Tesla: “Saboteur” wendet sich mit schwerwiegenden Vorwürfen an die US-Börsenaufsicht

Ein von Tesla verklagter Mitarbeiter wendet sich nun mit schwerwiegenden Vorwürfen an die US-Börsenaufsicht SEC. Das Unternehmen soll gegenüber Investoren und Anlegern falsche Angaben über die tatsächlich produzierten Fahrzeuge gemacht haben, zudem verbaue man im Model 3 fehlerhafte Komponenten.

Der von Tesla gefeuerte und mittlerweile zivilrechtlich verklagte Techniker Martin Tripp geht in die Offensive und wendet sich mit der Hilfe eines Anwalts an die US-Börsenaufsichtsbehörde (US Securities and Exchange Commission) SEC. Er wiederholt seine bereits zuvor erhobenen Anschuldigungen und behauptet u.a., Tesla habe gegenüber den Anlegern falsche und unvollständige Angaben gemacht über kursrelevante Sachverhalte gemacht.

Der Verfahrenstechniker arbeitete bis Mitte Juni in der sogenannten Gigafactory im US-Bundesstaat Nevada. In seiner Mitteilung an die Wertpapierkontrolleure beschuldigt Tripp das Unternehmen, die wöchentlichen Produktionszahlen für das Model 3 um bis zu 44 Prozent erhöht und damit Investoren und Anleger getäuscht zu haben. Zudem besteht Tripp auf seiner Anschuldigung, Tesla habe fehlerhafte und damit unsichere Batterien in Fahrzeuge eingebaut. Durch deren Beschädigung während der Produktion bestehe ein höheres Risiko, dass die Akkus in Brand gerieten.

Tripp hatte sich in den vergangenen Monaten mehrmals an die Medien gewendet, was Elon Musk, den CEO von Tesla, zu ungewohnt heftigen Attacken gegen die jeweiligen Publikationen veranlasste. Zuletzt stellte er die Frage in den Raum, ob die an den Recherchen beteiligten Journalisten den “Whistleblower” für seine Informationen bezahlen würden. Kurz zuvor hatte Elon Musk die eigenen Mitarbeiter zur Wachsamkeit aufgefordert und den Verdacht geäussert, dass es zu Sabotageakten und Industriespionage bei Tesla komme.

 

Rechtlichen Beistand erhält der Techniker in dieser Angelegenheit von der New Yorker Anwaltskanzlei Meissner Associates. Diese hatte bereits einen früheren Angestellten des umstrittenen Unternehmens Monsanto vertreten. Das damalige Verfahren endete für den Klienten mit einer “Belohnung” von 22 Millionen Dollar – die zahlte die SEC aus, weil Monsanto eine falsche Buchführung nachgewiesen werden konnte, auf die der Angestellte hingewiesen hatte.

Stuart Meissner ist ein ehemaliger stellvertretender Bezirksstaatsanwalt in Manhattan und stellvertretender Staatsanwalt in New York und ist offenbar von den Anschuldigungen seines neuen Mandanten überzeugt. Gegenüber bloomberg.com sagte er, Tesla habe mit der Klage eine Medienkampagne gegen den ehemaligen Mitarbeiter Tripp eingeleitet, mit der dieser diffamiert und zum Schweigen gebracht werden solle.

In der von Tesla eingereichten Klage wird Tripp zum jetzigen Zeitpunkt nicht von der Anwaltskanzlei Meissners vertreten. Sein Klient befinde sich auf der Suche nach Anwälten, die ihn hier vertreten wollen – dies sei weitaus schwieriger als erwartet, denn es gebe “fast einen Kult um Tesla.”

Wer sich Hinweisgeber bzw. “Whistleblower” an die SEC wendet, hat einen Anspruch auf Auszahlungen, falls die Behörde auf der Grundlage dieser Informationen ein relevantes Fehlverhalten feststellt und ihrerseits erfolgreiche “Durchsetzungsmaßnahmen” gegen ein Unternehmen einleitet. Die “Erfolgsprämie” kann zwischen 10 Prozent und 30 Prozent des Geldes liegen, das die Börsenaufsicht einsammelt, ab mindestens 1 Million Dollar. Seit der Einführung des Whistleblower-Programms im Jahr 2011 hat die SEC bereits mehr als 266 Millionen US-Dollar ausgezahlt – das nennt man wohl erfolgreich.

Ob die SEC ein entsprechendes Verfahren gegen Tesla einleitet ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unklar. Ungeklärt ist ebenso, ob sich ein eventuell eröffnetes Verfahren im weiteren Verlauf auf die Geschäftstätigkeit auswirkt. Theoretisch kann die SEC einem Unternehmen bis zur Klärung eines Sachverhalts z.B. die Beschaffung von “frischem” Kapital untersagen.