“Smart Meter” sind strunzdumm und messen oft fehlerhaft

Sogenannte "Smart Meter" sollen in den nächsten 15 Jahren flächendeckend in Deutschland eingeführt werden und dann helfen, den Stromverbrauch und Stromlastspitzen zu verringern. Doch die Geräte messen oftmals falsch, die Richtlinien der EU sind völlig veraltet. Darauf weist eine Studie aus den Niederlanden hin.

Bis 2032 sollen digitale Stromzähler – sogenannte “Smart Meter” – flächendeckend in Deutschland eingeführt sein, bereits in diesem Jahr werden die ersten Zähler bei den Verbrauchern umgerüstet. Die Marketing-Kampagnen der Netzversorger und Dienstleister laufen bereits auf Hochtouren. Doch eine Studie aus den Niederlanden zeigt, dass die vermeintlich intelligenten Messgeräte oftmals völlig überfordert sind, obwohl sie den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Die niederländische Universität Twente hat in Kooperation mit der Amsterdam University of Applied Sciences insgesamt neun Smart Meter getestet, fünf davon lieferten völlig falsche Ergebnisse.

Einige Zähler ermittelten einen um bis zu 582% zu hohen Energiebedarf, was zu erheblichen Mehrkosten beim Verbraucher führt. Andere “Smart Meter” ermittelten einen um 46% niedrigeren Verbrauch, womit der Verbraucher also im Vorteil gewesen und viel zu wenig bezahlt hätten.

582% Mehrverbrauch – der Besitzer zahlt

Die niederländischen Wissenschaftler stellten fest, dass vor allem die europaweit eingeführten Energiesparlampen und LED-Lampen die Smart Meter verwirrten, sobald deren tatsächliche Helligkeit mit einem Dimmer verändert wurde. Während Messgeräte mit sogenannten Rogowskispulen auf deutlich höhere Werte kamen, sollen Messgeräte mit sogenannten Hall-Sensoren deutlich niedrigere Werte als tatsächlich verursacht gemessen haben.

Smart Meter stehen bereits seit geraumer Zeit in der Kritik, Datenschützer haben schon sehr früh Bedenken gegen die Technologie bzw. gegen deren mangelnde Absicherung angemeldet. Auf der anderen Seite sehen Befürworter der Technologie ein enormes Potential im Bereich sogenannter “Smart Grids”. “Smart Meter” könnten z.B. dabei helfen, Millionen von intelligenten Kühlschränken, Gefriertruhen oder Klimaanlagen zu steuern, um Spitzenlasten in zukünftigen Stromnetzen auszugleichen. Dies wäre im Zuge der Umstellung auf Sonnen- und Windenergie elementar.

Die niederländischen Forscher betonen, dass die verschiedenen getesteten Konfigurationen möglichst genau den Betrieb in einem normalen Haushalt abbilden sollten. Bei unseren holländischen Nachbarn sind bereits 750.000 Haushalte mit Smart Metern ausgestattet, die oftmals aus früheren Baujahren stammen.

Mittlerweile haben erste Hersteller darauf hingewiesen, dass die produzierten Smart Meter die zugrundeliegenden EU-Vorgaben einhalten würden. Die Messfehler basierten angeblich auf “extremen elektromagnetischen Phänomenen, die nicht den realen Nutzungsbedingungen entsprechen, die mit CE-zertifizierten Haushaltsgeräten erreicht werden”, ließ z.B. Landis+Gyr wissen. Die niederländischen Wissenschaftler halten die EU-Richtlinien für Smart Meter für veraltet und tückisch, da Verbrauchern damit das Recht zur Reklamation von nachgewisenen Messfehlern genommen werde.

via heise.de