Schlepperkönig: Spiel mit dem Tod von tausenden Flüchtlingen

Die Ankündigung eines neuen Browsergames sorgt mit provokativen Slogans für Aufregung. “Schlepperkönig” soll im kommenden Jahr erscheinen und wird von den bisher anonymen Seitenbetreibern bereits bei Facebook beworben. Die Macher – sollte es sie tatsächlich geben – bewerben das Spiel mit Sätzen, die angesichts der tatsächlichen Situation im Mittelmeer jedem normal denkenden Menschen die Zornesröte ins Gesicht treiben.

Glaubt man der Beschreibung, dann soll Schlepperkönig ein “epischer Crime Simulator mit Fluchtgefahr!” sein. Die Aufgabe des Spielers ist es, Flüchtlinge nach Europa zu bringen und dabei “fett abzukassieren”.

“Du willst tonnenweise Flüchtlinge transportieren und fett abkassieren? Freu dich auf Schlepperkönig – das Game. Vor welcher Insel lädst du lieber ab: Lampedusa oder Lesbos?”

Ein paar durchaus professionell wirkende Screenshots, ein mit Ohringen, Zigarre und zurückgekämmten Haaren finster dreinblickender Charakter und ein kurzes Video – viel mehr gibt es in puncto Bild- und Film-Material noch nicht zu sehen. Auf dem weißen Schriftzug des Titels befinden sich passenderweise ein paar Blutspritzer, von “Naivität” kann also keine Rede sein. Obwohl es sich um ein Browsergame handeln soll, sind auf dem Header-Bild die Logos des Apple App Store und des Google Play Store zu sehen.

Gegenüber derstandard.at stellen sich die Betreiber der Facebook-Seite als “eine Gruppe von freien Spiel Entwicklern, die hier auf Facebook den Markt für solch ein Risiko Spiel austesten will.” Das bisherige Feedback sehe man trotz der Anfeindungen positiv und als Bestätigung.

Bei dem angekündigten Game scheint es sich um eine Wirtschaftssimulation zu handeln, in deren Verlauf der Spieler ein möglichst erfolgreicher Schlepper werden soll. Dazu stehen im mehrere Boote und Schiffe zur Verfügung, das von den Flüchtlingen erpresste Geld kann hier wohl reinvestiert werden. Ein Containerschiff zum Flüchtlingstransport bietet demnach Platz für 5.212 Flüchtlinge, 10.000 Liter Wasser und 304 Schwimmwesten.

“Wie man an den Kommentaren sieht, wollen das Menschen spielen. Genau wie bei Shooter Games sehen wir es als gesünder an, diese menschlichen Bedürfnisse digital auszuleben. Aufgrund der Anfeindungen müssen wir uns schützen und bleiben deshalb anonym.“

Bis auf weiteres ist völlig unklar, ob es sich bei Schlepperkönig um ein echtes Vorhaben, einen schlechten Scherz, einen Hoax oder z.B. die (ziemlich missglückte) virale Kampagne einer Flüchtlingsorganisation handeln könnte.

Allein 2016 sind im Mittelmeer so viele Flüchtlinge gestorben wie nie zuvor, die Uno schätzte die Zahl der Toten im Oktober 2016 auf 3800. Im Jahr zuvor kamen nach Schätzungen mindestens 3771 Männer, Frauen und Kinder in den Gewässern vor Italien und Griechenland ums Leben. In die Netzhaut vieler Menschen hat sich wohl das Bild des kleinen Alan Kurdi eingebrannt, der ertrunken am Strand in der Nähe Bodrums angespült wurde – nur einige hundert Meter von seiner ebenfalls ertrunkenen Mutter und seinem ebenfalls ertrunkenen Bruder entfernt.

Wenn ihr heute Abend noch kotzen wollt, dann lest euch die Kommentare unter den bisherigen Facebook-Beiträgen durch. Während sich viele Benutzer entsetzt zeigen und sich darüber wundern, dass dieses menschenverachtende Game tatsächlich auf facebook beworben darf, finden viele User das offenbar total witzig.