Tödlicher Verkehrsunfall: Eltern verklagen Apple wegen FaceTime-Telefonat des Fahrers

Die Familie eines tödlich verunglückten Mädchens hat im Bundesstaat Texas eine Klage gegen Apple eingereicht. Der Konzern soll eine Mitverantwortung am Tod der Fünfjährigen tragen, weil der Unfallverursacher während der Fahrt einen Anruf über die Video-App FaceTime führte. Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, dass eine eigentlich längst zur Verfügung stehende Technologie zum ablenkungsfreien Autofahren bisher nicht auf den iPhones installiert sei.

Der Unfall ereignete sich bereits vor zwei Jahren, die Schuld des Fahrers ist erwiesen. Der zum damaligen Zeitpunkt 20-jährige Mann übersah das Fahrzeug der Familie und krachte mit einer Geschwindigkeit von rund 100 Stundenkilometern in das Auto. Die Fünfjährige konnte noch aus dem Wrack geborgen und in ein naheliegendes Krankenhaus geflogen werden, verstarb aber an den Verletzungen. Das Unfallprotokoll zeigte, dass der Unfallfahrer zum Zeitpunkt des Unfalls mit seinem damals neuen iPhone 6 Plus ein Videotelefonat über FaceTime geführt hatte.

Die Klage (PDF) der Familie stützt sich auf den Umstand, dass Apple bereits im Jahr 2008 ein Patent eingereicht habe, mit dem die Verwendung eines Smartphones während der Autofahrt entweder unterbunden oder zumindest stark eingeschränkt werden soll. Das Patent wurde Apple im Jahr 2014 tatsächlich erteilt, dennoch sei es nie zum Einsatz gekommen.

Die Familie schlussfolgert daraus, dass Apple die Gefahren durch die Benutzung eines Smartphones während der Autofahrt durchaus kennt, aber der daraus resultierenden Verantwortung trotz des eigentlich geringen Aufwands nicht nachkommt. Zudem gebe es von Apple auch keine ausreichend deutlichen Hinweise, die einen Autofahrer vor der Benutzung des Geräts warnen.

Nichts für schwache Nerven:

Die US-amerikanische Verkehrsaufsicht NHTSA hatte erst kürzlich alle Smartphone-Hersteller aufgefordert, einen speziellen PKW-Modus zu implementieren, der sich im Idealfall bei Fahrtantritt automatisch aktiviert. In den Vereinigten Staaten ist die Benutzung eines Handys im Fahrzeug nicht wie hierzulande gesetzlich untersagt, stattdessen gibt es dort seit mehreren Jahren landesweite Aufklärungskampagnen wie “Don’t text and drive”.

Google hatte sich im vergangenen Monat von der ehemals vorgesehenen Kopplung mit dem kompatiblen Audio-Systems eines Fahrzeugs verabschiedet. Seitdem kann die grafisch und funktional abgespeckte Oberfläche von Android Auto auch ohne eine entsprechende Verbindung zum Fahrzeug genutzt werden. Die von Apple eingesetzte Variante “Car Play” unterstützt diesen Modus trotz der existierenden Patente noch nicht.

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Einer ähnlich gelagerten Klage in Texas werden nur geringe Erfolgsaussichten eingeräumt, der Nachweis einer Mitverantwortung scheint in den ansonsten für aufsehenerregende Prozesse bekannten USA nicht leicht zu sein. Allerdings könnte in dem neuen Verfahren die tatsächlich von Apple stammende Facetime-App eine besondere Rolle spielen.

Quelle: courthousenews.com via futurezone.at