Scharfe Attacken: Tesla auf Konfrontationskurs mit der NTSB

Tesla legt sich mit der NTSB an, nachdem die Nationale Behörde für Transportsicherheit dem kalifornischen Autobauer Verstösse gegen eine Vereinbarung vorgeworfen und ihn von der Untersuchung eines tödlichen Unfalls ausgeschlossen hatte. Die Behörde interessiere sich mehr für Schlagzeilen als für die Sicherheit und wolle Tesla daran hindern, transparent Fakten zu nennen.

Die US-amerikanische Behörde für Transportsicherheit (NTSB) hat den kalifornischen Autobauer Tesla von den Ermittlungen zu einem tödlichen Unfall mit einem Model X ausgeschlossen. Das Unternehmen ist im aktuellen Verfahren nun nicht mehr eine beteiligte “Partei”. Tesla kontert mit einer scharfen Kritik an der Behörde und sieht sich im Recht.

Wie die Behörde in einer schriftlichen Mitteilung bekanntgab habe man sich zu dem Ausschluss vom Verfahren entschlossen, weil Tesla die zugrundeliegenden Vereinbarungen verletzt habe. Tesla hatte in den vergangenen Tagen mehrmals Informationen veröffentlicht, bevor sie vom NTSB überprüft und bestätigt wurden. Die Behörde bemängelt, dass die Veröffentlichung unvollständiger Informationen oft zu Spekulationen und falschen Annahmen über die wahrscheinliche Ursache eines Unfalls führen, was den Untersuchungsprozess beeinflussen könne.

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Die NTSB bietet Firmen und Organisationen, die im Rahmen einer Untersuchung technische Hilfe leisten können, den Status als “Partei” an. Dieses Verfahren ist nach Angaben der NTSB seit mehreren Jahrzehnten etabliert und wird in vielen Fällen umgesetzt. Auch Tesla wurde dieser Parteistatus angeboten, die Kalifornier akzeptierten. Als “Partei” besitzt man das Privileg, im Rahmen der Untersuchung am Austausch von Informationen mit allen anderen beteiligten Parteien teilzunehmen.

Diese gemeinsame Nutzung stellt sicher, dass ein an einer Untersuchung beteiligtes Unternehmen z.B. unverzüglich Maßnahmen ergreifen kann, wenn es Informationen erhält, die für die Gewährleistung der Sicherheit eines Fahrzeugs erforderlich sind.

„Es ist bedauerlich, dass sich Tesla durch seine Handlungen nicht an das Parteienabkommen gehalten hat. Wir haben beschlossen, Teslas Parteistatus zu widerrufen und informierten Herrn Musk gestern Abend und heute per Brief . Während wir die Nachfrage nach Informationen verstehen, denen sich Parteien während einer NTSB-Untersuchung gegenübersehen, führen unkoordinierte Veröffentlichungen unvollständiger Informationen nicht zur Verkehrssicherheit oder dienen dem öffentlichen Interesse.“  Robert Sumwalt, NTSB

Ein Unternehmen, das als “Partei” an einer Untersuchung beteiligt sei, sei dadurch nicht gehindert, schnelle und wirksame Maßnahmen gegen eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit zu ergreifen, führte Sumwalt weiter aus und ergänzte:

„Wir ermutigen Tesla weiterhin, Maßnahmen zu den Sicherheitsempfehlungen zu ergreifen, die als Ergebnis unserer Untersuchung des Unfalls in Williston, Florida, mitgeteilt wurden.“ Robert Sumwalt, NTSB

Offene Fragen zum „Autopilot: Over-the-Air in den Frontal-Crash?

Die NTSB hatte im Rahmen eines Untersuchungsberichts zum ersten tödlichen Unfall mit einem Model S in Williston festgehalten, dass der “Autopilot” des Unternehmens und seine Funktionsweise eine wesentliche Rolle bei dem Unfall gespielt hätten. Insbesondere stellten die Ermittler fest:

  • Falls automatisierte Fahrzeugsteuerungssysteme [wie der “Autopilot”] ihren eigenen Betrieb nicht automatisch die Bedingungen beschränken, für die sie entworfen wurden und für die sie angemessen sind, bleibt das Risiko eines Missbrauchs durch den Fahrer bestehen.
  • Das Überwachen des Lenkraddrehmoments ist ein schlechter Ersatz zum Bestimmen der Einbindung des Fahrzeugführers in die Fahraufgabe.
  • Die Verwendung des “Autopilot”-Systems durch den Tesla-Fahrer deutet auf eine zu starke Abhängigkeit von der
    Automatisierung und auf ein mangelndes Verständnis der Systemeinschränkungen.
  • Die Art und Weise, wie das Tesla Autopilot-System die Interaktion des Fahrers mit dem Lenkrad überwacht und darauf reagiert war keine effektive Methode, um das Engagement des Fahrers sicherzustellen.

Tesla betont stets, dass man Fahrer mit visuellen und akustischen Signalen dazu auffordere, das Lenkrad anzufassen. Das System will so überprüfen, ob der Fahrer aufmerksam ist. Fachleute bemängeln, dass dies keine effektive Kontrolle sei und die Kombination verschiedener Fahrerassistenzsysteme den Fahrer in einer trügerischen Sicherheit wiege.

