8-K: Tesla produziert 9766 Model 3 in drei Monaten [Update]

Eine interne E-Mail von Elon Musk offenbart, dass Tesla die eigenen Produktionsziele für das Model 3 trotz enormer Anstrengungen erneut verfehlt - wenn auch nur knapp. Der CEO des Elektroauto-Bauers macht zudem missverständliche Angaben über die Produktionsmengen, die man bis zum Jahresende erreichen könne. [Update: Die offiziellen Zahlen sind da]

Der sogenannte 8-K Report wurde soeben veröffentlicht und liefert die mit Spannung erwarteten Zahlen zu Teslas Fahrzeugproduktion in den zurückliegenden Monaten. Es handelt sich um eine offizielle Mitteilung an die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchange Commission), erfüllt also die dort geltenden Anforderungen an jedes zur Mitteilung verpflichtete Unternehmen.

Tesla hat im ersten Quartal 2018 insgesamt 34.494 Fahrzeuge produziert, was einer Steigerung von 40% gegenüber dem schwierigen vierten Quartal 2017 entspricht. Bei insgesamt 24.728 Fahrzeugen handelt es sich um die beiden seit längerer Zeit gefertigten Fahrzeuge Model S und Model X. Besonders im Fokus steht jedoch das Model 3, von diesem Fahrzeug wurden in den vergangenen Monaten insgesamt 9.766 Einheiten gefertigt.

Rechnerisch ergäbe das bezogen auf den Zeitraum des Reports eine Produktionsrate von nur 833 Einheiten pro Woche, doch tatsächlich konnte der Output nach Teslas eigenen Angaben besonders in den zurückliegenden Tagen “exponentiell” gesteigert werden. Allein in den vergangenen sieben Tagen habe man 2.020 Einheiten gefertigt. Das Unternehmen und mehrere Verantwortliche hatten die eigenen Mitarbeiter motiviert, “Kritikern” und “Hatern” die Leistungsfähigkeit Teslas zu beweisen (siehe unten).

Man sei, so Tesla, in der Lage gewesen, die wöchentliche Produktionsrate für das Model 3 während des zurückliegenden Quartals verdoppeln. Dazu sei man Engpässe in der Produktion und in der Zuliefererkette schnell angegangen, und habe mehrere kurze “Shutdowns” des Produktionswerks zur Modernisierung der Anlagen durchgeführt.

2018: Keine neuen Schulden, kein neues Eigenkapital

In den kommenden sieben Tagen werde man neben insgesamt 2.000 Model S und Model X auch 2.000 Model 3 fertigen, womit das Unternehmen die ursprünglich in Aussicht gestellte Produktionsmenge von 2.500 Einheiten zumindest im Auge behält. Im Laufe des aktuellen zweiten Quartals gehe man davon aus, dass die Produktion “rapide” gesteigert werden könne, so dass man wie erwartet zum Quartalsende circa 5.000 Einheiten pro Woche fertigen könne.

Ein Resultat dieser Bemühungen sei, dass Tesla im Jahr 2018 abgesehen von den bestehenden Kreditlinien keine Erhöhung des Eigenkapitals oder der Schulden benötige. Vielmehr habe man nun die ideale Kombination aus hohem Produktionsvolumen, guter Bruttomarge und stark positivem operativem Cashflow gefunden.

Auch zu den Verkäufen macht Tesla wie vorgeschrieben detaillierte Angaben, ohne dabei wie in einer “echten” Bilanz auf die dabei erzielten Gewinne einzugehen. Man habe im ersten Quartal insgesamt 29.980 Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert. Darunter befanden sich 11.730 Model S und 10.070 Model X, was insgesamt zu 21.800 ausgelieferten Einheiten führt. Da insgesamt 24.728 Fahrzeuge produziert wurden, ergibt dies einen Überschuss von 2.928 Einheiten bei diesen beiden Modellen. Tesla weist darauf hin, dass die Nachfrage weiterhin “sehr stark” sei und dass sich insgesamt 4.060 weitere (und somit teilweise noch im Lagerbestand vorgehaltene) Fahrzeuge momentan auf dem Weg zum Kunden befinden.

Das Model 3 sei insgesamt 8.180 mal ausgeliefert worden.

Tesla nutzt den 8-K Report für zwei offenbar wichtige Anmerkungen, mit denen man auf anderslautende Berichte in den vergangenen Wochen reagieren will. Zum einen sei, so Tesla, die Qualität der produzierten Model 3 ”auf dem höchsten Niveau” von allen gefertigten Produkten. Dies spiegele sich in der überwältigenden Freude wider, die die Kunden mit ihren Model 3 erleben. Der von tesla errechnete anfängliche Kundenzufriedenheitswert hinsichtlich der Qualität von Modell 3 liege bei über 93%, was der höchste Wert in Teslas Geschichte sei

Zudem, so Tesla weiter, seien die Reservierungen für das Model 3 im ersten Quartal 2018 “stabil” geblieben. Es gebe zwar Stornierungen, diese seien aber “fast ausschließlich auf Produktionsverzögerungen im Allgemeinen und Verzögerungen bei der Verfügbarkeit bestimmter geplanter Optionen zurückzuführen”. Insbesondere der Dual-Motor-Allradantrieb und ein kleinerer Akku seien momentan noch nicht verfügbar. Man weist nochmals darauf hin, dass das Glück der Model 3 Besitzer “extrem hoch” sei.

