26. Tag der Deutschen Einheit: Wir muessen reden!

Zum 26. mal jaehrt sich der Tag der Deutschen Einheit und mich beschleicht das Gefuehl, dass wir immer weniger wertzuschaetzen wissen, welch wunderbaren Ereignissen wir heute gedenken. Die Welt des Jahres 2016 rueckt immer weiter auseinander. Getrieben von Populisten, deren emotionale Argumentation immer faktenresistenter wird.

Heute feiern wir zum 26. mal den Tag der Deutschen Einheit und aus diesem Grunde werden wir, wie auch bereits in den letzten Jahren, keine News, Tests oder Videos veroeffentlichen. Einzig dieser bereits im  Jahr 2014 veroeffentlichte Artikel erfaehrt ein Update. Und das ist auch gut so.

Deutschland in der postfaktischen Gesellschaft

Diesen Monat spielen die Scorpions hier bei uns in Taipei und auch wenn ich alles andere als ein Fan dieser Haarspray-Rocker bin, so denke ich doch immer wieder gerne an deren groessten Hit zurueck. Wind of Change.

Die Scheibe wurde vor 26 Jahren veroeffentlicht und erzielt bei mir noch immer diesen Gaensehaut-Effekt.

The world is closing in, did you ever think that we could be so close… like brothers.

Was fuer eine verrueckte Zeit das doch damals war, als rechts und links die alten Strukturen aufbrachen und sich die Freiheit ihren Weg bahnte. Alles schien moeglich, ja fuer einen Moment dachten wir sogar, dass der Wind des Wandels durch China wehen koennte, bevor das damalige Regime die demonstrierenden Studenten auf dem Tiananmen-Platz abschlachten liess.

Und heute? Was ist aus diesen hoffnungsvollen Zeilen aus „Wind of Change“ geworden? In Ungarn wurde gerade eben erst ein Referendum durchgefuehrt, welches die Solidargemeinschaft Europas in Frage stellte. Welches neben Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft, Abschottung als Alternative anbot. Da verweigert der Staatschef des groessten „Pro Kopf Nettoempfaenger“ der EU seine Solidaritaet und laesst die anderen Staaten einfach mal eben auf den Fluechtlingen sitzen.

Stimmung wird gemacht… in Ungarn, Polen, GB und natuerlich auch in Deutschland. Es scheint, als waeren grosse Emotionen zu wahlentscheidenden Faktoren geworden. Fakten? Ach, was sind schon Fakten? Die Taktik der Populisten und rechten Menschenfaenger ist ueberall aehnlich leicht durchschaubar. Eine gezielt fallen gelassene Provokation, die dann 1, 2 Tage spaeter dementiert wird. Das Statement hat jedoch inzwischen all die erreicht, die fuer derartige Inzenierungen empfaenglich sind. Da helfen keine Dementi mehr.

Weltweit brechen vermeintliche Politiker und Gruppierungen Tabus. Taeglich und immer extremer. Das Volk soll wieder regieren und Verfassungen sind ja letztendlich eh nur dafuer da, um ueber kurz oder lang fundamental angepasst zu werden.

Und dabei vergessen viele nur zu gerne, wie oft schon ganze Voelker den Toenen dieser Rattenfaenger gefolgt sind. Geradewegs ins Verderben. Immer und immer wieder.

Lassen wir es nicht zu, dass uns die Orbans, Trumps und Bachmanns dieser Welt zu den Menschen machen, die wir vor mehr als einem Vierteljahrhundert mit friedlichen Protesten, mit einer globalen Bewegung aus den Machtzentralen vertrieben haben. Die Menschen, die schon damals das durchfuehrten, was Donald Trump und Victor Orban nun planen. Mauern bauen!

Wir brauchen keine Mauern. Wir benoetigen eine starke Solidargemeinschaft.

In Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt!

Artikel vom 3. Oktober 2015

Entschleunigung und ein wenig Besinnung, muss nicht immer nur eine hohle Phrase sein, die uns der Kalender, Staaten oder Religionen vorschreiben. Einfach mal 2, 3 Minuten Facebook Facebook sein lassen, die Flimmerkiste ausschalten und sich Gedanken darueber machen, was der 3. Oktober fuer ein unglaublicher Glueckstag fuer Deutschland und die gesamte freie Welt ist.

