Bildungstechnologie
“Shelly” lehrt Kindern den richtigen Umgang mit Robotern

Ingenieure der Nationaluniversität Seoul und der Naver Labs haben die Roboterschildkröte „Shelly“ entwickelt, die Kinder für den Umgang mit Robotern schulen soll. Sie kann durch emotionales Feedback vermitteln, wie es ihr gerade geht und ob die Kinder sie behutsam behandelt haben.
von Vera Bauer am 22. April 2018

Kinder sind manchmal ziemlich gemein. Der respektvolle Umgang mit Gleichaltrigen und anderen Mitmenschen will gelernt sein. Da wir uns in Zukunft auch immer mehr mit Robotern in unserer Umgebung arrangieren müssen, sollen Kinder den Umgang mit ihnen frühzeitig lernen. Zu diesem Zweck haben Ingenieure der Nationaluniversität Seoul und der Naver Labs die Roboterschildkröte „Shelly“ entwickelt.

Der Bot ist in der Lage, emotionales Feedback zu geben, basierend darauf, wie er von den Kindern behandelt wird. Der Panzer der Schildkröte verfügt über LEDs und Sensoren, die Berührungen feststellen können. Wird „Shelly“ sanft gestreichelt, leuchtet ihr Panzer bunt auf und sie wackelt mit dem Kopf sowie ihren Gliedmaßen.

Auf Schläge, Tritte oder unsanfte Berührungen hingegen reagiert Shelly ängstlich: Sie leuchtet etwa 14 Sekunden lang nicht mehr und zieht den Kopf ein. Diese Reaktion soll den Kindern vermitteln, dass sie auch mit Robotern respektvoll und behutsam umgehen müssen. Insgesamt kann die Schildkröte drei emotionale Zustände zeigen: Glücklich, sauer und verängstigt.

Die Zeitangabe von 14 Sekunden überrascht. Ich musste zweimal nachschauen, ob ich mich nicht verlesen habe. Vor dem Hintergrund der angestellten Forschungen macht sie jedoch Sinn. Denn die Entwickler führten verschiedene Tests durch: Eine Deaktivierungsdauer von 7 Sekunden war zu kurz, da die Kinder so keine Konsequenzen für ihr Verhalten spürten. Die Dauer von 28 Sekunden entpuppte sich als zu lang, sodass die Kleinen das Interesse an dem Spielzeug verloren.

“When Shelly stops its interaction due to a child’s abusive behavior, the others in the group who wanted to keep playing with Shelly often complained about it, eventually restraining each other’s abusive behavior.” Jason J. Choi, Naver Labs

Shelly ist so groß, dass fünf bis sieben Kinder gleichzeitig mit ihr interagieren können. Dieses Merkmal war wichtig, denn wie sich bei der Forschung herausstellte, besänftigen sich Kinder in Gruppen gegenseitig, wenn es um unangemessenes Verhalten geht. Diesen Lerneffekt wollten die Entwickler mit Shelly erreichen.

Ich finde das Projekt ziemlich spannend, da ich denke, dass Kindern nicht nur der respektvolle Umgang mit Robotern beigebracht wird, sondern auch miteinander. Da Shelly aus einem Labor in Seoul kommt, ist nicht klar, ob sie jemals kommerziell vertrieben werden soll. Ich würde es schade finden, wenn Shelly die Marktreife nicht erreicht, denn den Einsatz im Klassenzimmer oder Kindergarten könnte ich mir gut vorstellen.

via: spectrum