Tesla ist eine (Zitat) “Wassermelone – außen grün, innen rot“

In einem (letztendlich ziemlich nichtssagenden) Vergleich kritisieren britische Energie- und Umweltexperten die ihrer Ansicht nach ungerechtfertigt zugeschriebende Umweltfreundlichkeit von Tesla. Die Fahrzeuge seien nicht "grüner" als jedes andere Durchschnittsauto in Großbritannien. Viele Fragen bleiben offen.

“Teslas sind nicht grüner als andere Wagen.” Mit diesem Statement gehen momentan die Analysten der britischen Firma Engaged Tracking an die Öffentlichkeit und hinterfragen die Umweltfreundlichkeit der Elektroautos aus Kalifornien.

Das Unternehmen aus London hat sich auf die Untersuchung und Bewertung von Emissionsdaten und anderen Kennzahlen spezialisiert, die klimafreundlichen Geldgebern als Entscheidungsgrundlage für ihre Investitionen dienen sollen.

Das Fazit der Analysten fällt – gemessen an Teslas eigenen Ansprüchen – vernichtend aus. Vergleichbare Fahrzeuge wie der Volvo XC70, der Audi A6, die E-Klasse von Mercedes-Benz oder die 5er von BMW sollen weniger Treibhausgas-Emissionen als die Fahrzeuge von Tesla verursachen. Nach den Berechnungen der Experten liege der zu berücksichtigende Emissionsfaktor bei Tesla um 13% höher als bei der von Benzinmotoren angetriebenen Konkurrenz.

Die Analysten bemühen noch weitere Vergleiche, die für die beratenen Investoren relevant zu sein scheinen. So habe Teslas Konkurrent BMW im Jahr 2017 rund 2 Millionen Fahrzeuge produziert und übertreffe damit Teslas Produktion um den Faktor 20. Dennoch überträfe die Netto-CO2-Bilanz der Bayern die der Kalifornier “nur” um den Faktor 13, führen die Verfasser der Studie weiter aus.

“Tesla is what we call a Watermelon – green on the outside, but red in the middle.” Sam Gill, CEO von Engaged Tracking

Zur von Tesla selbst kommunizierten “Zero Emission” Strategie stünden die Erkenntnisse in erheblichem Kontrast, sagt Sam Gill, CEO von Engaged Tracking. Die Elektrofahrzeuge schienen auf den ersten Blick umweltfreundlich, leicht, energieeffizient und potenziell
“grüner” als die konventionellen Fahrzeuge der meisten Konkurrenten – doch die Realität sei komplexer. Tesla müsse nun damit beginnen, die tatsächlich von den Fahrzeugen bzw. Dem Unternehmen verursachten Emissionen gegenüber der Öffentlichkeit und potentiellen Investoren zu offenbaren.

So weit, so gut – so nichtssagend. Das von Engaged Tracking veröffentlichte Papier mit einigen Vergleichswerten enthält keinerlei Angaben über die Methodik, mit der die Experten ihre Vergleiche anstellen. Eine der Grundlagen scheint zu sein, dass die CO2-Emissionen eines Unternehmens auch daran bemessen werden, ob sich die Investitionen potentieller Geldgeber in einem ökonomisch und ökologisch signifikanten Maß auszahlen. Sprich: Es könnte unter beiden Gesichtspunkten “sinnvoller” sein, in ein in hohen Stückzahlen produzierendes Unternehmen zu investieren, weil man dort einen positiveren Gesamteffekt für die Umwelt erzielen könnte.

Über Engaged Tracking

Das Londoner Unternehmen ist nach eigenen Angaben ein spezialisierter Anbieter von klimarelevanten Daten, daraus ableitbaren Erkenntnissen und daraus resultierenden Anlagestrategien. Man helfe seinen Kunden, die mit dem Klimawandel verbundenen finanziellen Risiken zu erkennen, sie zu verstehen und zu bewältigen.

Der CEO James Cameron ist Chairman des Overseas Development Institute, Berater der Climate Bonds Initiative und von Carbon Tracker, und Mitglied des UK Green Building Council. Zuvor arbeitete er bei Solarcentury war Mitgründer von Climate Change Capital (CCC).

 

Einen mehr als nur faden Beigeschmack hinterlässt, dass man sich in dem Papier in ein paar Binsenweisheiten über den selbstverständlich relevanten Strommix rettet. Für die Berechnung der tatsächlich verursachten CO2-Emissionen spielt es eine enorme Rolle, ob ein Elektroauto mit Strom aus regenerativen Quellen geladen wird – oder ob man eine z.T. aus schmutzigem Kohlestrom zugrundeliegende Energieversorgung zugrunde legt. Leider machen die Fachleute keine Angaben, nach welchen Kriterien sie hier vorgegangen sind.

Unbestritten ist, dass ein Hinweis auf die Verbrauchstabellen der United States Environmental Protection Agency (EPA) Fragen aufwerfen. Die von Engaged Tracking für ihre Vergleiche herangezogenen Model S (AWD, 70D und 85D) werden dort mit “offiziellen” Verbrauchswerten von circa 21kWh pro 100 Kilometer gelistet und liegen damit weit über den Verbrauchswerten eines ebenfalls elektrisch angetriebenen BMW i3.

Groß gegen klein – ja, der Vergleich hinkt. Über diesen direkten Vergleich hinaus steht damit allerdings die Frage im Raum, ob ein derart “großes” und “leistungsstarkes” Auto wie ein Model S tatsächlich das Paradebeispiel für eine “sinnvolle” Umsetzung der Elektromobilität sein soll.

Angesichts der Erkenntnis, dass „die Realität komplexer“ sei und der an Tesla gestellten Forderungen, „transparenter“ mit den eigenen Daten umzugehen hätte wir uns gewunscht, dass die Experten zumindest in Ansätzen transparent die offenbar „komplexen“ Berechnungen und Sachverhalte offenlegen. So wird das dem eigentlich spannenden Thema jedenfalls nicht gerecht.

Via heise.de