Elon Musk: Tesla verfehlt Model 3 Produktionsziele knapp

Original-Artikel von ~ 13 Uhr Die offiziellen Zahlen zu Teslas Automobilproduktion werden erst später folgen. [siehe oben] Doch bereits seit gestern steht fest, dass Tesla die selbst gesteckten Ziele – wenn auch nur knapp – erneut verfehlt hat. In einer E-Mail an die Mitarbeiter verkündete Elon Musk, dass man in der letzten Woche des Quartals mehr als 2.000 Einheiten des Hoffnungsträgers Model 3 produziert habe.

Ursprünglich wollte das Unternehmen weitaus früher weitaus mehr Fahrzeuge des Elektroautos produzieren, von 100.000 bis 200.000 Einheiten im Jahr 2017 war vor gar nicht allzu langer Zeit die Rede. Doch die ambitionierten Ziele mussten mehrmals verschoben werden, der mit viel Tamtam angekündigte Start der Serienproduktion im Juli erwies sich im Nachhinein mehr oder weniger als Werbeveranstaltung. Insider berichteten, dass Tesla wichtige Produktionsanlagen viel zu spät geordert habe. Zudem würden Batteriemodule, die eigentlich von Robotern gefertigt werden sollten, manuell zusammengesetzt.

Elon Musk ging in der in den frühen Morgenstunden an alle Mitarbeiter versandten E-Mail ein wenig ins Detail und lieferte eine Aussicht auf die kommenden Wochen. Wörtlich schrieb er:

“It has been extremely difficult to pass the 2000 vehicles per week rate for Model 3, but we are finally there. If things go as planned today, we will comfortably exceed that number over a seven-day period!

Moreover, the whole Tesla production system is now on a firm foundation for that output, which means we should be able to exceed a combined Model S, X, and 3 production rate of 4000 vehicles per week and climbing rapidly. This is already double the pace of 2017! By the end of this year, I believe we will be producing vehicles at least four times faster than last year.

It took five years to reach the 2000/week production rate for S and X combined, but only nine months to achive that output with Model 3. Mind-blowing progress!

Couldn’t be be more proud to work with you, Elon” Elon Musk, Tesla

 

Hervorzuheben ist, dass sich die errechnete Produktionsmenge tatsächlich in den unmittelbar zurückliegenden sieben Tagen ergibt, es handelt sich nicht um einen über einen längeren Zeitraum erreichten Durchschnitt.

“You will prove a bunch of haters wrong.”

Zuvor hatte es Berichte über andere E-Mails gegeben, die Rückschlüsse auf die “extrem schwierige” Steigerung der Produktionsmenge zuliessen. So soll der ehemalige Audi-Produktionsexperte Peter Hochholdinger eine nicht näher bezifferte Zahl von Arbeitern für mehrere Tage von den Produktionslinien des Model S und Model X zur Produktionslinie des Model 3 verlagert haben. Wenig später hatte der Leiter der Produktion, Doug Field, eine motivierende E-Mail an die Belegschaft geschrieben, in der er sie mit martialischen Worten um weitere Anstrengungen bat. Doug Field schrieb, es werde ein “incredible victory”, falls man die Produktion auf 300 Einheiten des Model 3s pro Tag steigern könne, in dem sich z.B. Arbeiter “freiwillig” für die Produktion melden. Es gebe “Kritiker” und “Short-Seller” an den Aktienmärkten, die Teslas Fähigkeiten, Elon Musks “Vision” von einem Elektroauto in Serienproduktion fertigen zu können, in Zweifel ziehen würden.

“I find that personally insulting, and you should too. Let’s make them regret ever betting against us. You will prove a bunch of haters wrong.” Doug Field, Tesla

Aufmerksamen Beobachtern wird auffallen, dass Elon Musks E-Mail ein paar Fragen aufwirft. Das Unternehmen könne nach seinen Angaben bis zum Jahresende 2018 Fahrzeuge “viermal schneller” als zum Jahresende 2017 fertigen. Ende Dezember kam Tesla “extrapoliert” auf eine Produktionsmenge von 1000 Model 3 pro Woche, so dass sich rein rechnerisch eine Produktionsmenge von 4000 Model 3 pro Woche im Dezember 2018 ergeben würde.

Ursprünglich hatte Tesla gegenüber seinen Investoren verkündet, man werde bereits zum Ende des zweiten Quartals 5000 Model 3 pro Woche fertigen können. Denkbar wäre allerdings, dass sich der CEO des Autoherstellers in dieser eigentlich an einen internen Adressatenkreis gerichteten E-Mail schlicht verrechnet oder verschrieben hat oder die eigenen Mitarbeiter nicht sofort auf die nun anstehende Verdoppelung der Produktionsmenge einstimmen wollte.

Sofern sich die Berechnung auf die Zahl der insgesamt produzierten Fahrzeuge (Model 3, Model S, Model X) bezieht, würde dies auf eine enorme Steigerung der Gesamtproduktion in der Gigafactory und in Fremont hindeuten, man hätte dann rechnerisch +400.000 Einheiten im Blick. Tesla hatte seine Produktion über einen Zeitraum von 18 Monaten nicht mehr gesteigert, siehe Grafik.

Mit der Automobilfertigung vertraute Beobachter messen der Zahl der produzierten Fahrzeuge in diesem Stadium ohnehin eine eher untergeordnete Bedeutung zu, auch wenn Tesla gegenüber anderen Herstellern unter einem enormen Erfolgsdruck steht. Wichtig(er) ist, dass die tatsächlich vom Band laufenden Fahrzeuge nicht aufwendig manuell nachgearbeitet werden müssen und sich auf Grund der Eile keine Nachlässigkeit einschleicht.