Zudem ist unklar, warum sich der “Autopilot” auf Strecken aktivieren lässt, auf denen er nach Teslas eigenen Angaben gar nicht geeignet ist. Tesla warnt, dass insbesondere der Fahrspurassistent nur auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen mit baulich getrennten Fahrbahnen eingesetzt werden sollte. Doch zugleich verbreitet insbesondere Elon Musk gelegentlich Videos, in denen Fahrer den “Autopiloten” unter völlig ungeeigneten bzw. Möglichst widrigen Bedingungen testen.

Man erwarte, so die NTSB weiter, dass Tesla als Hersteller des Model X der Anforderung von Daten nachkomme. Zudem bleibe der Parteienstatus in anderen laufenden Untersuchungen erhalten. Die Behörde untersucht neben dem tödlichen Unfall am 23. März 2018 den Unfall eines Tesla Model X in Lake Forest, Kalifornien am 25. August 2017 und den Unfall eines Tesla Model S in der Nähe von Culver City, Kalifornien am 22. Januar 2018.

Video: Tesla-Fahrer demonstriert das Verhalten des Autopiloten

Scharfe Attacke gegen die NTSB

“Today, Tesla withdrew from the party agreement with the NTSB because it requires that we not release information about Autopilot to the public, a requirement which we believe fundamentally affects public safety negatively. We believe in transparency, so an agreement that prevents public release of information for over a year is unacceptable. Even though we won’t be a formal party, we will continue to provide technical assistance to the NTSB.” Tesla

Tesla war dem Ausschluss durch die NTSB durch eine eigene frühe Mitteilung zuvorgekommen. Man sei, teilte das Unternehmen per Aussendung mit, von der Vereinbarung mit der NTSB “zurückgetreten”. Man halte, so Tesla weiter, das Parteiabkommen für „inakzeptabel“, weil es dem Unternehmen “für mehr als ein Jahr untersage, Informationen zum Fahrassistenten „Autopilot“ zu veröffentlichen”. Dies gefährde die Sicherheit und widerspreche Teslas Verständnis von Transparenz.

Nachdem die NTSB den offiziellen Ausschluss von Tesla verkündete und damit dem Rücktritt Teslas widersprach, legte das Unternehmen mit einem weiteren Statement nach. Man habe sich bereits am Dienstag zu einem Widerruf der Parteienvereinbarung entschieden, um “irreführende” Informationen über den Autopiloten zu korrigieren. Die NTSB beschäftige sich “mehr mit den Schlagzeilen in der Presse als mit der Förderung der Sicherheit” und veröffentliche wiederholt teilweise unvollständige Informationen . Damit verstosse die Behörde gegen ihre eigenen Regeln, während sie gleichzeitig versuche, Tesla davon abzuhalten, alle Fakten zu nennen. Man werde, so Tesla weiter, eine offizielle Beschwerde beim Kongress einreichen und eine Anfrage im Rahmen des Informationsfreiheitsgesetz stellen. Man wolle erfahren, warum sich die NTSB auf die sichersten Autos in Amerika konzentriere, während sie die Autos ignoriere, die am wenigsten sicher seien.

Zudem sei die NTSB nur ein beratendes Gremium und keine Regulierungsbehörde. Die Regulierungsbehörde für die Automobilindustrie in den USA sei die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA), mit der man eine starke und positive Beziehung habe.

Die Erklärung im Wortlaut.

“Last week, in a conversation with the NTSB, we were told that if we made additional statements before their 12-24 month investigative process is complete, we would no longer be a party to the investigation agreement. On Tuesday, we chose to withdraw from the agreement and issued a statement to correct misleading claims that had been made about Autopilot — claims which made it seem as though Autopilot creates safety problems when the opposite is true. In the US, there is one automotive fatality every 86 million miles across all vehicles. For Tesla, there is one fatality, including known pedestrian fatalities, every 320 million miles in vehicles equipped with Autopilot hardware. If you are driving a Tesla equipped with Autopilot hardware, you are 3.7 times less likely to be involved in a fatal accident and this continues to improve.

It’s been clear in our conversations with the NTSB that they’re more concerned with press headlines than actually promoting safety. Among other things, they repeatedly released partial bits of incomplete information to the media in violation of their own rules, at the same time that they were trying to prevent us from telling all the facts. We don’t believe this is right and we will be making an official complaint to Congress. We will also be issuing a Freedom Of Information Act request to understand the reasoning behind their focus on the safest cars in America while they ignore the cars that are the least safe. Perhaps there is a sound rationale for this, but we cannot imagine what that could possibly be.

Something the public may not be aware of is that the NTSB is not a regulatory body, it is an advisory body. The regulatory body for the automotive industry in the US is the National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) with whom we have a strong and positive relationship. After doing a comprehensive study, NHTSA found that even the early version of Tesla Autopilot resulted in 40% fewer crashes. Autopilot has improved substantially since then.

When tested by NHTSA, Model S and Model X each received five stars not only overall but in every sub-category. This was the only time an SUV had ever scored that well. Moreover, of all the cars that NHTSA has ever tested, Model S and Model X scored as the two cars with the lowest probability of injury. There is no company that cares more about safety and the evidence speaks for itself.”

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