Rus” sowie gegen mehrere internationale Töchter des US-Konzerns ermittelt.

Im konkreten Fall geht es um das iPhone 6S und das etwas größere iPhone 6S Plus. Die aktuellen Spitzenmodelle iPhone 7 und iPhone 7 Plus waren offenbar nicht Gegenstand der Ermittlungen, allerdings habe es Parallelen bei früheren Modellen gegeben. Die Kartellwächter hatten Verdacht geschöpft, weil die beiden Smartphones bei insgesamt sechzehn russischen Handelsunternehmen und Telekommunikationsanbietern zum gleichen Preis angeboten wurden. Ein Wettbewerb fand damit de facto nicht statt.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Händler gerade zum Beginn einer Verkaufsphase strikt an die sogenannte “Unverbindliche Preisempfehlung” des Herstellers halten, wenn das angebotene Produkt besonders stark nachgefragt wird. Allerdings ist es mehr als auffällig, wenn kein einziger Anbieter von dieser UVP abweicht und so versucht, den Konkurrenten ein Schnippchen zu schlagen. Kartellrechtsverfahren dieser Art beinhalten normalerweise Zeugenvernehmungen und die Einsicht in Geschäftsunterlagen, in denen man eventuell Hinweise auf illegale Preisabsprachen oder -vorgaben finden könnte. Ob und in welchem Umfang das in Russland geschehen ist bleibt allerdings im aktuellen Verfahren unerwähnt.

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Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax und des dort zitierten stellvertretenden Behördenleiters Andrej Zarikowski könne Apple das Urteil der Kartellwächter gerichtlich anfechten. Verzichtet Apple auf diesen Schritt, ist das Urteil rechtskräftig und die Strafe muss entrichtet werden.

Hierzulande ermittelte das Bundeskartellamt unlängst gegen Apple, weil Hörbücher von Audible ausschliesslich via iTunes angeboten wurden. Auf Druck der Ermittler und der ebenfalls zuständigen EU-Kommission mussten Apple und Audible entsprechende Klauseln aus ihren Verträgen streichen, das Verfahren wurde daraufhin eingestellt.

Quelle: handelsblatt.com