Windows 10 Mobile und rahmenloses Design: Es hätte so schön sein können

Seit gestern wissen wir, dass Microsoft im Smartphone-Bereich aktuell nicht mehr viele Pläne hat. Dabei hätte es so anders laufen können. Das lässt auch ein Prototyp von 2014 vermuten, der bereits auf ein jetzt so angesagtes fast rahmenloses Design setzt.

Gestern berichteten wir darüber, dass Microsofts Joe Belfiore reinen Tisch gemacht hat, was die Zukunft von Windows 10 Mobile und von Microsoft hergestellten Smartphones angeht. Kurz zusammengefasst: Der Ofen ist (zumindest erst mal) aus – Microsoft kümmert sich um viele Baustellen, das Thema „Mobile“ steht dabei nicht mehr im Fokus.

Das ist ebenso schade wie die Tatsache, dass Smartphones mit Windows nie wirklich Fahrt aufgenommen haben. Schade vor allem deswegen, weil das Betriebssystem immer besser wurde und mitunter wirklich tolle Hardware präsentiert wurde. Leider wurde nie eine kritische Masse an Menschen erreicht und so ist das Ergebnis jetzt wenig überraschend. Aber es hätte vielleicht auch alles ganz anders kommen können.

Manchmal sind es nämlich oft nur Kleinigkeiten und/oder glückliche Fügungen, die dafür sorgen, dass man einen entscheidenden Trend setzt, der einen in der Gunst der Käufer ganz nach oben schwemmt. Nehmt als Beispiel vielleicht mal Samsung: Über das erste Galaxy Note haben viele Menschen noch gespottet, weil es für damalige Verhältnisse so furchtbar riesig war (übrigens mit 5,3 Zoll!) und heute wissen wir, dass die Koreaner mit diesem Phablet einen weltweiten, noch heute anhaltenden Trend zu immer größeren Displays eingeleitet haben.

Ebenfalls vorne dabei ist Samsung bei einem anderen Trend: Den rahmenlosen Displays! Alle diesjährigen Flaggschiffe bieten ein Display, welches fast die komplette Front einnimmt. Mehrere Konkurrenten gehen einen ähnlichen Weg und auch Apple hat sich dieser Entwicklung mit dem iPhone X nicht entziehen können. Was aber, wenn ein Underdog wie Microsoft schon 2014 auf so ein rahmenloses Design gesetzt hätte?

Klingt komisch, ist aber tatsächlich so, dass Microsoft ein Lumia-Smartphone in der Pipeline hatte mit so einem Display. Der Haken an der Geschichte: Beim Lumi 435 entschied man sich letzten Endes nicht für den rahmenlosen Prototypen, sondern veröffentlichte das Device später mit einem ganz herkömmlichen Design. Hier seht ihr, wie es in die Läden kam:

Foto: Windows Central

…und so sieht der Prototyp aus, der dann leider nicht übernommen wurde:

Schaut euch die beiden Modelle im Vergleich an und ihr werdet erkennen, dass zwar auch beim unteren Prototypen der untere Rand noch einigermaßen klobig aussieht, aber dennoch deutlich schlanker ist als beim finalen Lumia 435. Zudem wurden die Ränder seitlich und oberhalb des Displays nahezu eliminiert – gerade für 2014er-Verhältnisse.

Das Lumia 435 ist interessanterweise übrigens ein Handset im Budget-Bereich und dementsprechend auch technisch eher schwach auf der Brust. Da könnte man jetzt sagen, dass selbst ein für die damaligen Verhältnisse überraschendes Design mit fast rahmenlosem Display nicht für jedermann spannend gewesen wäre.

Andererseits hätte es aber mit ein wenig Glück auch gerade deswegen eine kleine Smartphone-Revolution einleiten können. Wenn es Microsoft seinerzeit gelang, mit so einem Lumia ein solches Design in ein günstiges Smartphone zu pressen — vielleicht wären dann Lumia-Flaggschiffe im selben Design die zwangsläufige Folge gewesen und bei entsprechender Akzeptanz der Käufer wären dann sicher auch damals schon Konkurrenten auf diesen Zug aufgesprungen.

Aber — um mal einen Rekordnationalspieler, Ehrenspielführer und Teilzeit-Philosophen zu zitieren: Wäre, wäre, Fahrradkette!

Soll heißen: Das Spekulieren bringt uns heute nichts. Vielleicht wäre dieser Design-Ansatz ebenso wirkungslos verpufft wie die meisten anderen Bemühungen im Windows Phone- bzw. Windows 10 Mobile-Lager. Vielleicht hätte man festgestellt, dass ein solches Design auch nur in so schwach bestückten Smartphones funktioniert hätte und eben nicht in Geräten, in die man deutlich mehr Technik und Features gestopft hat.

Es zeigt aber zumindest, dass der Ansatz der richtige war und die Redmonder da wieder einmal einem Trend auf der Spur waren, lange bevor die Konkurrenz auf die Idee kam (erinnert euch vielleicht an die Tablet-Experimente viele Jahre vor dem ersten Apple iPad oder dem Samsung Galaxy Tab). Das alles hilft Microsoft gerade nichts, eher sogar macht es eine traurige Geschichte noch ein bisschen trauriger und noch ärgerlicher.

Wir können jetzt noch lange jammern und lamentieren, wieso wir nicht von drei großen Systemen — Android, iOS, Windows — im mobilen Bereich reden heutzutage. Ändern wird es alles nichts und so nutzt wahrscheinlich auch das Spekulieren nichts, ob das Scheitern mit falschen Management-Entscheidungen, unausgereifter Hardware oder mit falschem Timing zusammenhängt.

Ich könnte mir zumindest vorstellen, dass Microsoft noch einmal einen Anlauf wagen wird in einigen Jahren — und vielleicht hilft es den Redmondern dann ja, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass sie durchaus ein paar pfiffige und richtige Ideen hatten, die man lediglich konsequenter hätte umsetzen müssen. Was sagt ihr denn? Hätte der Weg für Lumia-Smartphones bzw. generell Smartphones mit Windows anders verlaufen können durch so einen Design-Vorstoß?

Quelle und alle Fotos: Windows Central