Aber auch was dieser Tag fuer Menschen in den Laendern bedeutet, die nicht das Glueck hatten in eine Demokratie geboren zu werden. Die nicht die grenzenlose Freiheit eines weltoffenen und toleranten Europas erfahren koennen und die nicht die Moeglichkeit haben ihre Meinung frei zu aeussern.

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Ja, auch diese Menschen schauen heute auf Deutschland, denn unser Land ist ein Symbol fuer Freiheit, Einhaltung der Menschenrechte und Wohlstand geworden. Wohlgemerkt weltweit und das ist so eine wahnsinnig ehrenwerte Entwicklung, wenn man bedenkt vor welchen Truemmern unsere Vorfahren vor nicht einmal 70 Jahren standen.

Und auch deshalb ist es wichtig, dass wir den Fluechtlingen, die in diesen Woche und Monaten nach Deutschland kommen, die Hand reichen und sie Willkommen heissen. Gerade weil Millionen Deutsche genau diese Erfahrungen waehrend und nach dem 2. Weltkrieg machen mussten. Sie sind aus ihrer Heimat geflohen, vertrieben worden und haben Schutz und Hilfe in Nord- und Sued-Amerika und den benachbarten Laendern in Europa gefunden. Haben sich dort an neue Kulturkreise gewoehnen muessen und sich integriert. Sie haben aber auch eine grosse Portion des kulturellen Erbes Deutschland mitgebracht und in den jeweiligen Ziellaendern die Gesellschaften bereichert. Eine kleine Google-Suche nach „Berlin“ wird ebenso zeigen wie global Deutschland ist, wie verschiedenste „Germantown“ Siedlungen in den USA, Kanada oder Latein-Amerika.

Genau diese Chance sollten wir auch den zu uns kommenden Fluechtlingen geben. Die Chance zur Integration, ohne jedoch ihre Wurzeln, ihre Kultur gaenzlich aufgeben zu muessen. Integration erfordert Toleranz von beiden Seiten und selbstverstaendlich sind hier auch die neuen Freunde gefragt, die sich ebenso wie die Millionen Deutschen Fluechtlinge, umstellen und anpassen muessen.

KEIN TAG WIE JEDER ANDERE!!!
Unsere Reporter waren heute bei der Ankunft der 1500 #Flüchtlinge am #Dortmunder Hauptbahnhof. Was sich dort abgespielt hat, war Gänsehaut pur. Das passiert wenn Menschen auf Menschen treffen. Wir lassen das Video wohl lieber unkommentiert. Nur eine Sache sei gesagt: #Welcome

Posted by 17:30 SAT.1 NRW on Sunday, September 6, 2015

Geben wir ihnen die Chance und zeigen wir auch in Zukunft, dass der Tag der Deutschen Einheit ein Feiertag fuer alle Menschen ist. Dieser 3. Oktober ist ein Fest der Freiheit und genau diese wuensche ich mir abermals fuer meine jetzige Heimat Taiwan, damit die Bewohner dieser wunderschoenen Insel endlich sorgenfrei das geniessen koennen, was fuer uns Deutsche vielleicht sogar schon ein wenig zu selbstverstaendlich ist. Frieden, eine gesunde Demokratie, eine offene und tolerante Gesellschaft und die weltweite Anerkennung als ein souveraener Staat.

Auch in Taiwan gilt das vereinigte Deutschland hierfuer als Vorbild!

Original Artikel vom 3. Oktober 2014

Zum 24. Mal feiern wir heute den Tag der Deutschen Einheit. Auch im fernen Taipei werden sich darueber Gedanken gemacht, weshalb wir uns entschlossen haben am 3. Oktober keine News mehr zu veroeffentlichen.

Der 3. Oktober ist nicht nur ein Feiertag fuer alle Deutschen, er ist ein symboltraechtiger Tag fuer alle Menschen, die an Freiheit und die Macht des Volkes glauben.

