Smart Machines
Trauerbegleitung: Roboter imitieren Tote

In Japan hat eine Entwicklerin ein neues Konzept zur Trauerbegleitung präsentiert, bei dem ein humanoider Roboter zum Einsatz kommt. Er soll den Verstorbenen imitieren und den Hinterbliebenen so die Akzeptanz des Todes erleichtern.
von Vera Bauer am 30. Dezember 2018

Mit dem Tod konfrontiert zu werden, ist ein schreckliches Gefühl. Man fühlt sich plötzlich endlich und allein gelassen, weil ein geliebter Mensch gegangen ist. Der Tod ist aber unvermeidlich und jeder von uns, wird einmal sterben müssen. Um es den trauernden Hinterbliebenen etwas einfacher zu machen, wurde in Japan ein neuer Roboter entwickelt, bei dem ich nicht so ganz weiß, ob er den Schmerz lindert oder sogar noch verstärkt.

In Japan beträgt die traditionelle Zeit der Trauer 49 Tage und genauso lange darf ein Hinterbliebener den Roboter nach der Beerdigung behalten, um den Tod akzeptieren zu können. So besagt es das Konzept von Digital Shaman Projekts, die diesen Humanoiden entwickelt haben. Das Ganze soll dann folgendermaßen ablaufen: Zu Lebzeiten werden die Nutzer ein Interview mit dem Forschungsteam führen und dabei werden ihre Mimiken, Gestiken und Sprachmerkmale aufgezeichnet. Also quasi alles, was einen Menschen so ausmacht. Sie können auch Botschaften im Interview hinterlassen, die der Roboter dann nach dem Tod überbringt.

Ist der Interviewte dann verstorben, können die Hinterbliebenen einen Roboter mit dem entsprechenden Programm des Toten anfordern. Er imitiert dann die Persönlichkeit, die Sprache und die Gestiken von ihm. Der Roboter soll vor allem Hand- und Kopfbewegungen gut nachahmen können und sogar niesen kann er. Ichihara, die Entwicklerin, sagt, dass sie das Konzept nach dem Tod ihrer Großmutter entwickelt habe.

“Ich erinnere mich deutlich an ein paar Dinge von der Beerdigung. Das Make-up wurde auf das Gesicht meiner toten Großmutter aufgetragen. Wir haben Blumen in ihren Sarg gelegt. Nachdem sie eingeäschert wurde, hat unsere Familie die Knochen aus ihrer Asche geholt. Es war ein schockierendes Ritual.”

Ichihara möchte, dass Menschen mit ihrem Konzept verschiedene Arten von Trauer leben können und sie ist der Meinung, mit ihrem Humanoiden kann man den Tod besser akzeptieren. Auch die 3D-gedruckte Masken, die die Roboter von den Verstorbenen tragen, sollen dabei helfen – auch wenn ich sie dadurch noch gruseliger finde. Bisher spielen die Bots nur die aufgezeichneten Memos ab, mit entsprechender KI könnten sie aber auch auf Fragen antworten und das Verhalten des Verstorbenen noch besser imitieren.

“Mit fortschreitender Technologie gibt es immer weniger Raum für Dinge wie Emotionen. Ich denke, es gibt diejenigen, die mit dieser Art von Veränderung nicht Schritt halten können. Deshalb habe ich diesen Roboter entwickelt”.

Würde euch ein solcher Roboter über den Tod eines Geliebten hinweghelfen oder die Trauer sogar noch verstärken? Schreibt es in die Kommentare!

via: koaa