MWC 2018
Vodafone, Nokia, Audi und die PTScientists bringen LTE auf den Mond

Vodafone Deutschland erklärte beim MWC, dass man Nokia als weiteren Partner der Berliner PTScientists für deren "Mission to the Moon" gewinnen konnte.

Der Weltraum — unendliche Weiten (in denen sich irgendwo auch ein Tesla bewegt). Donald Trump — harte Überleitung, ich weiß — steht hingegen für unendliche Leere, vor allem zwischen den Ohren. Aber man muss ihm lassen, dass er auch durchaus konkrete Ideen hat, wie in nächster Zeit die Eroberung des Weltraums vonstatten zu gehen hat. Er möchte möglichst schnell Menschen auf den Mond schicken, später dann auch zum Mars. Und er ist tatsächlich ein wenig stinkig, dass der nächste Mondflug der NASA erst stattfindet, wenn seine Präsidentschaft vorbei ist (ich schreibe das in der Hoffnung, dass man so jemanden nicht nochmal vier Jahre die USA regieren lässt).

Wir können also erkennen, dass die US-Pläne für die staatliche Raumfahrt stark von der Egomanie eines einzigen Mannes getrieben wird. Aktuell zeichnet sich ab, dass die Amerikaner noch dieses Jahr wieder auf dem Mond landen, allerdings erst 2021 wieder bemannt. Klappt das alles so wie gehofft, dann dürften sich die Ankömmlinge darüber freuen, dass europäische Unternehmen bis dahin dafür gesorgt haben, dass es auf dem Mond LTE gibt.

Der lunar quattro Rover von Audi (Foto: PTScientists)

Bereits seit letztem Jahr wissen wir, dass Vodafone Deutschland hier aktiv wird und dass zusammen mit dem Berliner Start-Up PTScientists und unter deren Leitung im Rahmen der ersten privatfinanzierten Mondmission eine LTE-Basisstation auf dem Mond errichtet werden soll. Neben Vodafone Deutschland haben sich die PTScientists auch Audi als Partner ausgewählt. Von den Autoherstellern werden die beiden Audi lunar quattro Rover kommen, die sich mit auf die Reise machen.

Mehr zum Audi Rover könnt ihr in unserem Artikel von 2015 nachlesen, außerdem haben wir auch schon über ALINA (Autonomous Landing and Navigation Module) berichtet – jenes Landemodul, welches die Rover zum Mond bringen wird.

Beim MWC hat Vodafone nun einen weiteren Partner vorstellen können: Als Technologie-Partner hat man für das „Mission to the Moon“-Projekt Nokia gewinnen können. Nokia Bell Labs soll ein weltraumtaugliches und ultrakompaktes Netzwerk entwickeln, welches das leichteste wird, das je entwickelt wurde und zwar mit einem Gewicht von weniger als einem Kilogramm.

Wenn alles nach Plan läuft, wird der ganze Spaß bereits im nächsten Jahr zum Mond gebracht. Laut aktueller Planung soll 2019 in Cape Canaveral eine Falcon 9-Rakete von SpaceX abheben und somit die allererste privatwirtschaftliche Mission zum Mond überhaupt angehen.

ALINA und ein Audi lunar quattro (Foto: PTScientists)

Vorausgesetzt, dass das Landemodul die ganze Technik heil auf den Mond bringt und dort alles einwandfrei funktioniert, dürfen wir uns darauf freuen, dass neben wissenschaftlichen Daten auch HD-Videos übertragen werden. Die beiden Rover sollen auf dem Mond das Apollo 17 Mondfahrzeug der NASA erkunden, welches von Commander Eugene Cernan und Harrison Schmitt benutzt wurde — 1972 die letzten Astronauten, die auf dem Mond waren.

Wieder vorausgesetzt, dass alles klappt und die vorausgehenden Tests von Vodafone bestätigt werden, soll es über das 1800-MHz-Frequenzband dann tatsächlich möglich sein, per LTE Live-Videos in HD-Qualität zu übertragen. Per „Deep-Space-Link“ ist die Station mit den Servern im Mission Control Center der PTScientists in Berlin verbunden. Wie Vodafone Deutschland in seiner Pressemeldung erklärt, ist das LTE-Netzwerk im Vergleich zum analogen Funk sehr energieeffizient und wird maßgeblich für das Gelingen der „Mission to the Moon“ entscheidend sein. Zugleich, so Vodafone Deutschland weiter, ist dies der „erste Schritt, eine Kommunikationsinfrastruktur für zukünftige Missionen aufzubauen“.

Man darf zweifellos gespannt sein, was die PTScientists aus Berlin da mit der Hilfe von Vodafone Deutschland, Audi und Nokia auf die Beine stellen, aber für mein Empfinden ist diese Geschichte nicht nur im ursprünglichen Wortsinn ein Moonshot-Projekt und zeigt den US-Amerikanern jedenfalls, dass nicht nur dort ambitionierte Weltraum- und Mondpläne in die Realität umgesetzt werden können.

Dies ist ein entscheidender erster Schritt für eine nachhaltige Erforschung des Sonnensystems. Damit die Menschheit die Wiege der Erde verlassen kann, müssen wir Infrastrukturen jenseits unseres Heimatplaneten entwickeln. Mit der ‚Mission to the Moon‘ werden wir die ersten Elemente eines dedizierten Kommunikationsnetzes auf dem Mond aufbauen und testen. Das großartige an dieser LTE-Lösung ist, dass sie so viel Strom spart – und je weniger Energie wir zum Übertragen von Daten verwenden, desto mehr können wir Wissenschaft betreiben! Robert Böhme, CEO und Gründer von PTScientists

Im Gespräch beim MWC in Barcelona verrieten uns die PTScientists bereits, dass die Partnerschaft mit Nokia nicht die letzte ist, die vor dem Start im nächsten Jahr angekündigt wurde. Das bedeutet für uns, dass wir im Vorfeld sicher noch häufiger von den Berlinern hören werden — ich freue mich jedenfalls und wünsche schon mal alles Gute für dieses großartige Projekt.

Alle Fotos: PTScientists