Jetzt wirds schmutzig: Tesla verklagt Mitarbeiter – Der sagt, er sei “Whistleblower”

Tesla hat bei einem Bezirksgericht des Bundesstaates Nevada eine Klage gegen einen ehemaligen Mitarbeiter eingericht. Dieser soll vertrauliche Daten an Medien weitergeleitet und dabei falsche Angaben gemacht haben. Der Ingenieur geht seinerseits in die Offensive und bezeichnet sich selbst als Whistleblower, der auf Sicherheitsprobleme und finanzielle Risiken aufmerksam machen wolle.

Der kalifornische Elektroautobauer Tesla hat den Ankündigungen seines CEO Elon Musk Taten folgen lassen und einen Mitarbeiter verklagt. Der soll, so die Darstellung des Unternehmens, geheime und vertrauliche Daten an Medien weitergeleitet und diese um falsche Behauptungen ergänzt haben. Kurz nach dem Bekanntwerden der Klage nahm der Beschuldigte öffentlich Stellung.

Der – wie in solchen Fällen in den USA üblich – namentlich genannte Techniker, habe sich in das ”Manufacturing Operating System (MOS)” des Unternehmens “gehackt” und dort mehrere Gigabyte an Datenmaterial “erbeutet”. Dabei handele es sich u.a. um dutzende Bilder und ein Video. Dieses Material habe er an Dritte – im konkreten Fall an Medien – weitergeleitet. Zudem habe er einen Code bzw. ein Programm geschrieben, mit dem vertrauliche Daten regelmäßig exportiert und an Dritte übermittelt worden seien.

Diese Daten habe der beschuldigte Techniker um falsche Behauptungen über Teslas Produktionsabläufe und weitere Interna ergänzt. Die recht konkreten Schilderung lassen den eindeutigen Schluss zu, worum es sich bei diesen Daten und angeblich falschen Behauptungen handelt und bei welchen Medien diese Angaben gelandet sind.

Im Januar 2018 hatte der der US-amerikanische Fernsehsender CNBC unter Berufung auf einen ehemaligen und einen derzeitigen Mitarbeiter Teslas von möglichen Sicherheitsproblemen mit den Akkus des neuen Model 3 berichtet.

Die Mitarbeiter gaben damals an, dass bei der manuellen – statt ursprünglich geplanten maschinellen – Fertigung der Akkupacks Fehler gemacht würden, die von einer nicht ausreichend geschulten Sicherheitskontrolle übersehen würden. Tesla hatte die Behauptungen umgehend dementiert und die Angaben als “irreführend”, “ungenau, entgegen allen Beweisen und losgelöst von der Realität” bezeichnet.

In einem weiteren Report vom März 2018 berichtete CNBC dann über eine ungewöhnlich hohe Ausschussquote, die momentan in der Fertigung von Bauteilen anfalle. Ein damals nicht namentlich genannter Tesla-Ingenieur – offenbar der jetzige Beschuldigte – schätzte, dass rund 40 Prozent der Teile, die in Teslas Fertigungswerk in Fremont hergestellt würden oder oder dort von externen Zulieferern angeliefert werden nachgearbeitet werden müssen.

In der nun vorliegenden Klage bezeichnet Tesla die Angaben zu den angeblich beschädigten Batterien als falsch. Bei den Angaben zu den angeblich beschädigten und nicht rechtzeitig für den Produktionsablauf nutzbaren Fahrzeugen soll der Beschuldigte “übertrieben” haben. Er soll innerhalb weniger Monate bei Tesla nicht die erwartete Leistung gebracht und sich mit Kollegen angelegt haben, im Mai habe man ihn dann – zu seiner Verärgerung – mit einer neuen Rolle betraut.

Quelle: scribd.com

Der Beschuldigte, der lt. Tesla einen Teil der Vorwürfe zugegeben haben soll, hat sich in der Zwischenzeit gegenüber dem Fernsehsender CNN geäußert. Er sei, zusammengefasst, ein “Whistleblower”.

“I am being singled out for being a whistleblower. I didn’t hack into system. The data I was collecting was so severe, I had to go to the media.”

Mit seiner Entscheidung, sich an die Medien zu wenden, habe er Investoren und die Öffentlichkeit warnen wollen. Er bleibt bei seiner ursprünglichen Behauptung, dass sich 1.100 beschädigte Batteriemodule in bereits an Kunden ausgelieferten Model 3 befänden. Zudem hielt er in dieser ersten Stellungnahme fest, dass “übermässiger Schrott” in einer gefährlichen Weise bei Tesla gelagert sei und nur verbunden mit sehr hohen Kosten sicher entsorgt werden könne.Zudem habe Tesla im April in offiziellen Bekanntmachungen falsche Angaben zu den wöchentlich produzierten Model 3 gemacht.

Den ursprünglichen Vorwurf, er habe das Manufacturing Operating System manipuliert oder gar “sabotiert” bestreitet der Mann. Dazu habe ihm die Berechtigung gefehlt. Die Daten habe er im Rahmen seiner ihm zugeteilten Tätigkeit erhalten. Zudem gebe es ein weiteres Medium, mit dem er die Vorwürfe ausführlich erörtert habe, ein entsprechender Bericht stehe aber noch aus.

Gegenüber der Washington Post gab der mittlerweile entlassene Mitarbeiter an, er sei vor Einreichung der Klage von einem Mitarbeiter der Personalabteilung telefonisch verhört worden. Zudem habe nach der Einreichung der Klage E-Mails von Elon Musk erhalten, in denen der CEO ihn als “furchtbaren Menschen” bezeichnet habe.

Elon Musk: “You’re a horrible human being,”
MT: “Putting cars on the road with safety issues is being a horrible human being!”

Musk sei, so führt der Beschuldigte weiter aus, ein “Narzisst, der sich nur um sich selbst kümmert”.

Die Auseinandersetzung zwischen Tesla bzw. Elon Musk und dem Beschuldigten hate eine darüber hinausgehende Bedeutung. Musk hatte Medien wiederholt vorgeworfen, dass sie in einer sensationsheischende Weise Unwahrheiten über das Unternehmen verbreiten. Im Laufe der kommenden Woche wird es also am Rande auch um die Frage gehen, wie ernst die beteiligten Medien und Autoren ihrer Verpflichtung nachgekommen sind, die vorliegenden Angaben und die Vertrauenswürdigkeit der Quelle zu überprüfen.