WWDC16: Ciao, Mac OS X – macOS Features im Überblick

Aus Mac OS X wird macOS, Siri kommt auf den Desktop, Produktpflege und einige neue Features. Selten war die Vorstellung eines neuen Betriebssystems für Macs so langweilig.

Es war so überraschend wie Weihnachten am 24. Dezember: Aus Mac OS X wird macOS. Okay, wer schon mal am 24.12. in Kaufhäusern unterwegs war, der wird anmerken, dass das Beispiel vielleicht nicht ganz zutreffend gewählt ist, aber es ist klar, was damit gemeint ist. Diese Umbenennung hat sich lange angekündigt und wurde zuletzt durch genauere Blicke in verschiedene Bestandteile der aktuellen System-Versionen bestätigt. Es gehört wohl zu den Geheimnissen einer Apple-Keynote, dass ausgerechnet diese Ankündigung zu denen mit dem meisten Applaus gehörte.

Appe WWDC16 OS X

Die neue Version wird den Namen Sierra tragen und auch das wahrscheinlich wichtigste neue Feature pfiffen schon lange die Gerüchtespatzen von den Dächern ihrer Küchen: Siri kommt auf den Mac. Bei der Präsentation wurde gezeigt, was Siri auf dem Mac alles kann, besonders gefällt hier die am Beispiel von Dateisuchen gezeigte Möglichkeit, das Ergebnis eines Kommandos durch weitere Kommandos zu verfeinern.

Auch praktisch ist die Möglichkeit, solche und andere Suchanfragen als Widget in der Heute-Tidebar zu speichern. Die gefundenen Dateien lassen sich natürlich aus dem Ergebnisfenster heraus direkt in ein Programmfenster ziehen. Abmahnanwälte dürften sich darüber freuen, dass dies auch mit per Internetsuche gefundenen Bildern möglich sein wird.

Apple WWDC16 macOS Siri
Siri auf dem Mac

Zwar wurden die neuen Features unter iOS gezeigt, aber auch die macOS-Version von Fotos bekommt die neue Gesichtserkennung und die automatischen Zusammenstellungen der Foto-Alben – und alles auf dem eigenen Gerät erledigt, schließlich haben die Maschinen heutzutage genug Rechenkraft, um so was ohne Cloud zu erledigen. Nachrichten bzw. iMessage unter macOS soll zumindest die ganzen neuen Features der iOS-Variante darstellen können und zumindest die größeren Emojis und die Antworten in Form kleiner Anhänge an eine Nachrichten-Sprechblase werden auch auf dem Mac möglich sein. Auch die neuen Apple Music Funktionen wurden unter iOS gezeigt, kommen aber natürlich auch in iTunes für den Mac und Windows.

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Einen großen Teil der Präsentation nahmen Funktionen ein, die die Zusammenarbeit der verschiedenen Apple-Plattformen verbessert. Besitzer einer Apple Watch müssen zum Anmelden am Mac kein Passwort mehr eingeben, über die Apple Watch wird man direkt identifiziert und angemeldet. Auch gibt es in Zukunft ein geräteübergreifendes Clipboard. Dies konnte man zwar bisher schon irgendwie mit Apps nachbilden, die Apple-Lösung funktioniert aber automatisch und im Hintergrund.

Das spart in Zukunft so manchen Umweg um eine Dritt-App. Auch Apple Pay findet den Weg auf den Desktop, aber nicht komplett: Zwar kann man in Webshops in Zukunft die Zahlung per Apple Pay im Browser auswählen, zur Freigabe der Zahlung dient aber weiterhin eine Apple Watch oder zumindest ein iPhone. Eine Konkurrenz für Paypal dürfte hier also eher nicht entstehen. Und am Rande bemerkt: Nach Deutschland kommt Apple Pay immer noch nicht.

Über iCloud Drive wird man in Zukunft den Ordner Dokumente und den Desktop zwischen allen Geräten synchron halten können. Bleibt zu hoffen, dass Apple dann auch die Speichergrößen für iCloud deutlich nach oben anpasst, für so manchen User ist ein Terabyte, welches es bislang maximal gibt, schon für die Fotosammlung etwas knapp. Ebenfalls Speicher in der iCloud benötigt dann auch die Funktion, die einem hilft Speicherplatz auf dem Mac freizuräumen. Gerade Nutzer mit eher kleiner SSD kennen das Problem, dass man irgendwann einfach kaum noch freien Platz hat.

Hier soll der Mac in Zukunft auf Wunsch automatisch aufräumen und z.B. schon lange nicht mehr benutzte Dokumente, Mail-Anhänge oder bereits gesehene Filme aus iTunes in die iCloud auslagern. Dabei muss man die Dateien danach nicht suchen, sie sind weiterhin an der gewohnten Stelle zu finden – beim Öffnen müssen sie aber dann erst aus der Cloud zurück geholt werden. Anbieter von entsprechenden Software-Lösungen dürfte nicht schmecken, dass diese Funktion auch löscht, was gelöscht werden kann: Cache-Dateien, alte Logs, doppelte Downloads, alte Installer – eben all die Sachen, die langsam aber sicher eine Platte bzw. SSD vollmüllen und die man regelmäßig vergisst zu löschen.

Appe WWDC16 macOS Sierra Cleanup Before
Bevor macOS Sierra aufgeräumt hat…
…und danach.
…und danach.

Der Produktivität am Mac dürften die systemweiten Tabs und das Bild-in-Bild-System dienen. Besonders schön an den Tabs: Sie wurden so umgesetzt, dass jedes Multi-Window-Programm auf dem Mac sie sofort und ohne Änderung nutzen kann – falls das Programm auf die entsprechenden Standard-Aufrufe des Systems zurückgreift. Man muss also nicht erst lange darauf warten, dass nach und nach die Updates eintreffen.

Bild-in-Bild für Videos ist ebenfalls praktisch: Man kann ein Video als Overlay auf dem Bildschirm frei platzieren und auch die Größe wählen und dieses bleibt dann immer an dieser Stelle, auch wenn man in einen anderen Space wechselt oder zu einer Fullscreen-App. Vielleicht wird diese Funktion die Produktivität auch eher verringern, das wäre natürlich auch möglich.

Apple WWDC16 macOS Features

Als Fazit bleibt: Solide Weiterentwicklung, sinnvolle neue Funktionen, aber nichts Weltbewegendes. Eine Developer-Version von macOS Sierra ist bereits verfügbar, ab Juli wird es wieder eine öffentliche Beta-Phase geben und im Herbst kommt dann die finale Version.