Eine Frage der Ehre
Deutsche Software-Firma verklagt US Navy auf 600 Millionen US-Dollar

Das Münchner Sotware-Unternehmen Bitmanagement verklagt die US-Navy auf fast 600 Millionen US-Dollar. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten sollen statt der ursprünglich vereinbarten 38 Lizenzen einer 3D-Software mittlerweile rund 550.000 illegale Kopien einsetzen. Die Navy bestätigt das - und leht alle Forderungen ab.

Software-Lizenzen sind nicht Jedermanns Sache. Für den ein oder anderen bedeutet schon der Besitz einer CD/DVD samt zugehörigem Installationsschlüssel, dass die Software auf beliebig vielen Rechnern installiert werden darf.

Auch die US-Navy soll zu denen gehören, die das während der Installation aufploppende End User License Agreement (EULA) ungelesen wegklicken, behauptet das Münchner Software-Unternehmen Bitmanagement und verklagt die Streitkräfte auf rund 600 Millionen US-Dollar. Doch die angeblich unter Softwarepiraten-Flagge Segelnden drehen bei und eröffnen nun ihrerseits das Feuer aus allen zur Verfügung stehenden Kanonen.

Im vorliegenden Streit geht es um die Software BS Contact Geo, mit der geographische Daten und Informationen visualisiert werden können. Aus einem entsprechenden Datenbestand , Satellitenbildern, existierendem Kartenmaterial oder Fotos erzeugt die Software Virtual Reality Nachbildungen oder fotorealistische Modelle von Orten und dem umliegenden Gelände. Zu den potentiellen Anwendern gehören z.B. Stadtplaner, Architekten, Umweltforscher – oder eben das Militär. Die Besonderheit ist, dass zur eigentlich aufwendigen Visualisierung auch nicht allzu leistungsfähige Rechner benötigt werden.

Nach einer aus dem Sommer datierenden Klage soll die Navy unberechtigt hunderttausende Kopien der Software angefertigt bzw. Auf den eigenen Systemen installiert haben. Die in Kopie vorliegende Klageschrift führt aus, dass man den Flottenverbänden aber nur die Lizenzen zur Installation auf insgesamt 38 (!) Systemen erteilt habe. Diese Vereinbarung aus den jahren 2011 und 2012 habe den ausgiebigen Pilot-Test der Software beinhaltet, um später den großen, dann sicherlich lukrativen Auftrag für die Nutzung zu erhalten. Dazu habe man, so Bitmanagement, den eigentlich vorhandenen Kopierschutz deaktiviert.

In den darauf folgenden Jahren soll die US-Navy das deutsche Unternehmen ständig vertröstet haben. Zwischen 2013 und 2015 sei es immer wieder zu Gesprächen, aber nie zu einer Einigung oder einer Auftrag in großem Maßstab gekommen. Stattdessen soll die US-Navy den Zeitraum für die Installation der Software auf insgesamt 558.466 (in Worten: fünfhundertachtundfünfzigtausendvierhundertsechsundsechzig) PCs genutzt haben.

Bumms.

Bitmanagement vertritt die Auffassung, das eine unberechtigte Installation in diesem Umfang nicht zufällig oder aus Unkenntnis geschehen sei. Vielmehr zeige die enorme Anzahl, dass die US-Navy die Software sinnvoll fände, tatsächlich einsetze und lediglich die Lizenzkosten von rund 800 Euro pro Installation umgehen wollte.

In einer nun vorliegenden Stellungnahme bestätigt die Rechtsabteilung die Installation auf insgesamt 550.000 Systemen – und lehnt weitere Forderungen der Münchner ab. Man habe die Software keinesfalls heimlich installiert, vielmehr sei das Unternehmen in nicht näher bezeichneter Weise darüber unterrichtet gewesen. Die Zahl der Installationen sei nie limitiert gewesen und im Herbst 2013 habe man an Bitmanagement die erfolgreiche Installation auf 104922 Rechnern gemeldet. Wortwörtlich enthält die Klageerwiderung den Absatz:

“Defendant admits that the Navy has never directly compensated Bitmanagement for the Navy’s installation of BS Contact Geo, but defendant denies that Bitmanagement is entitled to any compensation for the Navy’s installation of the software.”

Anscheinend ist man der US-Navy der Ansicht, dass die wissentliche Entfernung des Kopierschutzes durch Bitmanagement automatisch das Einverständnis beinhaltet habe, die Software auf ein paar mehr als den ursprünglich vereinbarten 38 PCs zu installieren. Genauer gesagt: 14.696 mal so oft. Diese Logik wiederum ähnelt ein auf den ersten Blick der von technikaffinen Zwölfjährigen im Jahr 2000, die ihren mit der Abmahnung fuchtelnden Eltern schulterzuckend offenbaren, dass die Hersteller von Photoshop, Windows oder irgendeinem Game ja schließlich zu “doof” seien, ihre Programme entsprechend abzusichern. Kannste so machen, aber …

Der Ausgang des Verfahrens ist auch mit der nun vorliegenden Antwort der US-Navy völlig ungewiss. Sollte es stimmen, dass Bitmanagement bereits im Herbst 2013 unterrichtet wurde, stellt sich zumindest die Frage nach der erst jetzt erfolgenden Reaktion. Zudem wird man wohl in weiteren Verhandlungen beachten müssen, dass ein deutsches Unternehmen die in den Vereinigten Staaten durchaus respektierte US-Navy auf eine enorme Summe verklagt … so ein Fall baut eben auch einen gewissen öffentlichen bzw. politischen Druck auf, der allzu leicht ins Säbelrasseln übergehen kann.

Wir tippen auf einen Vergleich, was meint ihr? Dann muss der Donald halt den Etat der Navy ein bisschen höher ansetzen …

via winfuture.de