Als vor 25 Jahren die ersten Menschen in der damaligen DDR auf die Strasse gingen und diese beruehmte Parole „Wir sind das Volk“ dem Regime entgegenschmetterten, hatte ich zum ersten Mal in meinem noch jungen Leben die Chance zu erleben, wie Geschichte geschrieben wird. Ebenso hatte ich zum ersten Mal Traenen in den Augen und konnte nachvollziehen wie stark das Bestreben und der Wille nach Freiheit war und immer noch ist, egal wo auf diesem Planeten.

Am Abend 30. September 1989, ich war gerade 17 Jahre alt, trat der damalige Aussenminister Genscher auf den Balkon der Deutschen Botschaft in Prag und gab bekannt, dass unsere auf das Botschaftsgelaende gefluechteten Landsleute endlich ausreisen durften. Selbst jetzt, mehr als ein Vierteljahrhundert spaeter bekomme ich Gaensehaut und waehrend ich gerade eben wieder dieses Video abspielte, passierte genau das was mir als Teenager widerfahren ist… es nimmt mich mit.

Ich bin in einem geteilten Deutschland aufgewachsen und hatte nur selten die Chance die andere Haelfte meiner Familie zu sehen. Zu Weihnachten gab es immer wieder Buechergeschenke aus der „Ostzone“, wie meine Grossmutter (die sich weigerte den Namen DDR in den Mund zu nehmen) die fuer sie nun nicht mehr bereisbare Heimat nannte.

Meine Tante ist auf abenteuerlichen Wegen in den Westen gefluechtet. Die Ausweisdokumente wurden von einem Bekannten hergestellt, der aus Streichhoelzern einzelne Buchstaben zum stempeln schnitzte. Schaue ich mir heute einen meiner Lieblingsfilme „Die Akte Odessa“ mit ihr an, dann kann ich nur ansatzweise erahnen wie befreiend diese Flucht fuer sie gewesen sein muss und wie befriedigend es war nun ihrer Leidenschaft als Schauspielerin im „freien Westen“ nachgehen zu koennen.

Millionen Familien in Deutschland koennen Geschichten aus der Zeit der Trennung erzaehlen und haben heute wieder einmal die Chance die Wiedervereinigung zu feiern.

Macht dies auch und seid euch sicher, dass die freie Welt mit euch feiert. Vor nicht einmal 24h hat mir meine Steuerberaterung hier in Taipei zur Wiedervereinigung gratuliert. Sie wusste sehr wohl welches Datum heute ist und was dies fuer Deutschland aber vor allen Dingen fuer die ganze Welt bedeutet.

Fast 6 Jahre sind nun vergangen seitdem ich mich entschlossen habe in ein Land zu ziehen welches politisch nicht anerkannt ist und staendig unter der Bedrohung steht von China vereinnahmt zu werden. Ein Land welches in den letzten Jahrzehnten eine bluehende Demokratie und tolerante und weltoffene Gesellschaft entwickelt hat, schaut aber nun auch rueber ins nahe Hong Kong und macht sich Gedanken darueber ob dies ein Fingerzeig fuer Taiwans Zukunft sein koennte.

Die Deutsche Wiedervereinigung hat Symbolcharakter, auch hier in Taiwan. Ebenso in Hong Kong, in Korea, in Tibet und in jeder anderen Region in der Menschen nach Freiheit und Demokratie streben.

Es tut „uns Deutschen“ gut sich das einmal vor Augen zu fuehren und diesen Feiertag nicht einfach als einen Brueckentag fuer ein verlaengertes Wochenende zu sehen.

Der 3. Oktober ist ein Tag der Freiheit fuer alle Menschen!

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Vom heutigen Tag der Deutschen Einheit an werden wir an jedem 3. Oktober nur noch einen Artikel veroeffentlichen. Keine News, keine Tests, keine Videos mehr. Nur ein Artikel der an die geschichtstraechtigen Ereignisse des Jahres 1989 erinnert.

Heute sind wir alle irgendwie Deutsche, aber auch genauso Taiwaner, Tibetaner, Koreaner oder gar Bewohner von Hong Kong, die wie damals unsere Landsleute in der Ex-DDR auf die Strasse gehen und friedlich fuer Demokratie und Freiheit demonstrieren.