SpaceX: Elon Musk will eine Million Menschen auf den Mars bringen

Elon Musk hat in Mexiko seine Pläne erläutert, wie er mit SpaceX den Mars besiedeln möchte. 2025 soll es mit 100 Menschen losgehen, in 40-100 Jahren sollen eine Million Menschen auf dem Mars wohnen und sich selbst versorgen können. 
von Carsten Drees am 28. September 2016

Der Weltraum – unendliche Weiten! Das gilt zumindest nicht für den Mars, denn dieser der Erde am nächsten gelegene Planet ist alles andere als unerreichbar. Das wissen wir nicht erst, seit der Mars-Rover dort seine Runden dreht – schon in den Siebzigern schickten die USA Sonden auf den roten Planeten.

Langsam wird es aber ernst, was das Bestreben angeht, Menschen dorthin zu bringen. Hierbei zeigt sich vor allem das von Elon Musk gegründete Unternehmen SpaceX sehr ambitioniert. Wir wissen schon sehr lange, dass SpaceX Marsflüge auf der Agenda hat und auf dem Internationalen Astronauten-Kongress im mexikanischen Guadalajara hat Elon Musk dort die Pläne des Unternehmens präzisiert.

Die Menschheit sollte eine multiplanetare Spezies werden. Elon Musk, SpaceX

Dabei hat er sich sowohl bereits ziemlich präzise zu den Raumschiffen und der Technologie geäußert, die die Menschen auf den Mars bringen sollen, nannte auch das geplante Zeitfenster und die Vision des Unternehmens. Er möchte eben nicht nur eine kleine Station mit einer Handvoll Menschen auf dem Planeten sehen, sondern den Mars mit einer Kolonie aus mittelfristig einer Million Menschen besiedeln.

Der Gedanke dahinter: Die Menschheit soll eine „multiplanetare“ Spezies werden, die losgelöst vom Planeten Erde existieren kann und seine SpaceX-Pläne sehen vor, dass in 40-100 Jahren eine Million Menschen dort nicht nur leben, sondern sich auch selbst versorgen kann.

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Interplanetary Transport System

Die einen werden sagen, dass Elon Musk ein Visionär ist, andere werden ihn – gerade angesichts der jüngsten Rückschläge mit explodierten Raketen – vielleicht eher für einen Träumer halten. Fakt ist, dass er sich mit seinem Team sehr umfassende Gedanken gemacht hat zu den Schritten, die notwendig sind, um aus einer an die Erde gefesselte Menschheit ein multiplanetares Volk zu machen.

Schon in zwei Jahren soll es losgehen, wenn sich nämlich unbemannte Dragon-Raumtransporter auf den Weg zum roten Planeten machen. Das Zeitfenster der Amerikaner sieht vor, dass in spätestens zehn Jahren – geplant ist 2024 – erstmals Menschen unterwegs zum Mars sein werden und unseren Nachbar-Planeten dann 2025 erreichen. Ein sehr optimistisches Ziel, die NASA rechnet selbst erst in 20 Jahren damit, Menschen dorthin bringen zu können.

Nehmt euch einmal einen Snack zur Hand und schaut euch in etwas mehr als vier Minuten an, wie sich SpaceX das vorstellt:

Der erste Ansatz, um nicht nur ein Häuflein Menschen auf den Planeten zu bringen, sondern wirklich ernsthaft mit der Kolonisierung zu beginnen, führt zur Frage des Preises. Bei seinem Vortrag in Mexiko brachte Musk dazu das Beispiel einer normalen Boeing 737: Kann dieses Flugzeug mit 180 Passagieren nur ein einziges Mal fliegen, würde das jeden Fluggast 500 000 Dollar kosten. Bei einem Flugzeug, welches aber immer wieder die Reise antreten kann, zahlen Passagiere nun lediglich 43 Dollar für einen Flug von Los Angeles nach Las Vegas.

Ähnlich – wenn auch mit anderen Summen – sieht das bei einem Marsflug aus: Aktuell wird so ein Flug pro Person mit 10 Milliarden Dollar beziffert. Ein theoretischer Wert zwar nur, aber einer, der aufzeigt, wo angesetzt werden muss: Es müssen wiederverwendbare Raketen her und SpaceX plant, diese so zu bauen, dass 100 Passagiere Platz finden an Bord. Durch die Wiederverwendbarkeit der Raumschiffe und der Größe würde man die Kosten auf 100 000 bis 200 000 Dollar senken können.

Das ist immer noch eine Menge Holz, dürfte die Zahl derer, die sich das leisten können, dennoch signifikant ansteigen lassen. Mittelfristig will man diese Preis sogar unter 100 000 Dollar drücken können, außerdem die Kapazität der Raketen auf 200 Personen erhöhen. An Bord soll es dann auch Entertainment in Form von Spielen, dem Schauen von Filmen und einem Restaurant geben, um die Zeit des Flugs angenehmer zu gestalten. Je nachdem, wie weit der Mars gerade von der Erde weg ist, können im günstigsten Fall 80 Tage für so einen Flug eingeplant werden – SpaceX will das mittelfristig auf 30 Tage senken können.

