Virtual Reality
„Touching Masterpieces“: Kunstgalerie mit haptischer VR für Blinde

Die Nationalgalerie Prag möchte Menschen mit Sehbehinderung die Möglichkeit bieten, Kunstwerke in der virtuellen Realität zu erleben. Deshalb umfasst die Kampagne "Touching Masterpieces" haptische Handschuhe mit denen der Träger Skulpturen immersiv erleben kann.

„Bitte nicht anfassen.“ Diesen Satz liest man normalerweise überall in Kunstgalerien. Doch die Kunstaustellung „Touching Masterpieces“ legt den Fokus genau darauf. Denn die Nationalgalerie Prag möchte Menschen mit Sehbehinderung die Möglichkeit bieten, Kunstwerke auf eine neue Art und Weise zu erleben. Da sie nicht in der Lage sind, Skulpturen zu betrachten, muss diese Erfahrung auf einem anderen Sinn aufbauen.

Die Lösung heißt Virtual Reality. Aber nicht so, wie wir es von einem entsprechenden Headset kennen. Am immersivsten kann eine virtuelle Welt werden, indem wir das Gesehene auch fühlen. Dies kann mit Hilfe von Ganzkörperanzügen oder Handschuhen wie den HaptX geschehen und genau diese haptische Ebene der VR macht sich die Kunstgalerie zu Nutze.

Aus dem Vorhaben ist eine Kooperation zwischen der Prager Galerie und dem spanischen Startup NeuroDigital entstanden, die im Jahr 2015 ihre haptischen Handschuhe Gloveone über Kickstarter finanzierten. Unterstützt wurde das Ganze noch von dem Netzwerk Geometry Prague und der Leontinka Foundation für sehgeschädigte Kinder.

„Thus, millions of people have literally not seen, and will never see, sculptural masterpieces such as the head of Nefertiti, the beauty of the Venus de Milo or Michelangelo’s David, to name just a few – until now. NeuroDigital invites Prague’s visually impaired people to a new age of digital accessibility, to see what has previously been unseen.“ Kunstgalerie Prag, Touching Masterpieces

Die Handschuhe sind in der Lage 3D-Informationen zu bekannten Skulpturen wie der Nofretete, der Venus von Milo und Michelangelos David abzurufen. Der Träger des Gerätes kann die Form und die Oberfläche der Skulpturen über Vibrationen nachempfinden, indem die Handschuhe die taktile Reaktion verschiedener Hautzellen stimuliert. Dies geschieht an zehn verschiedenen Punkten der Hand und das Vibrationsfeedback wird in unterschiedlichen Frequenzen ausgesendet.

Bisher bestand die einzige Lösung für Menschen mit Sehbehinderung darin, Kunstwerke durch Audio-Guides beschrieben zu bekommen. Ein immersives Erlebnis ist das jedoch nicht. Mit dieser Art von Ausstellung bekommen Blinde eine neue Möglichkeit Kunst zu erleben. Wer die Galerie nicht persönlich besuchen kann, kann drei der Skulpturen als 3D-Bild herunterladen und sie zuhause anfassen. Allerdings braucht man natürlich entsprechende haptische Handschuhe, um das VR-Erlebnis nachzustellen. Ich finde das eine klasse Idee!

via: vrfocus