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Tiefseegreifer: Roboterarm kann Meerestiere behutsam einfangen

Um die Forschung der Tiefsee weiter voranzutreiben, haben Forscher einen Robotergreifarm entwickelt, der kleinere Tiere einfangen kann, ohne sie zu verletzen. Der Greifer besteht aus 12 Teilen, die aus dem 3D-Drucker kommen.

Die Tiefsee ist ein faszinierender Ort und wir wissen noch relativ wenig über die Lebewesen, die in diesem Lebensraum zu Hause sind. Forscher bemühen sich seit Jahren mehr über die Tiere herauszufinden und sie zu studieren. Es gestaltet sich allerdings schwieriger bis auf den Grund der Tiefsee hinab zu tauchen. Ein neuer faltbarer Robotergreifer könnte bei diesem Unterfangen helfen, denn er kann Unterwasserlebewesen leicht und ohne Verletzungen einfangen.

Viele Tiefseelebewesen, wie Quallen und ähnliches Getier haben zerbrechliche Körper. Normalerweise müsste man sie mit Hilfe von Saug- oder Klauengreifern einfangen, was jedoch dazu führen kann, dass die armen Tiere auseinander brechen und Bruchstücke anstelle ganzer Organismen untersucht werden müssen. Dieser spezielle und neue Robotergreifer wurde von Zhi Ern Teoh von der Harvard University in Massachusetts und seinen Kollegen entwickelt. Er besteht aus 12 Fünfecken, die aus einem 3D-Drucker stammen.

Der Arm wird an einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug angebracht. Der Greifer tastet sich zuerst flach auf dem Boden voran, und faltet sich anschließend sanft um das Tier herum. Das Entwicklerteam testete das Gerät in einem Aquarium und im Monterey Canyon, einem Unterwasser-Lebensraum vor der Küste Kaliforniens. Dort fingen sie erfolgreich eine Qualle, ein Kalmar und einen Oktopus.

„Wir nähern uns diesen Tieren, als wären sie Kunstwerke: Würden wir Stücke aus der Mona Lisa herausschneiden, um sie zu studieren? Nein – wir verwenden die innovativsten Werkzeuge, die es gibt. Diese Tiefsee-Organismen, die zum Teil Tausende von Jahren alt sind, verdienen es, mit einer ähnlichen Behutsamkeit behandelt zu werden, wenn wir mit ihnen interagieren.“ David Gruber, Biologieprofessor Harvard

Derzeit kann der Greifer ein Tier nur an Ort und Stelle festhalten, aber das Team plant, zusätzliche Hardware wie 3D- und DNA-Scanner zu integrieren, um Kreaturen im Inneren zu untersuchen. Die Möglichkeit, Tiere im Wasser zu untersuchen, anstatt sie an die Oberfläche zu bringen, könnte frischen Wind in die Tiefseeforschung bringen. Nichtsdestotrotz müsste man Lebewesen in einigen Fällen doch noch ans Tageslicht bringen, um beispielsweise intensivere Untersuchungen durchzuführen.

via: Harvard