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Damit der Traum vom „Interplanetary Transport System“ Realität werden kann, muss SpaceX in der Lage sein, seine Transporter im Orbit zu betanken. Oben im Video konntet ihr sehen, wie sich Musk das vorstellt. Der Booster kehrt zurück zur Erde und landet dort, nachdem die Kapsel im Orbit ist, nimmt neuen Treibstoff auf und startet dann neu, um die Kapsel im Orbit aufzutanken.

Das von SpaceX erst kürzlich in Betrieb genommene Triebwerk Raptor, welches mit drei Meganewton Schub  mehr als drei mal so leistungsstark wie das aktuelle Triebwerk in der Falcon 9-Rakete ist, wird mit flüssigem Methan betrieben – einem Treibstoff, den man auch auf dem Mars gewinnen kann.

40 bis 100 Jahre – diesen Zeitraum nannte Elon Musk, um über eine Million Menschen auf den Mars zu bringen. Die sollen dort in der Lage sein, Pflanzen anzubauen, eine Stadt zu errichten und sich in dieser Zeit dort selbst versorgen zu können. Sie wären damit autark von der Erde und der Grundstein dafür, weiter hinaus ins Weltraum fliegen zu können.

Der Flug zum Mars – in greifbarer Nähe, aber gefährlich

Bevor man aber an andere Planeten denken kann, muss auch ein Elon Musk akzeptieren, dass gerade die ersten Flüge zum Mars reine Höllentrips sein könnten mit einem hohen Risiko für die Passagiere. Und „hohes Risiko“ bedeutet in diesem Fall, dass man sich damit arrangieren muss, dass dieser Flug schlimmstenfalls tödlich ausgeht.

Dieses Risiko ist da und natürlich ungleich größer als auf Passagierflügen hier auf der Erde. Musk machte auch bei seiner Rede auf dem Internationalen Astronauten-Kongress keinen Hehl draus, dass es eine Vielzahl von Gefahren gibt, denen man sich zu stellen hat. Das geht los bei Transportern, die explodieren könnten und endet bei einem erhöhten Krebsrisiko auf dem Mars.

Ein langfristiges Ziel ist es, nach und nach die Atmosphäre des Planeten so zu korrigieren, dass der menschliche Körper sich dort oben wohler fühlt, aber daran ist zunächst einmal nicht zu denken. Wer sich für einen der ersten Flüge entscheidet, muss in Kauf nehmen, dass er diesen Trip nicht überleben könnte.

Dafür hingegen – so stellte Musk klar – ist der Flug keine Einweg-Mission: Wer mag, könne auch gratis wieder zur Erde zurückkehren. 200 000 Dollar für einen Abstecher zum Mars mit anschließender Rückreise sind immer noch kein Pappenstiel, aber ich könnte mir schon denken, dass es viele Menschen reizen dürfte – hoffentlich auch solche Menschen, die das Leben auf dem Mars wirklich vorantreiben können.

Hat die Zukunft jetzt begonnen?

Ich hab es hier auf dem Blog schon so oft erwähnt, dass ich der Meinung bin, in einer hochspannenden Zeit leben zu dürfen. Vermutlich sehe ich das auch ein wenig naiver als Sascha, der auch zurecht darauf hinweist, man könne ja eventuell erst mal den Hunger in der Welt besiegen, bevor man auf den Mars fliegt:

Liebes Silicon Valley, lös doch bitte zuerst die Probleme auf der Erde!

Ich denke, dass wir durchaus – als Gesamtheit der Nationen und Unternehmen – in der Lage sind, gleichzeitig viele verschiedene Probleme anzugehen und bilde mir auch ein, dass auch das Heilen von Krankheiten und das Beseitigen des Welthungers ganz oben auf der Agenda vieler Unternehmen, Institutionen und Länder steht.

Den Schritt zu einem multiplanetaren Volk zähle ich aber auch zu den wichtigen Entwicklungen, die gemacht werden müssen. Wir werden alle schon lange nicht mehr leben, wenn dieser Planet sein reguläres Ende erreicht hat und unter den Hintern von Milliarden Menschen explodiert. Aber wir wissen ja aus der Geschichte des Planeten – fragt mal nach bei den Dinosauriern – das uns selbst ein popeliger Meteoriteneinschlag im wahrsten Sinne des Wortes ordentlich aus der Bahn werfen kann.

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Musk selbst beschäftigt sich sogar schon mit dem, was nach der Mars-Besiedelung folgen könnte und hat auch schon ein Auge auf die Venus und andere Planeten und Monde wie den Jupitermond Europa geworfen. Zukunftsmusik? Ja, selbstverständlich! Aber die Zeiten sind vorbei, in denen wir uns nur mit Chips in der Hand auf der heimischen Couch und dem Science-Fiction-Film im Fernseher mit den unendlichen Weiten des Weltalls auseinandergesetzt haben: Die Mars-Mission ist äußerst real und schon in wenigen Jahren machen sich die ersten SpaceX-Raketen auf den Weg – ich freu mich drauf!

Wer mag und die nötige Zeit – etwa eineinhalb Stunden – hat, kann sich hier noch den kompletten Vortrag des Elon Musk zu Gemüte führen. Die ersten etwa 20 Minuten könnt ihr dabei übrigens getrost auslassen, in denen passiert im Video circa nichts ;)

Quellen und weiterführende Links:

SpaceX

Präsentation der Mars-Pläne als PDF-Datei

t3n

Futurism

Fotos: SpaceX Flickr