Siri, Cortana, Alexa – Talk Dirty To Me!

Eine wachsende Zahl von Benutzern scheint Bots wie die digitalen Sprachassistenten Siri, Cortana oder Alexa für sexuelle Gespräche zu benutzen. Einige Anwender leben dabei ihre sexuellen Phantasien aus, andere suchen eine Alternative für eine echte Beziehung. Die Vermenschlichung der Systeme ist z.T. gewollt, führt aber auch zu Problemen.

Einsame Männer und gelangweilte Teenager nutzen virtuelle Sprachassistenten wie Siri, Cortana, Alexa oder Google Now/Assistant immer häufiger für Unterhaltungen mit sexuellem Inhalt. Experten von Robin Labs gaben an, dass einzelne Benutzer täglich bis zu 300 (!) Gespräche mit dem virtuellen Assistenten führen und dabei offenbar auf der Suche nach einer Beziehung – oder nach dem Ersatz für eine echte Beziehung – seien.

Normalerweise sollen die virtuellen Assistenten über ihre Spracherkennungs-Algorithmen und die Sprachausgabe den Arbeitsalltag erleichtern. Nach einer gewissen Trainingsphase können sowohl Siri als auch Cortana, Alexa und Google Now recht zuverlässig Termine verwalten, Apps öffnen, oder allgemeine und detaillierte Fragen beantworten in allen möglichen Wissensgebieten beantworten. Einige haben noch Problemchen mit der deutschen Sprache, doch auch hier sind die Fortschritte gewaltig.

Bei “Robin” handelt es sich um einen digitalen Assistenten, der auf digitale Routenplanungen und andere logistische Abläufe spezialisiert ist und dementsprechend besonders häufig von Fernfahrern benutzt wird. “Truckern” sagt man – zu recht oder zu unrecht – nicht zuletzt wegen der eigens für die Berufsgruppe befüllten Raststättenregale eine gewisse sexuelle Experimentierfreudigkeit nach, mit der wohl die Abwesenheit von Heimatort kompensiert werden soll. Das mag nur eingeschränkt auf andere Männer übertragbar sein, doch im Vordergrund der Erkenntnisse stehen hier die unbestrittenen Faktoren Einsamkeit und Langeweile.

Glaubt man dem CEO von Robin Labs, Ilya Eckstein, dann fallen mittlerweile mindestens 5% aller Interaktionen mit dem digitalen Sprachassistenten in die Kategorie “Sexueller Inhalt”. Die Dunkelziffer soll wesentlich höher sein, da es in vielen Fällen an einer korrekten Kategorisierung scheitert. Das liegt u.a. auch daran, dass die Intention für solche Gespräche völlig unterschiedlich sein kann.

Einige Benutzer wollen lediglich die Reaktion der Bots auf anzügliche Fragen testen und geben nach der ein oder anderen ausweichenden Antwort auf. Teenager scheinen sich gerne einen Spaß daraus zu machen, die Limits der Sprachassistenten auszutricksen. Andere wiederum “missbrauchen” die digitale Sprachassistentin im wörtlichen Sinne und richten ganz geziehlt aggressive, erniedrigende und gewalttätige Anfragen und Befehle an die “Künstliche Intelligenz”.

Für Eckstein sind besonders die Benutzer auffällig, die offenbar eine Beziehung zu dem Bot aufbauen und dabei viel Zeit und Mühe investieren. Es gebe Anwender, die nacheinander mehrere Assistentinnen ausprobieren und ständig auf der Suche nach derjenigen seien, die sie am besten “verstehe”.

Diese Vermenschlichung der digitalen Assistenten stellt die Entwickler und Betreiber momentan vor große Herausforderungen. Auf der einen Seite ist eine gewisse Nähe zwischen dem Benutzer und der Technologie durchaus gewünscht, zumal die Interaktion im besten Fall möglichst intuitiv und natürlich ablaufen soll. Auf der anderen Seite wachsen damit die Herausforderungen in ethischen, moralischen und gesellschaftlichen Fragen. Die Diskussionen gehen mittlerweile so weit, dass man eine geschlechterspezifische Rollenverteilung der Assistenten unbedingt vermeiden möchte und darüber nachdenkt, welchen Einfluß eine zu angenehme – und damit auf einige Menschen offenbar erotische oder unterwürfig wirkende – weibliche Stimme haben könnte.

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Andererseits könnten die momentanen Beobachtungen auch eher eine Aufforderung sein, etwas an den Ursachen und nicht an den Symptomen zu ändern. Wenn Menschen eine digitale Beziehung als Option oder sogar als erwägenswerte Alternative zu echten zwischenmenschlichen Beziehungen in Betracht ziehen, lässt das auch Rückschlüsse auf die Gesellschaft, das Arbeitsleben u.a. Dinge zu.

via gz.com