Tertill: Roomba-Mitgründer lässt Roboter Unkraut jäten

Joe Jones hat einst den legendären Roomba Staubsauger-Roboter miterfunden. Jetzt will er mit Tertill die Gärten erobern und lässt seinen neuen Roboter Unkraut zupfen. 

Ich glaube, es war Atze Schröder, der mal sagte: „Manchmal schaue ich aus dem Fenster auf den Garten und denke mir: Scheiße, dass Du keinen Garten hast!“ – kann ich sehr gut nachvollziehen, denn ich wohne hier in der Dortmunder Innenstadt – ohne Garten und auch ohne Balkon. Manchmal vermisse ich daher die Zeiten, in denen ich bei meinen Eltern lebte und wir einen großen Garten hatten.

Dort konnte man nicht nur fabelhaft rumlungern und faul in der Sonne liegen, sondern auch jede Menge Zeug anpflanzen. Mein Dad hat diesen Garten echt großartig gehegt und gepflegt und tatsächlich jede Menge Köstlichkeiten ernten können. Wir Kids – mein Bruder und ich – hatten auch jeder eine eigene kleine Ecke, in der wir anpflanzen durften, wonach uns der Sinn stand und diese Gartenarbeit hat echt unheimlich viel Spaß gemacht.

Was hingegen nicht so viel Spaß gemacht hat und da komme ich jetzt endlich mal auf den Punkt: Unkraut jäten! Ständig wucherte zwischen meinen tollen Pflanzen immer dieses Zeug und man verbrachte so manche Stunde damit, das eigene Beet wieder in Form zu zupfen. In Zeiten, in denen auch in vielen deutschen Wohnzimmern Staubsauger-Roboter ihr Tagewerk verrichten und Roboter es auch – zum Rasen mähen – bereits in unsere Gärten geschafft haben, kündigt sich auch für dieses Unkraut-Problem eine Roboter-Lösung an: Tertill heißt der Prototyp und will dafür sorgen, dass ihr möglichst nie wieder selbst von Hand Unkraut bekämpfen müsst.

Hinter Tertill steckt das Start-Up Franklin Robotics und dort steht mit an der Spitze CTO Joe Jones, der im Bereich der Dienst-Roboter alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist: Er steckt immerhin hinter Roomba – jenem Staubsauger-Roboter von iRobot, der bereits seit 2002 angeboten wird und mit über 15 Millionen verkauften Geräten der meistverkaufte seiner Zunft.

Jetzt versuchen sich also gleich mehrere Robotik-Koryphäen um Jones am Garten- bzw. Unkraut-Roboter. Tertill existiert derzeit lediglich als Prototyp bzw. gibt es verschiedene Prototypen. Die erinnern grundsätzlich aber durchaus an Staubsauger-Roboter und sollen ebenso komplett autonom ihre Runden drehen – nur eben im Blumenbeet statt im Wohnzimmer.

Der Roboter kann mithilfe von Sensoren größere Pflanzen umfahren, die kleinen Übeltäter erkennen und dank eines Trimmers werden sie dann auch direkt abgesäbelt. Dazu muss aber erklärt werden, dass der Roboter nicht so pfiffig ist, dass er eigenständig erkennen kann, ob eine zarte Pflanze nun Unkraut ist oder nicht.

Soll heißen: Zieht ihr gerade junge Pflanzen und lasst Tertill übers Beet brettern, dann sind diese Pflanzen genauso weg wie das Unkraut. Aus diesem Grund müsst ihr sie mit Manschetten schützen, die ihr über die Pflanze stülpt, sofern sie kleiner als 2,5 Zentimeter sind. Das ist auch nicht das Einzige, was ihr beachten müsst: Der Roboter muss nämlich auch in die Schranken gewiesen werden, damit er weiß, wo er seine Arbeit zu verrichten hat.

Es ist also notwendig, dass ihr einen Rahmen aus Holz – oder irgendeinem anderen Material – ums Beet zieht, damit der kleine Kollege nicht von dannen zieht und künftig die ganzen Gärten der Nachbarschaft in Mitleidenschaft zieht.

Ihr müsst euch also schon an ein paar Regeln halten, damit euer Garten ohne euer Zutun von Unkraut befreit wird. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass ihr bei euren Pflanzen genügend Abstand lasst, damit der Roboter sie umfahren kann bei der Unkraut-Jagd.

Drei wesentliche Vorteile wirft Franklin Robotics bei seinem Unkraut-Roboter in die Waagschale:

  • Solar betrieben – dank seines Solarpanels muss Tertill nicht aufgeladen werden, ist also quasi stets im Einsatz
  • keine Chemie – Tertill benötigt keine Chemikalien, um das Unkraut zu vernichten, ihr benötigt also keine Pestizide im Garten
  • Wasserdicht – außerdem ist Tertill wasserdicht, trotzt also Wind und Wetter. Auch bei Regen macht er souverän seinen Job, ohne dass es ihm schadet

Sollte die Sonne mal länger nicht mitspielen, könnt ihr den Roboter natürlich auch selbst laden, was mittels USB geschieht. Weitere technische Details zu Tertill werden wir in der nächsten Woche erfahren, denn Franklin Robotics startet am 13. Juni bei Kickstarter und soll dann für etwa 300 US-Dollar (circa 266 Euro) angeboten werden. Die Auslieferung soll noch in diesem Jahr erfolgen, allerdings wohl erst nach der Garten-Saison.

Ich bin gespannt, ob Jones noch einmal einen Markt so revolutionieren kann, wie es ihm seinerzeit mit dem Roomba gelungen ist. Persönlich denke ich, dass dieser Unkraut-Roboter aber eher ein Nischenprodukt ist, verglichen mit Staubsauger-Robotern. Nicht jeder hat einen Garten und nicht jeder Garten-Besitzer wird in Erwägung ziehen, sich dieses Gadget für 300 Dollar an Land zu ziehen. Aber warten wir es ab – für viele Garten-Fans dürfte so ein Teil jedenfalls sicher ein Segen sein. Mehr über Tertill dann in einer Woche, wenn er bei Kickstarter zu haben sein wird.

Quelle: Franklin via Engadget